Lina und Andreas Killat aus Markdorf sind Anfang September 2004 zu einer abenteuerlichen Fahrradreise nach China aufgebrochen. Sie berichten in loser Folge von ihren Eindrücken und Erlebnissen. Diesmal aus Beijing:
Beijing (früher Peking) ist die Hauptstadt Chinas. Rund 14 Millionen Einwohner zählt die Stadt und hat flächenmäßig die Ausdehnung Belgiens. Der Tiananmen- Square im Zentrum heißt ironischerweise auch "Platz des Himmlischen Friedens". Hier wurden 1989 Tausende Studenten vom Militär brutal getötet, weil sie für demokratische Reformen demonstrierten. Am nördlichen Ende des Platzes, am Tor des Himmlischen Friedens, herrscht ein riesiges über 30 Quadratmeter großes Bildnis des Begründers des neuen Chinas über dem Platz: Mao Tse-tung. Noch wird Mao als Held gefeiert. Doch seine Taten während der Kulturrevolution und die Unterdrückung von Minderheiten wie die der Tibeter oder moslemischen Uiguri werden verschwiegen. Kommt die grausame Wahrheit heraus, was für ein Mensch Mao war, wird wahrscheinlich auch dieses Denkmal fallen.
Die Straßen der Stadt sind zu jeder Tageszeit verstopft, mit dem Taxi ist man kaum schneller als mit den Bus. Wir hatten uns in einem Hotel für Ausländer eingemietet, nahe der Verbotenen Stadt. Trotz zentraler Lage benötigte Lina einmal 5 Stunden mit Taxi, Bus und U-Bahn um zur scheinbar nahe gelegenen litauischen Botschaft und wieder zurück zu kommen. Diese Stadt macht einen nervlich fertig und wir wären nicht hier hergekommen, wenn wir nicht unsere Pässe hätten wechseln müssen. Wir haben mit Hilfe unseres chinesisches Freundes Michael ein Zimmer in einem versteckten Hotel in der Stadt Xi'an gefunden, für umgerechnet 2 Euro am Tag. Dafür müssen wir allerdings auf ein eigenes Bad und Toilette verzichten. Es gibt Gemeinschaftsduschen, meist ist das Gedränge groß und es ist schwierig, einen Platz zu finden. Beim großen Geschäft auf den Hocktoiletten gibt es häufig keine Türen. Sogar in Gemeinschaftstoiletten an Bahnhöfen der großen Städte kann man die Leute bei ihrem Stuhlgang beobachten. Dabei wird Zeitung gelesen, mit dem Handy telefoniert, oder sich eine Zigarette angezündet. Es wird wahnsinnig viel geraucht in China und viele Männer rauchen Kette. Dadurch bildet sich Schleim im Hals, der am Morgen lautstark ausgewürgt wird. Das schallt dann durch das ganze Hotel. Dieses Ritual kann sich minutenlang hinziehen und für uns ist es immer eine Qual diese Geräusche ertragen zu müssen.
Der Vater unseres chinesischen Freundes Michael ist Manager einer Textilfabrik mit 7000 Mitarbeitern, wo Baumwolle zu Stoff verarbeitet wird. Wir besichtigten diese Fabrik. Die Leute arbeiten eine 40-Stunden-Woche. Ein normaler Arbeiter in dieser Fabrik verdient weniger als 100 Euro im Monat. Michaels Vater, der Manager der Textilfabrik verdient das Zehnfache, was immer noch unter dem Lohn eines durchschnittlichen Arbeiters in Deutschland liegt.
Glücklicherweise habe ich in Xi'an Arbeit als Englischlehrer gefunden. Doch der Aufwand rechtfertigt kaum die Einnahmen. Es handelt sich um eine Privatschule. Samstag und Sonntag unterrichte ich je 4 Stunden. Da springen gerade einmal etwa 220 Euro im Monat raus, aber wir brauchen jeden Cent, um unsere Reise fortsetzen zu können.
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