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Markdorf Bürgermeister Riedmann rückt das Flüchtlingsthema in den Fokus

Neujahrsempfang in Markdorf vor mehr als 500 Gästen in der vollen Stadthalle am Samstag: Riedmann richtet einen eindringlichen Appell an die Politik und dankt den ehrenamtlichen Helfern in Markdorf. Beim Thema Rathaus und Bischofschloss seien „alle Optionen“ geprüft worden. Noch im ersten Halbjahr soll ein Ideen-Workshop zum Rathausareal stattfinden.

Die große Politik macht auch um Markdorf keinen Bogen: Ungewöhnlich breiten Raum widmete Bürgermeister Georg Riedmann beim Neujahrsempfang am Samstag dem Flüchtlingsthema. Vor mehr als 500 Bürgern und geladenen Gästen in der vollen Stadthalle positionierte sich Riedmann grundsätzlich, bevor er auf die lokale Situation zu sprechen kam. Vor Jahresfrist habe er das Thema beim Empfang bereits angesprochen, jedoch habe niemand ahnen können, welches Ausmaß die Fluchtbewegungen im Jahr 2015 annehmen würden. Damals sei es schwer vorstellbar gewesen, „dass wir heute tatsächlich befürchten müssen, dass die Hilfsbereitschaft für die Hilfsbedürftigen so massiv gefährdet ist“.

Hilfsbereitschaft in Gefahr

Riedmann hatte dabei die Übergriffe von Migranten in der Silvesternacht in Köln im Blick: „Wenn respektlose Idioten und Kriminelle die Gastfreundschaft und die Hilfsbereitschaft missbrauchen, droht der gute Wille einer ganzen Nation zu schwinden“, warnte er. Zugleich kritisierte er scharf die Hetzer vor allem in den sozialen Medien wie „Facebook“, die radikale und ausländerfeindliche Inhalte verbreiten, ohne dafür belangt zu werden. Auf dieser Basis könne aber die notwendige Diskussion nicht geführt werden. Er sehe sehr wohl die Sorgen in der Bevölkerung, so Riedmann: „Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen und es muss möglich sein, offen darüber zu sprechen und zu diskutieren.“ Die Politik habe die Pflicht, die Regeln des Asylverfahrens umzusetzen. Abgelehnte Asylbewerber und jene Flüchtlinge, die nicht bereit seien, die demokratische Rechtsordnung zu achten, müssten „entlang dieser Regeln konsequent zur Rückkehr gebracht werden“.

Und er ergänzte: „Sonst schaffen wir das nicht.“ Einheimische müssten die Scheu ablegen, „neues kennen zu lernen und Fremde willkommen zu heißen“. Dazu brauche es aber auch die Bereitschaft der Flüchtlinge, sich unserer Kultur zu öffnen. Derzeit – Stichwort EU – mache er sich große Sorgen um die Perspektiven des aktuellen politischen Europas.Für dieses Gebäude, leitete der Bürgermeister ins Lokale über, „wären wir hier in Markdorf ein wunderbarer, zwar winziger, aber stabiler Baustein“. In Markdorf habe man sich „nichts vorzuwerfen“. Riedmann verwies auf das Mehrgenerationenhaus und den Freundeskreis Flucht und Asyl, deren Einsatz er heraushob. Beim Dank wolle er es aber nicht belassen, denn es sei Pflicht von Stadt und Gemeinderat, die Arbeit der Ehrenamtlichen zu stärken und zu stützen. So sei mit Michaela Funke eine städtische Flüchtlingsbeauftragte eingestellt worden, die den Ehrenamtlichen „ein professionelles Fundament“ bereite. Ein wunderbares klingendes Beispiel für den winzigen, aber stabilen Baustein Markdorf lieferten später die fünf jungen Sängerinnen Jasmin Daniker, Sophia Feldmann, Narges Kohistani, Dalila Roel und Paula Stützenberger, die anrührend in sieben Sprachen das Gloria in excelsis Deo anstimmten und das Publikum im Saal zu begeistertem Applaus hinrissen. Zwei von ihnen, Narges aus Afghanistan und Dalila aus Syrien, sind selbst Flüchtlinge, die erst vor wenigen Monaten in Deutschland angekommen waren.

Neben diesem dominierenden Thema mussten die anderen lokalen Themen in diesem Jahr eher Nebenrollen einnehmen. Riedmann streifte die nun erfolgreich gestartete Jugendbeteiligung der Stadt, den Ausbau des Engagements für behinderte Mitbürger mit der Einstellung des Beauftragten Frank Hartel und Schul- und Verkehrshemen.

Zukunft des Rathausareals

Ausführlicher nahm er dann zu den Plänen um Rathaus und Bischofschloss Stellung. Die Stadt habe, abseits der Pläne für einen Rathausumzug ins Schloss, gemeinsam mit Schlossinhaber Albert Weber und Hotelbetreiber Bernd Reutemann noch bis Ende Dezember alle anderen möglichen Optionen geprüft – darunter die Fortführung des Hotelbetriebes in städtischer Hand oder auch die Übertragung weiterer Nutzungsvollmachten an den städtischen Gebäudeteilen an Weber bei Beibehaltung der bestehenden Besitzverhältnisse. Alle Optionen seien aber zuletzt nicht umsetzbar gewesen, betonte Riedmann. Ein drohender Leerstand sei aber „ein fatales Szenario“, wiederholte der Bürgermeister seine Position. Für die Bürgerschaft bestehe kein Grund zur Befürchtung, dass die Stadt einen zu hohen Kaufpreis bezahle. Dafür gebe es das Gutachten, das den aktuellen Wert unter Einbeziehung von Erbpacht und Sanierungsbedarf beziffere. Die Umzugspläne würden weiterverfolgt, umgehend wolle die Stadt aber auch die Diskussion mit der Bürgerschaft um die Zukunft des Rathausareals beginnen. Im ersten Halbjahr werde ein Bürger-Workshop stattfinden, bei dem jeder Ideen einbringen könne, kündigte Riedmann an. Er appelliere an die Bürgerschaft, die „Chance zur Mitgestaltung“ zu ergreifen.

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