Am 2. September sind Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer ungewöhnlichen Radtour aufgebrochen. Ziel ist China. Über Eindrücke und Erlebnisse berichtet das Ehepaar für den SÜDKURIER.
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Endlich sind wir in der transsilvanischen Stadt Brasov angelangt. Die Legende von Dracula hat schon immer eine besondere Faszination auf uns ausgeübt, doch die Legende hat wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Dracula heißt auf rumänisch Drache, aber auch Teufel. Er war ein grausamer Herrscher, der das Blut seiner Feinde trank, doch mit Sicherheit kein unsterblicher Vampir, der sich nachts in eine Fledermaus verwandelt und tagsüber in einem Sarg schläft.
Wir besuchten sein Schloss in der Nähe von Brasov. Wenig ist von der unheimlichen Atmosphäre der Filme innerhalb der 1,5 Meter dicken Mauern zu spüren, aber dennoch waren wir begeistert. Die Burg scheint wie für Zwerge gebaut, besonders ich musste mich ständig bücken um durch die Zimmer und Gänge zu streifen. Sie sind nach einem undurchschaubaren Plan angeordnet, spielerisch und verwinkelt und nicht zu zählen. Auf Schritt und Tritt wird man von misstrauischen Wärterinnen verfolgt, die die kostbaren, mit kunstvollen Holzschnitzereien verzierten Möbelstücke bewachen.
Um nach Brasov zu gelangen mussten wir in den Bergen Transsilvaniens zahlreiche Pässe überwinden. Bevor wir diesen Landstrich verlassen, folgt noch die Königsetappe über einen 1263 Meter hohen Pass, das sind von Brasov fast 700 Höhenmeter steil aufwärts, überwiegend im ersten Gang, und das mit 40 Kilo Gepäck am Fahrrad. Konditionell sind wir schon in sehr guter Verfassung, aber noch nicht gut genug für den Himalaya. Als wir vor drei Jahren das Annapurnamassiv in Nepal zu Fuß umrundeten, stiegen wir über den Thorung La, einen 5400 Meter hohen Pass. Die Luft war dort so dünn, dass ich alle 20 Schritte pausieren musste, um nach Luft zu schnappen. Mit dem Fahrrad werden wir in Tibet viele Pässe in dünner Luft überqueren müssen und mit wesentlich mehr Gepäck als damals zu Fuß.
Die türkischen Gebirge werden uns auf diese schwere Aufgabe hervorragend vorbereiten, denn sie ziehen sich 2000 Kilometer in der West-Ostausdehnung durch das ganze Land. Unsere Taktik bei der Überwindung eines steilen Anstiegs besteht darin, ihn ohne Pause zu bewältigen. Erst auf der Passhöhe folgen eine Reihe von Belohnungen: frisches Wasser, Freude über die Leistung, der Ausblick, die angenehme körperliche Erschöpfung, der Smalltalk mit dem Partner, die Vorfreude über die Abfahrt. Diese allerdings gestaltet sich auf rumänischen Nebenstrassen als problematisch. Kopfsteinpflaster, riesige Schlaglöcher, zeitweise Schotterpisten sind Normalität und lassen keinen Geschwindigkeitsrausch aufkommen. Wir sind äußerst vorsichtig und riskieren wenig, denn ein Sturz wäre mit dem schweren Fahrrädern kein Vergnügen.
Die Sommerzeit ist in Deutschland zu Ende, doch wir mussten unsere Uhren nicht zurückstellen, weil wir bereits in einer andere Zeitzone sind. Unser Radio weckt uns schon um 6 Uhr.
Im ersten Tageslicht stehen wir auf und frühstücken ausgiebig. Die deutsche Brotbackkunst ist hier unbekannt, und so müssen wir mit pappigen Weißbrot Vorlieb nehmen, das hier ausschließlich genossen wird. Auf eine kalorienarme Ernährung brauchen wir nicht zu achten, im Gegenteil. Mit Butter oder Margarine wird nicht gespart, der Käse wird fingerdick geschnitten und abends großzügig Olivenöl zu den Mahlzeiten verwendet. Olivenöl ist nicht gerade billig, aber schmackhaft und ist sehr gesund. Um 17 Uhr wird es bereits dunkel, und wir sind gezwungen uns zeitig nach einem Zeltplatz umzusehen. Mittlerweile suchen wir uns Plätze, an denen wir Feuer machen können, denn nachts wird es empfindlich kalt. Es schläft sich besser, wenn man sich vorher am Feuer aufgewärmt hat und der Tag ist nicht so früh zu Ende. Morgens klirrt dann das gefrorene Wasser in den Trinkflaschen, aber es fordert ein hohes Maß an Überwindung und Disziplin, bei solcher Kälte früh aufzustehen. Uns bleibt in diesen Tagen keine andere Wahl, um das wenige Tageslicht auszunutzen. Wir sind froh wenn abends 50 Kilometer auf dem Tacho stehen und die Tage werden noch kürzer. (wird fortgesetzt)

„Zweite Hälfte war katastrophal“
Lars Menck als Chef-Einheizer
Matthias Lauber bleibt Trainer