Er scheint auch erleichtert. So gut kommt die „Poetry Slam“ in seiner Kaffee-Manufaktur an. Diese erste Dichterschlacht, dieses erste Wett-Dichten junger, jüngster und schon leicht angegrauter Poeten in Markdorf scheint ein voller Erfolg zu werden. Das deutet sich schon in der ersten Runde an, als die sieben Teilnehmer vorn, wo sonst der mächtige Röst-Maschine für den typischen Duft sorgt, ihre selbstverfassten Texte ablesen, frei aufsagen oder sich von spontanen Einfällen leiten lassen.
Jetzt gerade ist Pause. Die über 50 Gäste vertreten sich die Beine auf der Marktstraße. Einige essen die zu Beginn der Reim-Schlacht beim Döner-Laden gegenüber bestellte „Pizza Poetry vegetarisch“. „Anbieten kann ich hier heute Abend nicht“, hatte sich Boese eingangs entschuldigt, „ich muss schließlich mit moderieren“. Eine Aufgabe, die sich der Charme sprühende Rösterei-Betreiber mit Frederike Delong teilt, einer fast noch charmanteren und mit gehöriger Trockenheit ausgestatteten Hamburgerin. Die anderen Gäste sorgen für die Striche. Sie geben ihre Voten ab, stimmen für „Müsli“, den Benjamin der Vers-Kombattanten. Aus Ravensburg kommt er. Eine mit allerlei Bekenntnis-Buttons und bunten Schleifen befrachtete Schirm-Kappe trägt er. Sein Vortrag befasst sich mit jener verlorenen Generation, die als Flackhelfer in die Fußnoten der Geschichtsbücher gefunden hat.
Die meisten anderen Dichter, die Männer sind tatsächlich in der Überzahl, kommen aus Konstanz. Zum Beispiel Mario, der pures Kino spricht. Einen veritablen Zeichentrickfilm mit einem Zebra, das ein Erdmännchen-Männchen auf dem Kopf trägt und seine Freundin sucht, die durch die Savanne stapfende Elefantendame. Oder jener Slam-Veteran, der die Slam-Schlacht am Gehrenberg zum definitiven Ende seiner Poetry-Karriere erklärt. Bevor er durch eine Gesamtschau einer Anzeigen-Seite aus der Rubrik „Verschiedenes“ zu beeindruckt.
„Mir gefällt diese Frische“, sagt Maria Zitzler aus Überlingen. Und von der Atmosphäre in der Kaffee-Manufaktur zeigt sie sich geradezu hingerissen. „Genau der richtige Ort für solche Veranstaltungen“, schwärmt sie. Voll des Lobs ist auch Carola Bundalo aus Salem. Was ihr besonders gefällt: „Das durchweg hohe Niveau der Beiträge.“ Tatsächlich gibt es auch im zweiten Teil des Abends keine Ausreißer. Im Gegenteil: Die bei allen Gedichten zu beobachtende Tendenz zur kritischen Auseinandersetzung mit den Untiefen der Alltagswelt setzt sich fort. Da findet eine Suchbewegung statt. Denn einerseits werden die Gedanken-Schablonen der virtuellen Räume sprich facebook-Freundschaften immer wieder aufgegriffen.
Und Sprache und Dichten als Echolot benutzt, tiefere, weniger oberflächliche Fahrrinnen zu ergründen. Ob's gelingen wird? „Time will Tell“, die Zeit wird's erweisen. So hieß übrigens jenes Trio, dass die jungen Dichter kongenial begleitet hat.
