Weiter so wie bisher oder geht es der zurzeit noch hochsubventionierten Agrarindustrie und damit der landwirtschaftlichen Monokultur ab 2013 tatsächlich an den Kragen? Bei der EU werden in diesem Jahr, den Lissabonner Verträgen folgend, die Weichen für eine weitere Reform der Agrarpolitik gestellt.
Geht es nach Armin Hansmann, Franz Beer und Friedrich Beran von der Markdorfer BUND-Ortsgruppe, werden die Entscheidungen, die im Herbst in Brüssel getroffen werden sollen, auch die Landwirte in Markdorf und Umgebung angehen – also EU-Politik, die die Menschen direkt vor Ort betrifft.
„Die bäuerliche Landwirtschaft profitiert längst nicht in dem Maße von den EU-Hilfen wie die Agro-Industrie“, kritisiert etwa der Markdorfer BUND-Vorsitzende Beer. Mit inzwischen mehr Mitspracherechten haben die EU-Abgeordneten im Herbst die Chance, den Missständen abzuhelfen, wenn es um die Beschlüsse zur EU-Agrarpolitik ab 2013 geht.
Weil es auch die Landwirte hier direkt vor Ort angeht, Informationen aber eher spärlich fließen, will der örtliche BUND nicht nur die Betroffenen, sondern alle interessierten Bürger bei einer Podiumsdiskussion informieren. Das Thema des Abends am Freitag, 26. März, in der Stadthalle lautet „Was geht uns die Europäische Landwirtschaftspolitik an?“.
Zugesagt haben bereits mehrere Experten aus Landwirtschaft und Politik, allen voran Lutz Ribbe, der als Direktor der umweltpolitischen Abteilung von Euronatur Vertreter und Sprachrohr der regierungsunabhängigen Naturschutzorganisationen in Brüssel ist (siehe Infokasten). Unterstützt wird die BUND-Veranstaltung von den beiden Kirchen vor Ort und dem Medienhaus SÜDKURIER. Bei dem Abend gehe es auch um das zentrale Anliegen der Naturschützer bei der Neuausrichtung der EU-Landwirtschaftspolitik: „Was muss getan werden, um die Interessen des Natur- und Umweltschutzes und das Überleben der bäuerlichen Landwirtschaft zu sichern?“
So formulieren es die Vertreter des BUND. Insgesamt sehen sie nicht nur einen dringenden Handlungs-, sondern auch einen Aufklärungsbedarf.
Was aber hat die Agro-Industrie mit dem Naturschutz zu tun? Die agrarindustrielle Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen, vor allem in Nord- und Ostdeutschland, sei verantwortlich für den Rückgang der Artenvielfalt vor Ort. „Diesen Rückgang zu stoppen, ist bislang aber völlig misslungen“, sagt Beer, „auch wegen der verfehlten EU-Politik“. Es gehe nicht darum, den Landwirten den Geldhahn zuzudrehen, sondern um eine „andere Art der Steuerung“.
Dass für die Naturschützer auch hier in der Region manches im Argen liegt, verdeutlicht Beer: „Ausgerechnet im Jahr des Ehrenamtes und der Artenvielfalt“ habe der Kreistag die auf drei Jahre vorgesehenen Zuschüsse (pro Jahr 40 000 Euro) für das Interreg-4-Projekt abgelehnt. Mit den Mitteln hätten Moorflächen aufgekauft, neu verwässert und wieder bewohnbar für vielfältige Lebensformen gemacht werden sollen. Der Bodenseekreis ist ausgestiegen, Vorarlberg und der Landkreis Ravensburg engagieren sich bei Interreg-4, doch ob das Projekt auch tatsächlich ins Laufen komme, sei nun fraglich.
„Das ist beschämend, wir empfinden das als einen Schlag ins Gesicht“, ärgert sich Beer.
Die Teilnehmer