Am 2l. September sind Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer ungewöhnlichen Radtour aufgebrochen. Ziel ist China. Über Einrücke und Erlebnisse berichtet das Ehepaar für den SÜDKURIER.
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Am Mittwoch, 24. November, erreichen wir nach 2902 Kilometer in Bulgarien das Schwarze Meer. Es ist der 84. Tag unserer Reise. Am weißen Sandstrand, der zu dieser Jahreszeit ausgestorbenen Touristenstadt Albena tauchten wir um 11.34 Uhr unsere Hände in das salzige Wasser. Nach fast 3000 Kilometern war das für uns schon ein besonderer Augenblick. Wir teilen unsere Tour in vier Etappen ein. Das Schwarze Meer ist das erste Etappenziel. Das zweite Etappenziel ist die türkisch-iranische Grenze. Dann folgt der 3752 Meter hohe Torugart-Pass an der Grenze von Kirgistan zu China. Und schließlich als viertes Etappenziel die tibetische Stadt Lhasa.
Nach einigen Entbehrungen und Strapazen machen wir einen Tag Pause und haben uns für fünf Euro pro Person in einem Hotel in dem kleinen Ort Kranevo eingemietet. Wir sind so südlich wie die Stadt Rom und so östlich wie St. Petersburg. Lina hat in einem Reiseführer gelesen, dass in Bulgarien Mitte November Temperaturen bis zu plus 25 Grad Celsius herrschen sollen. Wir spüren davon wenig. Nachts fällt das Thermometer meist unter den Gefrierpunkt und tagsüber spendet das kalte Licht der Novembersonne auch nicht viel Wärme. Wenn wir in die Pedalen treten wissen wir oft nicht, ob wir frieren oder schwitzen sollen.
Bei der bulgarischen Stadt Silistra überquerten wir ein letztes Mal die Donau und damit die rumänisch-bulgarische Grenze. Nur eine Autofähre verbindet die beiden Ufer. Stromauf- und stromabwärts muss man etwa 100 Kilometer fahren, um zur nächsten Brücke zu gelangen. Die Donau hat sich von dem kleinen, klaren Flüsschen in Sigmaringen in einen mächtigen, braunfarbenen Strom verwandelt und Brücken sind hier gigantische und teure Projekte.
Über eine Stunde mussten wir bei eisigem Wind auf die Fähre warten. Auf dem Fluss wurde der Wind noch beißender, denn die Fähre besteht nur aus einer schwimmenden Plattform, die von einem kleinen Schlepper über das Wasser geschoben wird und keinerlei Schutz bot. Nur 30 Kilometer schafften wir an diesem Tag, waren aber durchgefrorener als je zuvor.
Die Füße waren wie abgestorben und gehörten scheinbar nicht mehr zum Körper. Ein Lagerfeuer wäre schön gewesen, wenn es jemand anderes für uns gemacht hätte. Nur ein Gedanke trieb uns: Im Zelt in die Schlafsäcke schlüpfen, aufwärmen und ausruhen.
Trotz guter Schlafsäcke froren wir die halbe Nacht, besonders an den Füßen. Der Kopf ist weit entfernt von den Füßen, daher hilft es nichts, sich warme Gedanken zu machen.
Auch der Morgen gestaltet sich als problematisch, wenn es gilt, bei solchen Temperaturen die Sachen zusammenzupacken. Schon nach wenigen Handgriffen beginnen bei bloßen Händen die Finger zu schmerzen, mit heißem Atem werden sie wieder auf Betriebstemperatur gebracht, doch das Packen dauert doppelt so lange wie normalerweise.
In gemütlicher Wärme beobachten wir nun aus unserem Hotelzimmer, wie die Schneeflocken tanzen. Morgen geht es wieder hinaus auf die Strasse, wir fahren südwärts und hoffen, dass es wärmer wird. (wird fortgesetzt)

„Zweite Hälfte war katastrophal“
Lars Menck als Chef-Einheizer
Matthias Lauber bleibt Trainer