Lina und Andreas Killat aus Markdorf sind Anfang September 2004 zu einer abenteuerlichen Fahrradreise nach China aufgebrochen. Sie berichten in loser Folge von ihren Eindrücken und Erlebnissen. Diesmal aus der Provinz Xinjiang im Westen Chinas:
Die rund 400000 Einwohner zählende Stadt Korla in der Provinz Xinjiang im Westen Chinas ist mangels Touristenattraktionen, trotz ihrer Größe und Bedeutung für das Umland selbst in den bekanntesten Reiseführern nicht zu finden. Als wir hier aus dem Bus stiegen, erlitten wir einen regelrechten Kulturschock nach den katastrophalen Verhältnissen in Indien und Pakistan. Die reichen Öl- und Gasvorkommen in der Region haben enormen Wohlstand gebracht, die vielen Hochhäuser erinnerten uns ein wenig an Frankfurt.
Fahrräder samt Gepäck ließen wir wegen eines erneuten Rahmenbruchs in der kleinen Wüstenstadt Qarkilik zurück. Niemand war in der Lage, uns den Namen unseres Hotels in lateinischen Buchstaben aufzuschreiben, und in Deutschland werden chinesische Schriftzeichen nicht verstanden, so wie lateinische Buchstaben in China nicht verstanden werden. Das macht den Versand von Waren nach China so schwierig. Das Paket hing über zwei Wochen im Zoll von Beijing.
Endlich haben wir unseren Rahmen bekommen, dank eines Engländers namens David, der schon vier Jahre in Korla lebt. David hat sich in einer komfortablen Vier-Zimmer-Wohnung für umgerechnet 60 Euro im Monat eingemietet und nahm uns wohlwollend auf. Mehr schlecht als recht schlägt er sich mit dem Handel von getrockneten Tomaten durch, die er nach Europa exportiert. Die Einnahmen seien bescheiden, da er am unteren Ende der Handelskette steht. Trotz ihrer Größe leben in der Stadt laut David nur zwei bis drei weitere Ausländer aus dem Westen, und aus diesem Grund ist David hier überall bekannt. Bald bekam auch ein Reporter Wind von unserer Anwesenheit in der Stadt und es erschien ein Artikel über uns in einer renommierten Zeitung in Korla.
Die Lebenshaltungskosten hier in Korla sind gering. Bei einem Besuch in einem guten Restaurant kommt man mit Getränken für zwei Personen schon mit umgerechnet 3 Euro davon, eine Taxifahrt kostet nur 50 Cent. 50Prozent Alkohol oder mehr hat auch der sehr beliebte, widerlich nach Medizin schmeckende chinesische Schnaps "White Wine". Ein halber Liter ist ab einem Euro zu haben. Hier zu Lande wird gerne und viel getrunken, auf fast jedem Tisch steht abends eine Flasche, und in den Restaurants kann es deshalb sehr laut werden. Für uns ungewohnt: Die meisten Restaurants haben separate Räume mit einem großen runden Tisch. Darauf befindet sich eine drehbare Glasscheibe auf denen mehrere verschiedene Gerichte serviert werden, von denen sich jeder bedienen kann. Das macht das Essen sehr abwechslungsreich. Allerdings sind Spezialitäten wie Eselfleisch, Gänsehälse oder Fischköpfe gewöhnungsbedürftig. Zum Glück wurden wir von gekochtem Hund verschont.
Beim Warten auf unseren Fahrrad-Rahmenvertrieben wir uns die Zeit, Chinesisch zu lernen. Die Sprache hat sehr viele Worte mit der gleichen Aussprache in vier verschiedenen Tönen. Trifft man nicht den richtigen Ton, wird man missverstanden. Erschwerend kommt hinzu, dass die chinesischen Schriftzeichen rein gar nichts mit der phonetischen Aussprache zu tun haben, was die Sache noch zusätzlich erschwert."

„Zweite Hälfte war katastrophal“
Lars Menck als Chef-Einheizer
Matthias Lauber bleibt Trainer