Am 2. September sind Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer ungewöhnlichen Radtour aufgebrochen. Ziel ist China. Für den SÜDKURIER berichtet das Ehepaar im Rahmen einer Serie. Hier die zweite Folge:
Der Sonntagsausflug wandelt sich langsam zu einem Abenteuertrip. Gestern Abend war es schon spät, so gegen sechs Uhr, und wir waren gezwungen, uns einen Platz zum Zelten zu suchen, denn um sieben wird es schon dunkel und man hat noch einiges zu erledigen, wie Zelt aufbauen und Essen kochen. Im Dunkeln ist das kein Vergnügen. Unsere Wahl fiel auf einen Platz neben einem kleinen Feldweg, sichtgeschützt von hohen Büschen an einem kleinen Bach. Wir dachen um diese Uhrzeit kommt hier bestimmt keiner vorbei. Als erstes kam ein Jugoslawe mit zwei Hunden und fragte uns wo wir denn hin wollen. Wir untertrieben und sagten zum Schwarzen Meer, um eine längere Debatte zu vermeiden. Das Gespräch gestaltete sich dennoch länger als erwünscht. Als zweites kam ein Jogger. Der war zum Glück schnell vorbei. Als wir so richtig schön Spagetti kochten, stand Lina plötzlich kerzengerade und sagte mit weit aufgerissenen Augen: "Da kommen Jäger". Und tatsächlich. Etwa zehn Männer in traditioneller Tracht mit einer Hundemeute waren in etwa 50 Meter Entfernung auf dem Feldweg auszumachen. Zwei bewegten sich auf unser Zelt zu, der Rest verteilte sich in alle Richtungen. Wir rechneten zwar nicht damit gejagt, aber verjagt zu werden. " Schlaft ihr heute hier?", fragte ein freundliches Gesicht. "Ja, aber nur für eine Nacht, morgen früh sind wir wieder weg", lautete meine Standardantwort. "Ja dann bewegt euch nicht vom Zelt weg und wenn es laut wird, dann legt euch flach auf den Boden." " Ja klar, machen wir, kein Problem", sagte ich mit einem Grinsen, denn ich nahm ihn nicht richtig ernst.
Nach einigen Minuten hörten wir die ersten Schüsse. Erst fern, dann nah, und dann ganz nah. Wir sahen Duzende von Enten auffliegen, Hunde durch den Bach stieben, um die erlegten Tiere zu holen, und verletzte Enten nah dem Zelt sich in die Büsche retten. Kein Zweifel: Es war eine Entenjagd. Lina äugte ängstlich aus dem Zelt. Ich hatte draußen noch einige Sachen zu erledigen, stellte mich aber mental schon auf einen heftigen Schmerz in der Brust ein. Es war wie Krieg, oder wie Silvester mit schärferen Waffen.
Das war alles noch ganz lustig, denn es ist ja nichts passiert. Aber wenn etwas am Fahrrad kaputt geht, ist das nicht nur ätzend, sondern kostet auch Geld. Wie vorgestern. Ich fuhr allein und ohne Gepäck zurück über die deutsch-österreichische Grenze um eine größere Summe Euro abzuheben. Lina hütete unser Zelt. Auf der Hinfahrt stürzte ich, weil ich zu wenig Luft in Vorderreifen hatte. Scheinbar passierte nichts. Auf der Rückfahrt sprang mir die Kette vom hinteren Ritzelpaket und der Umwerfer verfing sich in den Speichen. Umwerfer total verbogen, im Rad eine Acht. Beim Sturz auf der Hinfahrt musste sich etwas verstellt haben. Den Umwerfer konnte ich selbst austauschen, die Felge konnte mir ein Mechaniker in Österreich noch richten. Schaden: 90 Euro. Und das passiert mir in meinem Heimatland.
Wir haben beschlossen, von jedem Land, das wir durchfahren, einen Nationalfahnen-Aufkleber zu kaufen und auf unser Rad oder die Packtaschen zu kleben. So kann jeder an der Grenze ohne viel Worte erahnen, was wir machen. So hoffen wir weniger Schwierigkeiten zu bekommen. Lina kommt aus Litauen. Das gehört zu den baltischen Staaten, am nordöstlichen Ende der EU. Doch Lina verzichtet auf den Aufkleber ihres Landes, da Litauen Soldaten im Irak hat. Und da wir nahe an der Grenze des Irak vorbeifahren, und man immer wieder von Geiselnahmen hört - na ja, lieber nicht. Als Deutscher hat man in dieser Hinsicht zum Glück wenig zu befürchten. Da können wir von unserem Standpunkt nur sagen: Danke, Herr Bundeskanzler. (wird fortgesetzt)

„Zweite Hälfte war katastrophal“
Lars Menck als Chef-Einheizer
Matthias Lauber bleibt Trainer