Markdorf Das Vor-Pfingstwunder von Markdorf
Der Gospelchor Markdorf hatte am Samstag zu einem Benefiz-Konzert im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde eingeladen. Der Erlös des gut zweistündigen Auftritts fließt in den Kapitalstamm der Förderstiftung Markdorf. „Unterstützt werden dadurch vor allem bedürftige Familien“, erklärte Musikschul-Direktor Uli Vollmer den rund 130 Zuhörern. Familien also, die sich den Musikschul-Unterricht für ihre Kinder ansonsten kaum leisten könnten.
„Und es geschah plötzlich ein gewaltiges Brausen wie eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen.“ Die Passage ist bekannt. Sie steht in der Apostelgeschichte, an jener Stelle, in der vom Pfingstwunder berichtet wird vom Zungenreden sowie vom Eintauchen einer Gemeinschaft in neuem Geiste.
Und sie mag befremden an dieser Stelle, wo es vom jüngsten Konzert des Markdorfer Gospelchors im „Haus im Weinberg“ zu berichten gilt. Aber so viel Religion, so viel spiritueller Bezug sollte erlaubt sein. Immerhin begreifen sich die Gospels buchstäblich als gesungene Gebete. Darüber hinaus fand das Konzert im Hauptraum eines Kirchengemeindehauses statt samt allen Attributen eines Betsaals – dies außerdem wenige Tage vor Pfingsten. Womit auch schon das eigentliche Ereignis des Abends angesprochen ist, denn die Sängerinnen und Sänger aus Markdorf wiederholten mit ihren Gospels beinahe ein kleines Pfingstwunder. Da waren zwar keine Flammen über ihren Köpfen, auch „redeten sie nicht mit Zungen“, aber ihr Gesang, ihre Texte wurden allen verständlich. Selbst jenen, denen es beim Englischen an der nötigen Sattelfestigkeit fehlt.
Selbst diese wurden mitgerissen vom Geiste dieser Musik. Sie ließen sich anstecken, klatschten mit, wenn Chorleiter Hans Jörg Walter sie dazu anleitete. Nicht, wie so oft zu beobachten, aus einem Gefühl des Gedrungenseins heraus, sondern von sich aus, aus schierer Begeisterung. Mal durch den Wechsel von Solo-Gesang und Chorpartien strukturiert, mal von schierer Heiterkeit, mal von Besinnlichkeit, innerer Einkehr getragen.
Regelrecht ergriffen zeigte sich Gerhard Barisch am Ende des Konzerts. Der sonst so sprachgewaltige Vorsitzende der Förderstiftung der Musikschule rang um Worte. Er fand sie: im Lob, im Dank auch für das „wunderbare Konzert“ und dessen Zweck. Mit den Einnahmen dieses Benefiz-Auftritts des Gospelchors wird das Kapital der Stiftung weiter aufgestockt.
