In seinem Haus an der Kreuzgasse arbeitet der Tierarzt mit Fotovoltaik, mit Solarthermie und auf dem Garagendach dreht sich ein Windrad. Dennoch rät er von dieser Energiegewinnungsform dringend ab. „Bei uns am See fehlt der Wind“, sagt Schumacher. Und ergänzt: „Glaube versetzt zwar Berge, aber Glaube macht keinen Wind.“ Damit bezieht er sich auf die derzeitige Debatte zum Gehrenberg, den der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben als besonders günstigen Standort für Windenergieanlagen ansieht. Doch Schumacher ist skeptisch. Eben weil er seit sechs Jahren sein Windrad auf dem Dach betreibt.
Er wollte einfach mal sehen, ob es möglich ist, mit einem kleinen Windrad auf dem Dach Strom zu gewinnen. In St. Georgen fand er in der Firma Hacker einen professionellen Hersteller. Doch der sagte ihm gleich, er solle sich bei einer Leistung von 120 Watt pro Stunde und den Windverhältnissen am Bodensee nicht zu viel versprechen. Heute weiß Schumacher, dass nicht einmal 50 Prozent der prognostizierten Werte erreicht werden. „Es wird sich nie amortisieren, ist eher eine Spielerei“, sagt der Betreiber. Der Standort sechs Meter über seinem Garagendach an der Kreuzgasse ist zwar westwindorientiert, aber dennoch nicht besonders optimal. Schumacher hat sich weiter mit dem Thema beschäftigt.
Schon in der Geschichte wurde der Tierarzt fündig. Er stieß auf den Umstand, dass bereits Konrad Widerholt, der Verteidiger des Hohentwiels bei Singen, im Dreißigjährigen Krieg, 1537 auf dem Hohenwiel eine erste Windmühle mit Horizontalflügeln errichten ließ. Sie habe jedoch nie richtig funktioniert. Auch Graf Zeppelin nennt Schumacher als Beispiel. Der wählte den Bodensee aufgrund günstiger Windbedingungen, es durfte nicht viel sein, als Standort für seine schwimmende Luftschiffhalle vor Manzell.
Manfred Schumacher fand heraus, dass die durchschnittliche Windgeschwindigkeit in Friedrichshafen bei zwei Beaufort liegt und einer Windgeschwindigkeit von 1,6 bis 3,3 Metern entspricht. Die mittlere Windgeschwindigkeit am See beträgt drei Meter/Sekunde. Für die optimale Leistung des Windrades wären Geschwindigkeiten von zehn bis 17 Metern in der Sekunde und als Anlaufgeschwindigkeit drei Meter/Sekunde erforderlich. Die Nenngeschwindigkeit beträgt 11,2 Meter/Sekunde und sorgt für optimalen Wirkungsgrad. Im Klartext, so Schumacher: „Das Problem ist, dass in unserer Region der Wind nicht stetig weht. Dieser Umstand wird aber im offiziellen Windatlas des Landes nicht berücksichtigt, da dort nur durchschnittliche Windgeschwindigkeiten aufgeführt werden.“ Der Wert werde durch kräftige Böen nach oben hin verfälscht.
Der Stadt Markdorf, wolle sie denn einen Windpark auf dem Gehrenberg verhindern, rät Manfred Schumacher zu offensivem Vorgehen. Das heißt, mit Kosten von rund 3500 Euro ein Ein-KW-Windrad auf dem Aussichtsturm zu errichten und nach einem Jahr präzise Messergebnisse zu besitzen. Dann könne man realistisch feststellen ob es sich rechne. Sein Fazit: „Ein Investor investiert in eine Windkraftanlage auf dem Gehrenberg nur, wenn es sich rentiert.“
Die Beschlüsse zur Nutzung der Windenergie in der Region Bodensee-Oberschwaben, die der Regionalverband 2011 in Meßkirch gefasst hat, sollten einen Epochenwandel einleiten. Der Weg ist aber noch weit. Wo werden Windräder stehen? Halten Sie sich im SÜDKURIER-Themenpaket auf dem Laufenden.
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