Wenn ein toller Dirigent und leidenschaftlicher Musiker wie Hans Jörg Walter 43 stimmschöne Gospel-Sänger und 24 fähige Instrumentalisten mit enthusiastischer Freude zusammenbringt und musikalisch auf höchsten Touren bewegt, fühlen sich auch die Zuhörer mitgenommen: Was der gemischte vierstimmige Gospelchor und das erweiterte Kammerorchester der Musikfreunde Markdorf seinem altersmäßig bunt gemischten Publikum in der rappelvollen Stadthalle boten, war mehr als "nur" ein wunderschönes konzertantes Ereignis. Unter dem Motto "Gospel meets Klassik" pulsierte vom Anfang bis zum Ende Lebensfreude in bunten wie in zarten Farben, die durchleuchtet waren von stimmlicher wie instrumentaler Brillanz. Ganz starke, furiose Klänge standen im Vordergrund beim "cross over" als Verbindung zweier unterschiedlicher Stilrichtungen. Als sich gegenseitig befruchtende Einheit vom modernen Gospel und der klassisch-konzertanten Idee verlieh es dem Konzert seine immense Vielfalt.
Stimmung hebend fröhlich und mit transparenter Spritzigkeit trug zur Eröffnung das um zwei Trompeten, zwei Hörner und ein Fagott erweiterte Streichorchester den ersten Satz aus Michael Haydns D-Dur-Sinfonie in die Akustik. An Perlen, die munter über eine Marmortreppe springen, erinnerte der Klang der Flöten bei "Le Basque" von Marais, dem im Miteinander von fein ziseliertem Streicherspiel die Hörner einen leicht heroischen, goldenen Glanz verliehen. Den Rhythmus fürs dynamische Gospel "Come let's worship the Lord" gaben Schlagzeug und Klavier: "Kommt, lasst uns den Herren preisen", war die fröhlich gesungene Botschaft.
"A new day" war geprägt von vorwärts preschendem Verkündigungscharakter. Aus strahlenden Gesichtern voller Leidenschaft in den Himmel gesungen war "I can tell the world", und wer die Augen schloss, glaubte ein Meer voller Stimmen zu hören.
Das vom Gospelsänger Wilfried Knorr moderierte Programm war in dramaturgischer Steigerung konzipiert. Vor dem jubelnden "Amen", dem das mitwirkende Publikum singend, schnalzend und klatschend zusätzlich Farbe und Emotion verlieh, brillierte als Solist Valentin Eschmann mit seinem F-Horn bei zwei schnellen Sätzen aus Haydns Hornkonzert in D-Dur. Sein lyrischer, ausgewogen beweglicher Ton zielte mitten ins Herz, wobei er auch ein gutes Ohr für das mitgestaltende Orchester bewies.
Andachtsvoll in nuancierten Klangfarben intoniert war das Gospel "Lay your healing hands", dem wechselnd stimmschöne Vorsänger Gänsehaut-Feeling gaben. Nicht einfach für die zarten Streicher war es, sich bei "Put your hands" im Tiegel brodelnder Leidenschaft gegen das furiose Feuerwerk von Gosplern und Schlagzeug zu behaupten. Ein Kosmos an differenzierten Klängen und Gefühlen vereinte sich in den Cross-Over-Songs, die Walter nach amerikanischen Vorlagen arrangiert hatte. "Boah", raunte es im ergriffenen Publikum, und zwischen strahlender Glorie, farbexplosivem Halleluja, Zugaben und Applaus gabt es rote Rosen für den Dirigenten.
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