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Markdorf Der erste Tag war der schwerste

11.09.2004
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Am 2. September sind Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer ungewöhnlichen Radtour aufgebrochen. Ziel ist China. Für den SÜDKURIER berichtet das Ehepaar im Rahmen einer Serie. Hier die erste Folge:

Nun sind wir 378 Kilometer vom Bodensee entfernt. Heute gönnen wir uns einen Ruhetag, um dem Körper die Möglichkeit zur Regeneration zu geben. Der erste Tag unserer Abfahrt war der schwerste. Schon nach wenigen Minuten mussten wir absteigen und unsere über 50 Kilogramm schweren Reisemaschinen den Gehrenberg hochschieben. Nach 15 Minuten die erste Pause, die T-Shirts klatschnass. Um uns ganz auf unsere Fahrradtour zu konzentrieren, haben wir drei Monate kein Ausdauertraining mehr gemacht, und sind entsprechend untrainiert. Nun ging es weiter über den Gehrenberg. Meine alte Joggingstrecke zu verlassen war ein merkwürdiges Gefühl: zehn Prozent Trauer und 90 Prozent Freude. Weiter ging es über das Deggenhausertal, etwa sieben Kilometer stetig bergauf. Oft mussten wir Pause machen und schieben. Lina tröstete ich damit, dass es bald bergab gehen würde. Ich musste sie oft trösten.

Zwischen Pfullendorf und Sigmaringen fanden wir unseren ersten Schlafplatz zwischen zwei Maisfeldern an einem kleinen Bach. Da es schon sehr spät war schafften wir unser Tagesminimum von 50 Kilometern nicht ganz, und an der Donau waren wir auch noch nicht angelangt.

In der Nacht wurde ich von schrecklichen Oberschenkelkrämpfen gepeinigt. Ich musste Lina etwa sechs Mal wecken, damit sie mir die Beine massiert. Das Fiese an diesen Krämpfen ist, dass sie immer gleichzeitig in beiden Beinen auftreten.

Am nächsten Tag stießen wir in Sigmaringen auf die Donau, unser 2500 Kilometer langer Begleiter zum Schwarzen Meer. Diesmal schafften wir 80 Kilometer. Lina war fix und fertig und mein Hinterteil ziemlich mitgenommen. Unseren Vitaminbedarf bessern wir am Wegesrand mit Äpfeln, Pflaumen und anderen Früchten auf. 20 Kilometer vor Ulm haben wir die zweite Nacht im Zelt verbracht. Hinter Ulm fanden wir lange keinen Schlafplatz. Deshalb standen am Abend fast 90 Kilometer auf dem Tacho. Die letzten drei Tage waren ziemlich locker, wir gewöhnen uns an das Radfahren, die Körper werden stärker, das Fett schmilzt. Der Donauradweg ist leicht befahrbar und sehr gut ausgeschildert, wir benötigen nicht einmal eine Karte.

An einige Dinge müssen wir uns noch gewöhnen: beispielsweise die Flasche für unserem Benzinkocher an der Tankstelle aufzufüllen. Statt den Zapfhahn in den 50 Liter-Tank eines Autos einzuführen, wird nun unter Einsatz von zahllosen Papiertüchern die Einliterflasche des Kochers befüllt. Die misstrauischen Blicke des Kassierers sind zu verkraften.

Unterwegs werden wir oft gefragt, wo es denn hingehen soll. Wenn ich dann den Leuten sage, dass wir nach China fahren, bekommen sie große Augen. Dann muss ich häufig ganze Romane erzählen. Deshalb fahren wir jetzt für die Leute ans Schwarze Meer. Damit ist alles einfacher. In Tibet werden wir Leute treffen, die selbst Europa nicht kennen.

Wir rechnen mit drei Jahren Auslandsaufenthalt und haben etwa 10000 Euro zur Verfügung - zehn Euro am Tag. Das ist nicht viel für Verpflegung, Fahrradreparaturen, Visagebühren oder Hotelaufenthalte. Wir rechnen mit jedem Cent, denn ein Scheitern ist nicht vorgesehen.

Bisher haben wir nur wild gezeltet. Das wird in Deutschland zwar nicht gern gesehen, aber toleriert. Unsere Maxime lautet: Verlasse deinen Zeltplatz so, wie du ihn vorgefunden hast und nimm alles mit, was du mitgebracht hast. So scheint es, als wären wir nie da gewesen und wir haben uns nichts vorzuwerfen. (wird fortgesetzt)

Markdorf
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