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Markdorf Jeder Tag in Ali ist ein verlorener Tag

01.09.2005
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Am 2. September 2004 sind Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer Fahrradreise nach China aufgebrochen. Nach einem Rahmenbruch sitzen sie in Tibet in 4200 Metern Höhe fest. Hier ihr Bericht.

Einen Fahrradrahmen von Deutschland in die chinesische Provinz Tibet geschickt zu bekommen ist ein Abenteuer. Nach einem Telefonat und einem digital versendeten Foto vom Rahmenbruch erklärte sich der Hersteller unserer Fahrräder "riese und müller" aus Darmstadt bereit, uns einen neuen Rahmen zuzuschicken.

Als Folge der Besetzung Tibets durch China ist es aber nicht erlaubt, Pakete aus dem Ausland nach Tibet zu senden. Als Empfänger gaben wir ein uns bekanntes Hotel in der Stadt Kashgar/Provinz Xingjiang an. Wir versuchten das Hotelpersonal telefonisch und per Fax um die Weiterleitung des Paketes nach Tibet zu bewegen, doch die Leute dort waren verständnislos und ignorant. Dann wollten wir das Paket selbst abholen, was wir bald wieder verwarfen, denn die wenigen Busse waren ausgebucht. 1300 Kilometer sind es bis Kashgar.

Unruhige Tage standen uns bevor, und während wir um eine Lösung rangen, trudelten innerhalb einiger Tage elf Fahrradfahrer in der tibetischen Stadt Ali ein, aus aller Herren Länder. So viel Verkehr hatten wir in dieser abgelegenen Gegend nicht erwartet. Alle zogen in dasselbe Hotel und es ging zu wie im Schullandheim. Neidisch blickten wir auf ihre Fahrradrahmen aus Stahl, wahrscheinlich die bessere Wahl als unsere zerbrechlichen Rahmen aus Aluminium.

Von allen ernteten wir Mitleid und jeder versuchte uns zu helfen. Der Spanier Andoni kannte den Schweizer Extremradler Beat, dessen Leidenschaft es ist, die höchsten Pässe der Welt mit dem Fahrrad zu bezwingen. Zufälligerweise hielt er sich gerade auf seiner Asientour in Kashgar auf. Über seine Webseite nahmen wir Kontakt auf und er erklärte sich sofort bereit, sich um die Sache zu kümmern.

Als das Paket auf seinem Weg nach Kashgar in der chinesischen Hauptstadt Peking zwischenlandete, wurden wir vom Deutschen Paketdienst DPD nicht darüber informiert, dass wir uns um die Zollformalitäten zu kümmern haben. Wir verfolgten den Paketlebenslauf im Internet und als es einige Tage in Peking festhing, bekamen wir auf Anfrage bei DPD von äußerst unfreundlichen Damen zur Antwort, dass das Paket in Beijing sei und nicht in Peking. Nachdem wir die Damen aufklärten, dass es sich um ein und dieselbe Stadt handle, fiel ihnen ein, dass noch die Zollangelegenheiten zu erledigen seien.

Glücklicherweise vermittelte uns unser neuer Freund Beat an einen chinesisch-englisch sprechenden Cafébesitzer in Kashgar, der uns half das Paket durch den Zoll zu schleusen.

Wehmütig schauten wir den anderen Radfahrern hinterher, als sie uns vor wenigen Tagen verließen.

Jetzt sind wir wieder allein. Die Wahl unserer Fahrräder würden wir bei einem erneuten Start in Deutschland nochmals überdenken. Im Iran trafen wir zwei Mädels aus Frankreich, die die ganze Welt umrundeten und bereits 60000 Kilometer mit Fahrrädern für 700 Euro ohne Schaden zurückgelegt hatten. Jeder Tag hier in der tibetischen Stadt Ali ist ein verlorener Tag. Wir warten nunmehr über zwei Wochen auf unser Paket, bei einer angegebenen Regellaufzeit von fünf Tagen.

Wir hoffen, dass alles glatt geht und wir die 1700 Kilometer nach Lhasa durch das tibetische Hochland auf den Sätteln unserer Räder fahren.

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