Markdorf In Karton gesperrt und ausgesetzt
Genau so muss sich ein junger Tigerkater gefühlt haben, bis eine hellhörige Tierfreundin ihn aus seinem Pappkarton nahe dem Markdorfer Penny-Markt befreite. Ein skrupelloser Zeitgenosse muss ihn in die Schachtel gezwängt und dort der Kälte überlassen haben. Völlig abgemagert und mit Schnupfnase wurde er sofort von seiner Retterin zur Tierarztpraxis von Christof Spielmann gebracht, wo der Kater momentan medizinisch versorgt wird.
„Für mich ist es völlig unverständlich, wie man einem Tier so etwas antun kann“, meint Spielmann kopfschüttelnd. „Zum Glück gibt es couragierte Leute wie die Dame, die ihn fand. Manch einer ist sicherlich einfach an der Kiste vorbeigegangen.“ Das robuste Kerlchen wird bald wieder gesund, sagt der Tierarzt. Zwar hat der Kater laut Diagnose ein paar kleinere Verletzungen und einen ordentlichen Katzenschnupfen, aber bereits jetzt schmust er sich schnurrend durch das Team der Tierarztpraxis. „Traurigerweise stehen auch bei uns ein bis zwei mal im Jahr Kisten vor der Tür, meist mit jungen Kätzchen. Manchmal sind sie bereits erfroren, weil die Leute sie im Winter nachts hinstellen und wir erst am nächsten Morgen vor die Tür schauen.“
Die Behandlungskosten für den Schmusekater übernimmt der Tierschutzverein Markdorf. „Der Tigerkater ist zwar ein Sonder-, aber leider kein Einzelfall“, berichtet die Vorsitzende Annemarie Hendricks. „Allein im Januar wurden sechs Tiere aufgefunden, im Februar zum Glück nur drei. Normalerweise laufen die Tiere eher Leuten zu und sitzen bei der Kälte bellend oder miauend vor der Haustüre und betteln um Einlass oder Essen.“
Bei den Tierfunden gibt es regelrechte Stoßzeiten, die dem Verein die Arbeit erschweren. So häufen sich neben der kalten Jahreszeit beispielsweise im Frühsommer die Katzenfunde. Der Grund dafür sind die Wurfzeiten. „Es ist wichtig, seine Katze rechtzeitig zu kastrieren. Gerade auf Bauernhöfen wird das oft nicht ernst gesehen und so wird schnell aus einem Katzenpärchen eine ganze Sippe“, sagt Hendricks. Hauskatzen können nämlich bis zu zwei Mal im Jahr werfen, wobei durchschnittlich sechs Jungtiere geboren werden. Diese sind nach sechs bis acht Monaten geschlechtsreif und vermehren sich auch untereinander – ein Teufelskreis. Die Kater müssen sich zur Geschlechtsreife dann oft eigene Reviere suchen, da die eingesessenen Kater sie nicht dulden. Die unbegabten Jäger unten ihnen enden meistens als Tierfund, die anderen streunen als Wildkatzen durch die Gassen, Wälder oder über Friedhöfe.
Mehr Informationen rund um den Tierschutzverein Markdorf e.V., die nächsten Veranstaltungen des Vereins und derzeitige Fundtiere gibt es bei der Vorsitzenden Annemarie Hendricks, Tel. (0 75 44) 13 49 oder (0 75 44) 91 29 41.
Zur Website des Markdorfer Tierschutzes

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