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Markdorf Im Kampf gegen Kälte und Schlamm

01.02.2005
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Am 2. September 2004 sind Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer außergewöhnlichen Fahrradreise aufgebrochen. Ziel ist China. Für den SÜDKURIER berichten sie über Erlebnisse und Eindrücke. Zuletzt aus Kappadokien.

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Schnurstracks streben wir gen Osten. Uns bleibt nicht viel Zeit, denn unsere Aufenthaltsgenehmigung für die Türkei läuft an 2. März aus und bis dahin müssen wir die türkisch-iranische Grenze überquert haben.

Es wird immer kälter, denn das Klima wird kontinentaler und wir steigen immer höher. Im Augenblick befinden wir uns 1200 Meter über dem Meeresspiegel in der nicht sehr einladenden Provinzhauptstadt Nevsehir am Rande Kappadokiens. Um 4 Uhr morgens rieselte der erste türkische Schnee auf unser Zelt. Inzwischen zählen zwei Paar Strümpfe, lange Unterhose, zwei Fleecepullover, dicke Handschuhe, und Wollmützen zu unserer Standardausrüstung, die bis auf die Handschuhe auch nachts getragen wird.

Trotzdem ist es uns nicht immer warm. Wir ziehen es vor, draußen vor dem Zelt zu kochen, doch wenn die Füße vor Kälte schmerzen, schmeckt auch das liebevoll zubereitete Nudelgericht nicht mehr, und es wird im Zeltinneren gekocht. Der dadurch verursachte Wasserdampf gefriert dann an den Zeltwänden und verwandelt unser mobiles Haus in einen Eispalast.

Auf der Suche nach geeigneten Campmöglichkeiten begeben wir uns häufig auf unbefestigte Wege, die normalerweise nur von an dieses Gelände angepassten Traktoren befahren werden. Der Schmutz sammelt sich dann zwischen Schutzblech und Reifen und die Räder blockieren. Lina war deshalb einmal so verzweifelt, dass sie das Fahrrad hinschmiss und heulte. Ein anderes Mal blockierten auch meine Räder und ich war nach einen anstrengenden Tag so schwach, dass ich mich setzen musste. Lina half mir, mein Fahrrad von dem Schmutz zu befreien. Ich konnte weiter schieben, doch versank ein paar Meter weiter bis zum Schritt mit einem Bein und einen Teil des Fahrrads in einem Schlammloch. Lina befürchtete, dass ich samt Fahrrad ganz darin verschwinden würde. Am nächsten Morgen war der Schuh dann steifgefroren. So passte er nicht mehr auf den Fuß und die Flamme des Benzinkochers wurde zweckentfremdet, um den Schuh aufzutauen. Und die Reise konnte weitergehen.

In Ungarn wurden wir ignoriert, in Rumänien nur ungläubig begafft. Hier in der Türkei betätigen die Leute aber für unseren Geschmack etwas zu häufig die Hupe ihrer Autos, wenn sie uns grüßen wollen. Wir finden das zwar sehr aufmerksam und nett, aber besonders die Lastwagenfahrer wissen anscheinend, nicht wie viel Dezibel ihre Hupe hat und welchen Lärm sie damit verursachen. Der Schall erschüttert uns dann bis ins Mark und am liebsten würden wir die Hand heben - aber mit einer etwas anderen Geste als freundliches Winken.

Wenn wir in den Dörfern anhalten, um etwas einzukaufen, werden wir von den Leuten umringt wie Hollywoodstars und mit den ewig gleichen Fragen bombardiert: Wo kommt ihr her? Wo fahrt ihr hin? Seid ihr verheiratet? Wie teuer waren die Fahrräder? Von zig Augenpaaren werden jede unserer Bewegungen registriert. Die Menschen sind sogar so nett, dass sie uns in den Einkaufsladen begleiten und beobachten, was wir benötigen.

Irgendeiner der Männer spricht immer Deutsch und berichtet stolz wo, wie lange und bei welcher Firma er in Deutschland gearbeitet hat. Er und seine Familie sind so meist zu relativem Wohlstand gekommen. Und wir profitieren von der Dankbarkeit dieser Leute und werden äußerst gastfreundlich behandelt. (wird fortgesetzt)

Markdorf
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