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Markdorf

Kaffeefahrt:
Die „letzte Chance“ ist Bauernfängerei

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Mit einer Gewinnauszahlung über 8000 Euro weckt ein Unternehmen mit dem Namen „Euro plus24 UG“ in 28801 Stuhr Hoffnungen auf satte Summen baren Geldes, auf attraktive Geschenke, einen Ausflugstag mit schmackhaften Mahlzeiten und einem Besuch in einer Schweizer Käsefabrik. Der Haken: Die Firma findet sich in keinem Telefonbuch, aber im Internet: mit hundsmiserablen Bewertungen.
Kommentar: Finger weg!

Leere Versprechungen: Wer die Gewinnernamen googelt, stößt auf „glückliche Gewinnern“, die nie Geld sahen.

Markdorf – Wer würde schon die Benachrichtigung über einen Gewinn von 8000 Euro übersehen? Oder vergessen, an einem Gewinnspiel mit diesem Preis teilgenommen zu haben? Der Autor dieses Artikels, so scheint es. Den in seinem Briefkasten fand sich am Mittwoch die „Eilsendung-Erinnerung“ betreffend den „letzten Termin zur Auszahlung des „3. Preises 8000 Euro in Bar“. Laut Schreiben – ohne Datum, Unterschrift oder Telefonnummer – „hat Herr Thum den Gewinn nicht abgeholt, nicht auf die 1. Gewinnmitteilung reagiert und konnte auch telefonisch nicht erreicht werden“. Die Einladung sei die letzte Möglichkeit, letzter Termin zur Auszahlung sei der 24. Februar, der Tag der „Carfahrt durch die erwachende Naturlandschaft“. Andernfalls müsse das Bargeld einer wohltätigen Organisation gespendet werden.

Der Text zu den „glücklichen Gewinnern, Sommerrätsel 2009“ wirft ungeachtet diverser Rechtschreibfehler einige Fragen auf. Es heißt: „…da dieser Gewinn nur gewillte Zeit geführt werden darf und wir das wir dieses Konto auflösen müssen, geben wir Ihnen, Herr Thum, die letzte Chance, Ihren Gewinn am Mittwoch, 24. Februar 2010 in unserer Zweigstelle (welche Zweigstelle?) abzuholen. Auf das Schreiben vom 28. 08. 2008 erhielten wir keine Antwort von Ihnen.“ Diese Hinweise werfen Fragen auf:

Warum darf ein Konto aus Datenschutzgründen nur „gewillte Zeit“ geführt werden?

Was ist das für ein Schreiben vom 28.08.2008 wenn es sich um das Gewinnspiel 2009 handelt?

Warum weiß der Angeschriebene nichts von diesem Gewinnspiel?

Warum macht sich „Euro plus 24“ überhaupt die ganze Mühe?

Schwarz auf weiß steht die Zusage: „Tatsache ist und bleibt – Sie haben garantiert gewonnen und erhalten alles gratis… Den Rest erledigen wir.“ Beim angekündigten „Rest“ handelt es sich um die versprochene Busfahrt mit Frühstück und Mittagessen. Eine gewisse Frau Lange wird laut Schreiben zusätzlich „für jede Dame einen sieben Pfund schweren Präsentkorb gefüllt mit landesüblichen Spezialitäten“ übergeben. Ebenso an jeden Herrn. „Zusätzlich für ein Paar oder Ehepaar“ versprechen die Veranstalter einen DVD-Player oder einen 220-Volt-Fernseher – tragbar mit 55 Programmplätzen kostenlos. Das ist nicht alles. Für ein Paar/Ehepaar winken ein Staubsauger oder 50 Euro Bargeld. Wer versucht, die Anschrift von „Euro plus 24 UG“ zu ermitteln, tut sich in Stuhr schwer. Eine Telefonnummer gibt es nicht. Der Redakteurin Bischof von der dortigen Kreiszeitung ist die Firma nicht bekannt, ebenso wenig bei der Wirtschaftsförderung. Auch beim Gewerbeamt werde „Euro plus 24“ nicht geführt.

Wohl aber wird fündig, wer „Euro plus 24“ googelt. Auf mehr als 100 Seiten berichten Empfänger derartiger Gewinnbriefe über die wahren Absichten des Unternehmens: Kunden für Kaffeefahrten zu gewinnen, bei denen erfahrungsgemäß Waren überteuert an den Mann oder die Frau gebracht werden.

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Autor: Winfried Thum
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