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Markdorf Gesessen und gegessen wird auf dem Boden

14.04.2005
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Am 2. September 2004 starteten Lina und Andreass Killat aus Markdorf zu einer ungewöhnlichen Reise. Mit dem Fahrrad wollen sie nach China. Mittlerweile befinden sie sich im Iran. Hier ihr 16. Reisebericht für den SÜDKURIER.

Am frühen Morgen des 26. Dezember im Jahre 2003 bebte im Südosten Irans die Erde. Der größte Lehmziegelkomplex aus antiker Zeit mit der 2000 Jahre alten Zitadelle in der Stadt Bam zerfiel binnen Minuten zu Schutt und Staub, und mehr als 40000 Menschen kamen damals ums Leben. Doch die Erde kommt dort nicht zur Ruhe. Nur ein gutes Jahr später, am 22. Februar 2005, erschütterte ein erneutes Beben diese Region, nur rund 260 Kilometer von Bam entfernt. In der Stadt Zarand mussten über 600 Menschen sterben, 20 Dörfer wurden zerstört und 70 Prozent der Häuser beschädigt. Wir waren noch in der Türkei, als wir von diesem Beben erfuhren, hatten aber völlig vergessen, dass es ausgerechnet diese Stadt getroffen hatte, in die wir jetzt mit unseren Fahrrädern einfuhren. Uns fielen nur die außergewöhnlich vielen, schmutzigweißen Zelte von der "Red Crescent Society" auf, eine Organisation mit der des Roten Kreuzes vergleichbar.

Wir lernten einen jungen Iraner kennen, der uns in das Haus seiner Familie einlud. Das Haus war voller Risse und von Decken und Wänden bröckelte der Putz. Auch hier stand ein großes Zelt im Garten. Wochenlang suchte die Familie nach dem Beben hier Unterschlupf, aus Angst, dass das Haus in der Nacht über ihnen zusammenbrechen könnte.

Langsam kehren die Bewohner in ihre beschädigten Häuser zurück, die Zelte werden abgebaut. Wir schliefen eine Nacht mit einem unguten Gefühl in diesem wackeligen Haus, vertrauten jedoch dem Instinkt der Familie, dass nichts passieren würde.

Bei unseren zahlreichen Besuchen bei iranischen Familien haben wir keinerlei Möbel gesehen. Nur in einer Ecke steht meist ein kleiner Schrank für den Fernseher. Über Hausantenne können nur fünf Programme empfangen werden, Satellitenschlüsseln sind verboten.

Das Fernsehen ist staatlich kontrolliert. Auch die Nachrichtensprecherinnen und Frauen in iranischen Filmen und Komödien tragen Kopftücher. Alle Räume sind mit Teppichen ausgelegt, und es wird erwartet, dass man sich vor dem Betreten der Räume die Schuhe auszieht. Gesessen, gegessen und geschlafen wird auf dem Boden, was bei unserer gewohnt europäischen Sitzweise nach einer Weile etwas schmerzhaft sein kann. Auf der Toilette sucht man vergebens nach Papier. Nach alter Tradition wird hier nach dem Toilettengang die linke Hand und Wasser benutzt, was natürlich sehr hygienisch sein kann. Wir können und wollen diese Sitte aber nicht übernehmen und benutzen wie gewohnt unser in speziellen Läden teuer erworbenes Toilettenpapier.

Zarand liegt außerhalb der touristischen Trampelpfade und Reisende aus dem Ausland verirren sich hier nur äußerst selten. 15 Kilometer vor der Stadt wurden wir von zahllosen Motorradfahrern belästigt, und ein Polizeiauto eskortierte uns mit Warnblinkanlage ins Zentrum.

Auf Wunsch unseres Gastgebers besuchten wir zwei Schulen, in denen wir mit den Studenten über Politik und den Sinn oder Unsinn der Kopftuchpflicht diskutierten. Die Studenten können ihre Meinung sehr frei äußern und uns wurde erlaubt auch politische Fragen zu stellen. An der Politik von George Bush wird verständlicherweise kein gutes Haar gelassen.

Überwiegend herrscht die Meinung, man solle jede Religion und den Glauben anderer Menschen respektieren und tolerieren. Die Wurzel aller Religionen sei die selbe, und beinhaltet den Aspekt, in Frieden und Harmonie miteinander zu leben, über alle Grenzen hinweg.

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