Die Akteure ziehen bei der Frauenfasnet alle Register. Die aufwändigen Kulissen und Kostüme begeistern die Besucher.
– Das frühe Anstehen beim Kartenvorverkauf hat sich gelohnt: Das Programm zur 50. Fasnet der Katholischen Frauengemeinschaft Markdorf bot einen Höhepunkt nach dem anderen und das Publikum der ersten von drei Aufführungen zeigte, dass die Veranstaltung keineswegs in die Jahre gekommen ist: Viele Junge hatten ihren Spaß, Applaus und Resonanz waren überwältigend.
Passend zum 50., waren die 60er Motto des Abends, die Kulisse mit unglaublichen Accessoires dekoriert und die Damen in gepunktete Petticoats oder Kostümchen gekleidet. Zu jeder damals tollen Neuheit sangen sie entsprechende Lieder. Da gab es Perlonstrümpfe, italienische Mode und amerikanische Musik, samstags echten Bohnenkaffee und die Frau erhielt Hilfe im Haushalt – nicht vom Mann, sondern von einer elektrischen Küchenmaschine: „Wir wollen niemals auseinandergehn“, sangen sie und ruckelten mit einem Kinderwagen und dem vielbelachten „Baby“ imaginär übers Eis bei der Seegfrörene.
Köstliche Lästerer waren Helga Konzet-Horn und Getrud Eggert als Hinterbänkler im Kirchenschiff, die sich mit Klosterfrau Melissengeist und andere mit ihrem Geschwätz erwärmten. Die Klatschmäuler hatten genau beobachtet, wer etwas in den Klingelbeutel wirft oder nur so tut als ob und sie meinten: „Wir Frauen sind die Zukunft. So wie wir unseren Haushalt schmeißen, würden wir die Pfarrgemeinde auch in den Griff kriegen.“
Im Griff hatte Bärbel Weigele das Programm – und wieder die passenden Überleitungen in Witzform: „De Pfarrer isch nicht bestechlich – aber er besticht mit Wortgewandtheit und Witz“, kündigte sie ihn an. Das bewies dieser sogleich mit seiner rasanten Moderation im „süddeutschen Hundfunk“, wobei er sich selbst auf die Schippe nahm und alle Formate besetzte, von den Nachrichten bis zum Verkehrsfunk, von der Hitparade – auf Platz drei die Gehrenbergspatzen mit ihrem neuen Hit „Wo das Windrad rauscht“ – bis zur Büchervorstellung: Klaus Schiele: „Fasse Dich kurz“, mit einem Vorwort von Niki Benz oder den Schnäppchenführer von Betz+Weber „Wie man alte Häuser kauft“. Ein genialer Auftritt!
Großen Aufwand hatten die Akteure, die zum mehrsprachigen „Jäger aus Kurpfalz“ in Ländertrachten tanzten, während sich die fremdsprachigen Frauen – Brigitte Bauder und Maria Stump – über Ärzte für jedes Leiden freuten: Für die Därme den Därmatologen, fürs Pfeifen im Ohr den Radiologen.
Den richtigen Durchblick dagegen hatten die Brillenträgerinnen Inge Augner, Lisa Bitzenhofer, Regina Lorenz und Marlene Riederle. Sie schauten doppel- und eindeutig durch Designer- und Kassengestelle auf gesellschaftsrelevante Ereignisse und meinten zum Thema Kirche: „Ich finde, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt total: „Einmal im Jahr gehst Du in den Wandschrank, sagst hinterher drei Gedichtle auf und kannst so weiterleben wie bisher.“
Bekannt gemacht hat Inge Steffelin die lustigen Interna der Mitglieder und Beate Grabelus und Angelika Becker bezogen das Publikum mit ein: Jeder, der sein Geborgtes aus der Handtasche wiederhaben wollte, musste ein Lied singen oder eine Reihe stricken. Alle Ärzte im Gesundheitszentrum ausprobiert hatte Susanne Sträßle, einmalig in ihrer Paraderolle als Wangener Landfrau! „De Pfarrer braucht kein Arzt, denn Lachen ist die beste Medizin. Und an ihm kann man sehen: Wenn man kein Weib dehoim het, kann man `s ganze Jahr lache!“
Gelacht hat das Publikum reichlich und herzhaft, zur Musik von Klaus Klappenberger gesungen und geschunkelt, und bedauert, als die „Jung Gebliebenen der kfd“ mit Stars wie Tina Turner, Queen Elizabeth, Nachtwächter und Kirchenmaus den tollen Abend beendeten.