Am l2. September sind Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer außergewöhnlichen Radtour aufgebrochen. Sie führt nach China. Für den SÜDKURIER berichtet das Ehepaar über Eindrücke und Erlebnisse - zuletzt aus Istanbul.
Heute haben wir unsere iranischen Visa abgeholt und es ist unser letzter Tag in Istanbul. Die Stadt geht uns auf die Nerven. Manchmal ist man froh, in die Ruhe des Hotelzimmers fliehen zu können und dieser Hektik zu entgehen. "Where are you from? ist wohl die am häufigsten gestellte Frage an einen durch die Altstadt schlendernden Touristen in Istanbul, und die Schritte außerhalb des Hotels gleichen einem Spießrutenlaufen. Vor den Restaurants lauern speziell für diesen Job angestellte Mitarbeiter, präsentieren ihre Menükarten und versuchen die potenziellen Opfer mit Erfolg versprechenden Tricks ins Innere zu locken. "Very cheap oder "We have a very nice place for you, lauten die Angebote. Da ist es besser, mit vollem Magen spazierenzugehen oder zielgerecht einen Fischdönerstand anzupeilen. Auf den Brücken über das Goldene Horn stehen Hunderte von Anglern, die ihre Ruten in das salzige Wasser halten. Teilweise wird der frische Fisch dann direkt vor Ort gegrillt und in Weißbrot mit Salat für eine Million türkische Lira den Leuten angeboten. Das klingt viel, sind aber umgerechnet nur 50 Cent.
Zum Geldausgeben verführt auch der überdachte "Grand Bazar mit seinen 4400 Geschäften. In der orientalischen Atmosphäre findet das Auge keine Ruhe vor der Vielfalt der meist handgearbeiteten Waren, wie Teppiche, Keramik, Lampen, Schmuck und vieles mehr. Ein längeres Verweilen und stilles Betrachten ist meist nicht möglich. Sofort wird man angesprochen und zum Kaufen angefordert. Die Waren sind nicht mit Preisen ausgezeichnet, und Feilschen gehört hier zum Geschäft. Wer nicht feilscht, wird ausgeplündert.
Von warmer weihnachtlicher Stimmung spürt man hier nichts und das vermissen wir ein bisschen. Nur in wenigen Fenstern und Restaurants hängt ein Weihnachtsschmuck für die Touristen. Die Türken sind zu 98 Prozent Moslems, und Weihnachten wird hier nicht gefeiert. Statt von Kirchenglocken werden wir hier schon um 6 Uhr von den auf den Minaretten der Moscheen montierten Lautsprechern zigfach verstärkten Gebetsgesang der Muezzins geweckt.
Trotzdem haben auch wir das Bedürfnis, nach alter Sitte und Tradition Weihnachten zu feiern. Wir haben auf dem "Grand Bazar Wollmützen, Schals und handgestrickte Wollstrümpfe gekauft und am Heiligen Abend beschenken wir uns gegenseitig mit dem Erworbenen. Wärme ist für uns das größte Geschenk, denn auch in der Türkei kann es sehr kalt werden. Vor Kurzem wurden in der Stadt Erzurum in Ostanatolien in der Nacht minus 29 Grad Celsius gemessen. Da bekommt man schon beim Betrachten des Wetterberichtes kalte Ohren.
Von dem Mief des Hotelzimmers haben wir die Nase voll, deshalb verlassen wir Istanbul und feiern draußen an der frischen Luft. Wir machen uns ein Lagerfeuer, werden uns Glühwein zubereiten, tauschen Geschenke aus und wenn wir Glück haben, steht noch zufällig ein Tannenbaum neben unserem Lagerplatz.
(wird fortgesetzt)
![]() test |
Wie beißen sie denn heute? Angler am Goldenen Horn auf einer Brücke über den Bosporus. Bilder: Killat |

„Zweite Hälfte war katastrophal“
Lars Menck als Chef-Einheizer
Matthias Lauber bleibt Trainer