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Markdorf Bauvorhaben und Verkehr beherrschen Agenda in Ittendorf

Thomas Geßler, Ortsvorsteher von Ittendorf, spricht im SÜDKURIER-Interview über die Verkehrssituation, das Gasthaus Adler, den Kindergarten und das Algemarin-Gelände.

Nachdem klar ist, dass beim Thema B 31 die Umfahrungen Friedrichshafen und Überlingen angegangen werden, rückt die Planung der Verbindung zwischen Meersburg und Immenstaad in den Fokus. Verkehrsminister Winfried Hermann hatte – vorübergehend – den Planungsfall 7.5 favorisiert.

Die Trasse vom Planungsfall 7.5, wenn die so käme, wäre für Ittendorf eine Katastrophe. Dass man eine Straße in irgendeiner Form braucht, das steht außer Frage, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass im sensiblen Bodenseeraum noch eine drei- oder vierspurige Straße neu gebaut wird. Deshalb ist meine favorisierte Lösung der Ausbau der bestehenden B 31. In Hagnau kann das nur ein Tunnel sein. Wie lang der ist, überlassen wir den Planern. Und in Immenstaad kann man eine dreispurige Fahrbahn machen und einen Deckel drauf. Das ist nicht nur meine favorisierte Lösung. Denn das ist auch vom Flächenverbrauch her die mit Abstand beste Lösung. Und der Flächenverbrauch ist ja ein Riesenthema im dicht besiedelten Bodenseekreis. Man sieht ja, dass viele Menschen hierher wollen.

Wie begegnen Sie der Kritik von Nachbargemeinden zu den verschiedenen Planungsansätzen?

Ich möchte das mal so sagen: Die zwei größten Gemeinden in unserem Bereich zwischen Friedrichshafen und Überlingen sind Markdorf und Meersburg. Und die haben sich gegen die Trasse nach dem Planungsfall 7.5 ausgesprochen. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass die Planer oder die höhere Politik etwas dagegen machen können. Hagnau braucht eine Lösung für dieses Nadelöhr, wenn die Straße bei Friedrichshafen und Überlingen fertig ist. Und das kann keine komplett neue Trasse sein.

Immer wieder ein Thema in Ittendorf: das Algemarin-Gelände am westliche Ortsrand mit dem jetzt renovierten Bestandsgebäude.
Immer wieder ein Thema in Ittendorf: das Algemarin-Gelände am westliche Ortsrand mit dem jetzt renovierten Bestandsgebäude. | Bild: wolf-dieter guip

Vorausgesetzt, die Probleme werden durch die zu bildenden Gremien und Fachausschüsse gelöst: Wann, glauben Sie, wird mit dem Bau begonnen?

Ich nehme an, in vielleicht 15 bis 20 Jahren.

Ittendorf hat das Problem der B 33. Als Ergebnis des Lärmaktionsplans sind verschiedene Maßnahmen begonnen und umgesetzt worden. Wie bewährt sich Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt?

Also in meinen Augen gibt es im Moment keine Alternative. Tempo 30 hat den Verkehr verlangsamt. Es fahren noch viele schneller als 30, aber die Situation hat sich für die Anwohner verbessert – mein Favorit wäre Tempo 40 gewesen, damit die Leute dann 50 fahren. Die Geschwindigkeitsbegrenzung ist ein Thema, da kann jeder mitsprechen, und deshalb fühlt sich auch jeder dazu berufen. Für die Anwohner ist es größtenteils ein Vorteil, für die Berufspendler ist es eine zusätzliche Bremse.

Tempo 30 auf Bundesstraßen in Ortsdurchfahrten – Markdorf, Hagnau, Fischbach, Friedrichshafen – mal ganztags, mal nur nachts, Tempo 60, 70 oder 80 Überland: Meinen Sie, dass Autofahrer allgemein und besonders Feriengäste da noch durchblicken?

Also ich habe bei der ersten Abstimmung in Ittendorf für 40 plädiert. Wenn allgemein überall in den Ortsdurchfahrten Tempo 40 gelten würde, außer in Wohngebieten, dann würde nicht mehr als 50 gefahren, und es wäre eine gute Lösung.

Das einstmals prosperierende Gasthaus Adler soll als Gastronomiebetrieb wieder belebt werden. Welche Chancen sehen Sie für eine Adresse, die so lange brach lag?

Mit einem guten Wirt kann man aus dem Adler schnell wieder eine prosperierende Wirtschaft machen. Das sieht man an unserer Pizzeria Il Paese. Da war früher gar nichts. Dann gab es eine nicht so gut laufende Gaststätte, und seit etwa 15 Monaten ist der Alessandro drin und die Wirtschaft läuft sehr gut. Der Adler mit gutbürgerlicher Küche würde das Angebot abrunden. Auch könnten sich beide Wirte die Kunden zuschieben, wenn sie sich nicht als Konkurrenten sehen, sondern ergänzen.

Das Algemarin-Gelände am Ortsrand, eine langjährige Gewerbebrache, hat in jüngerer Zeit verschiedene Planungsphasen erlebt. Wie ist der aktuelle Stand und wann kann hier mit einer Bautätigkeit gerechnet werden?

Nachdem es dem neuen Eigentümer im Sommer letzten Jahres nicht schnell genug gehen konnte, lief jetzt wieder seit einem halben Jahr gar nichts. Wir vom Ortschaftsrat waren zuversichtlich, dass da jetzt ein Dorfgebiet mit Gewerbe und sechs oder acht Einfamilienhäusern entstehen wird. Aber im Moment ist leider wieder Funkstille. Die Themen wie Lärmschutzwand und Abfahrt von der Bundesstraße sind lösbar.

Ein bedeutendes Projekt im vergangenen Jahr war der Neubau des Kindergartens. Einzug und offizielle Einweihung mussten verschoben werden. Wie ist die aktuelle Situation und wie wird die künftige Auslastung der Einrichtung sein?

Im Moment sind 29 Regelkinder und acht Kleinkinder im Kindergarten und im Januar kommen schon wieder drei Kinder dazu. Der Ittendorfer Ortschaftsrat hat sich schon immer für ein moderates Wachstum ausgesprochen und mit sechs bis acht Häusern auf dem Algemarin-Gelände und 14 Wohnungen in der Kippenhauserstraße sehen wir eine gute Auslastung des Kindergartens gesichert. Die Kinder sind im November in die neuen Räumlichkeiten eingezogen und am 15. Januar gibt es die offizielle Einweihung.

Welche Projekte werden den Ortschaftsrat und die Bürger 2016 beschäftigen?

Die erste Aktion ist die offizielle Einweihung des Kindergartens. Dann hoffe ich, dass uns der Adler beschäftigen wird und dass es auf dem Algemarin-Gelände weiter geht. Denn zwischen dem Gelände und der Bundesstraße ist ein kleines Grundstück, das die Stadt gekauft hat. Hier sollen im Zuge des Bebauungsplans öffentliche Parkplätze entstehen.

Was dringend notwendig ist, weil bei großen Veranstaltungen und Gottesdiensten meist auf privaten Grundstücken geparkt wird.

FRAGEN: WOLF-DIETER GUIP

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