Am Anfang stand ein schlichter Post-it-Zettel an der Pinwand der Lokalredaktion: „15. 08. 2012 – Andi 74 Kilogramm“ war dort zwischen Postkarten aus aller Welt zu lesen. Um es vorweg zu nehmen, SÜDKURIER-Reporter Andreas Lang hat es nicht geschafft und an seinen Kollegen Winfried Thum 100 Euro verloren. Der zeigte sich gnädig, verlängerte die Frist um ein weiteres Jahr und erhöhte den Einsatz auf 500 Euro. Andreas Lang schlug ein und steht jetzt vor einer kalorienarmen, entbehrungs- und bewegungsreichen Durststrecke. Und damit ist er nicht alleine. Halb Markdorf fiebert mit.
Bei Facebook gepostet, schlägt das Thema täglich neue Wellen. Ungezählte Male wurden die Beiträge auf den Seiten der Markdorfer News-Küche, auf der von Andi Lang sowie von Winfried Thum angeklickt. Mindestens 500 Kommentare sind dort zu lesen und mindestens ebenso viele „Gefällt mir“-Daumen zu sehen.
Das Thema polarisiert. Unterstützer beider Seiten ereifern sich mit Durchhalteparolen und guten Ratschlägen. Ein Beispiel: Andi möge doch in England Urlaub machen, dabei könne er jede Menge „Pfunde“ verlieren. Oder noch Gehässigeres. Drastisch geradezu die Reaktionen in der Öffentlichkeit. So wollte man dem Andi Lang beim Metzger keine Wurst verkaufen, wegen des Fetts. Beim Bäcker ein süßes Stückchen zu erwerben, war ihm erst nach massiver Besänftigung des schlechten Gewissens der Verkäuferin möglich. Und es gibt tatsächlich jenes Restaurant, dessen Chefin sich charmant aber bestimmt weigerte, dem Figurbewussten zum Fisch drei Kartoffeln zu servieren. Wegen der Kohlenhydrate. Er hat schließlich gnädigerweise doch Kartoffeln erhalten, aber nur zwei.
Selbst der Einkauf von Gelierzucker zur Herstellung von Quittengelee für seine Tochter wurde öffentlich geahndet. „Das ist Ihrer Sache aber nicht gerade zuträglich“, erfuhr Andreas Lang an der Supermarkt-Kasse.
Gestern brachte Andreas Lang 93,2 Kilo auf die Waage, zu Beginn der Wette waren es 99. Aber er erfährt mittlerweile auch professionelle Unterstützung. Christian Ries, ein erfahrener Gesundheits- und Fitness-Trainer aus Waldburg hat ihn unter seine Fittiche genommen. Andreas stemmt jetzt Gewichte, müht sich auf einer eigens angeschafften Hantelbank ab und schwitzt täglich bereits am frühen Morgen eine Stunde bei Gymnastik. Es ist eine 25-Kilo-Durststrecke, die er in den kommenden zehn Monaten bewältigen muss. Denn immerhin stehen 500 Euro auf dem Spiel.
Dafür geht der 45-Jährige noch viel weiter. Er peilt heute schon einen „Halb- oder Viertelmarathon“ an. Und sucht Mitläufer für regelmäßige Jogging-Treffs.
Christian Ries hat übrigens am Donnerstag erst Mal den Kühlschrank seines Mandanten unter die Lupe genommen. Die Storck-Riesen wurden entfernt, das Bier durfte bleiben. Es sei für die Kameraden von der Theatergruppe bestimmt, versicherte Lang. Ries hat’s geglaubt.

