Lina und Andreas Killat, die am 2. September 2004 in Markdorf zu einer Fahrradreise nach China aufgebrochen sind, befinden sich derzeit im Iran. Hier ihr Bericht aus der Wüstenstadt Esfahan:
Im Iran herrscht eine von der Regierung festgelegte Kleiderordnung. Den Frauen wird vorgeschrieben ein Kopftuch zu tragen und die Körperformen dürfen nicht durch eng anliegende Kleidung betont werden. Mehr als die Hälfte der Frauen tragen den "Chador", einen weiten, schwarzen bis zum Boden reichenden Umgang, der auch den Kopf bedeckt. Den Männern ist es untersagt Shorts zu tragen, selbst bei 40 Grad Hitze. Doch die Zeiten ändern sich. Besonders in den großen Städten tragen die Mädchen häufig pinkfarbene Kopftücher, bedecken ihr Haar nur zur Hälfte, zeigen ihre bloßen Füße in Sandalen, was früher nicht erlaubt war. Auch wir müssen uns an diese Kleiderordnung halten und uns gefällt das genauso wenig wie vielen Iranern.
Der Genuss und Verkauf von Alkohol ist strengstens verboten. Beim Handel mit harten Drogen, Ehebruch, und Mord droht sogar die Todesstrafe. Mehr als 100 Menschen werden hier pro Jahr hingerichtet, über die Hälfte davon in der Öffentlichkeit. Am 17. März diesen Jahres wurde in der Stadt Pakdascht das Todesurteil an einen 20-fachen Kindermörder vollstreckt. Dem Volk wird es offenbar nicht nur erlaubt der Hinrichtung zuzusehen, sondern aktiv mitzuwirken, was an mittelalterliche Lynchjustiz erinnert. Nachdem der Verurteilte vom Henker 100 Peitschenhiebe erhielt, wurde ihm von einem Angehörigen ein Messer in den Rücken gestochen. Die Mutter eines der Opfer legte ihm die Schlinge um den Hals, dann wurde er unter tosendem Gejubel tausender von Zuschauern an einem Kran in die Höhe gezogen wo sein Todeskampf nach Minuten endete. Man ließ ihn dort noch stundenlang zur Abschreckung in der Sonne hängen. Diese und andere Schreckensnachrichten, die vielen Verbote und Vorschriften und die naive Vorstellung der christlichen Welt, den Islam mit dem Terrorismus gleichzusetzen, halten viele Menschen davon ab, dieses Land zu besuchen. Doch der Iran ist für Touristen ein sicheres und sehr schönes Land und wir fühlen uns hier sehr wohl.
Über 1200 Kilometer haben wir seit der türkischen Grenze bereits auf iranischen Strassen mit unseren Fahrrädern zurückgelegt. Die Polizei achtet peinlich darauf, dass uns nichts zustößt. Statt unsere Pässe zu kontrollieren, laden sie uns zum Frühstück ein und grüßen beim Vorbeifahren mit Martinshorn und Blaulicht. Allzu aufdringliche Menschenmassen, die sich um unsere Fahrräder versammeln, werden von pflichtbewussten Ordnungshütern vertrieben. Auf den Strassen stoppen die Autos und die Leute beschenken uns mit Süßigkeiten und Früchten. Oft wollen sie mit uns abgelichtet werden, auch wenn wir zu Fuß durch die Strassen bummeln. Die Menschen hier lieben Touristen, besonders aus Mitteleuropa. Deutsche sind außerordentlich beliebt, die wenig aggressive Politik unserer Regierung hat sich wohl auch hier herumgesprochen.
In diesen Tagen wird hier das "Now Ruz", das uralte iranische Neujahrsfest zum Frühlingsanfang gefeiert und die Strassen in der Wüstenstadt Esfahan sind von Menschen und Autos überfüllt. Das Überqueren der Strassen gerät zum Abenteuer. Ampeln und Fußgängerüberwege gelten offenbar nur als eine Empfehlung und werden von den Autofahrern wenig beachtet. In der Stadt Tabriz wurde Lina einmal beim Queren einer Strasse fast von einem Lastwagen überrollt. Sie erlitt einen Schock und zitterte am ganzen Körper. Den Führerschein bekommt man hier innerhalb eines Tages, beim Fahren wird meist nur geradeaus geschaut, denn selbst an Taxis gibt es häufig keine Rückspiegel und die Bremse wird äußerst ungern betätigt.
Iran verfügt über große Ölvorräte, der Liter Benzin ist hier schon für sechs Cent zu haben. Eigentlich kann man es fast bedauern, dass wir für unsere Fahrräder kein Benzin brauchen.

„Zweite Hälfte war katastrophal“
Lars Menck als Chef-Einheizer
Matthias Lauber bleibt Trainer