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Markdorf Bis zu 1000 Höhenmeter täglich

13.01.2005
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Am 2. September sind Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer außergewöhnlichen Fahrradreise aufgebrochen. Ziel ist China. Für den SÜDKURIER berichten sie über Erlebnisse und Eindrücke. Zuletzt aus Istanbul.

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Endlich sind wir wieder auf der Piste. Gestern war ein besonders schöner Tag. Bei strahlendem Sonnenschein düsten wir mit unseren schwer beladenen Velos auf gut ausgebauten, wenig befahrenen Straßen in hohem Tempo über die türkische Hochebene südöstlich der Kreisstadt Eskiþehir in Zentralanatolien.

Wenig Höhenunterschiede und ein kräftiger Rückenwind ließen uns Flügel wachsen und wir brauchten uns kaum anzustrengen. Nach 87 Kilometern tat nur das Hinterteil etwas weh. Doch das war nicht immer so. Die fünf Tage davor waren die reinste Tortur. Nach fast einem Monat Zwangspause wegen Visaangelegenheiten und einer schweren Grippe waren wir entsprechend schwach und untrainiert, aber wollten die türkische Berge gleich auf Nebenstrassen bezwingen. Das war zwar höllisch schön, aber auch wahnsinnig anstrengend. Wir stiegen an einigen Tagen bis zu 1000 Höhenmeter aufwärts, und die Strassen sind so steil, dass wir teilweise schieben mussten. Es fühlt sich an wie eine Niederlage wenn die Beine ihren Dienst versagen, weich werden wie Butter und sogar anfangen zu zittern vor lauter Anstrengung. Nach einer Pause mit Keksen oder Bananen kehrt dann aber meist ein Teil der alten Kraft zurück und die Beine tun wieder das, was man von ihren erwartet.

Strahlender Sonnenschein gehört auch in der Türkei im Winter zu den Luxusgütern. Meist ist es bewölkt und regnerisch. Wenn wir dann morgens oder im Laufe des Tages in unsere Regenklamotten steigen müssen, anschließend Hunderte von Metern die Berge hinauf hecheln, auf der Passhöhe in schutzlosem Terrain dem nassen kalten Wind ausgeliefert sind, und uns die Nässe nicht nur von außen, sondern auch innen in die Knochen kriecht, dann sehnen wir uns nach einem Lehnstuhl am Kaminfeuer.

Tee heißt auf türkisch Çay und wird hier allerorten angeboten und getrunken. In jedem noch so kleinen Dörfchen gibt es Teehäuser zu denen in der Regel nur Männer Zugang haben. Der Tee wird meist in kleinen geschwungenen Gläschen ohne Henkel angeboten, der bittere Geschmack mit ein paar Stück Würfelzucker versüßt. Der größte Teil des von Türken konsumierten Tees wird im eigenen Land angebaut und fast ausschließlich von Türken verbraucht. Alkohokol ist hier tabu und für die dem Islam zugehörenden Türken scheint es eine Schande zu sein, öffentlich Alkohokol zu trinken. Selbst im denkbar fortschrittlichen, westlich orientierten, europäischen Teil von Istanbul findet man überall diese Teehäuser und kann die Männer in meist ungemütlichen, neonbeleuchteten Räumen rauchend und Karten spielend Çay trinken sehen.

Verständlicherweise haben auch wir nach ein paar Stunden Rad fahren das Bedürfnis nach etwas Warmem in Bauch. Meist erledigt sich das von selbst, denn wir werden trotz Verständigungsschwierigkeiten manchmal mehrmals am Tag zu einen Gläschen Çay eingeladen. Das Wort Çay (gesprochen "Tschai") und die dazugehörende Trinkgestik kennen wir schon. Bleibt dies aus, haben wir ein Problem. Mit dem weiblichen Teil in unserem Team trauen wir uns nicht, in diese Männerdomäne einzudringen, es sei denn wir werden ausdrücklich dazu aufgefordert. Aber selbst dann fühlt sich Lina ein wenig deplaziert, aber was tut frau nicht alles für ein wohltuendes wärmendes Getränk.

(wird fortgesetzt)

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