Gonna sit down and rest a while“, setz dich und mach eine Pause! Eine Aufforderung, die sich das Publikum beim jüngsten Markdorfer Gospel-Konzert im großen Saal des evangelischen Gemeindehauses nicht zweimal sagen lassen musste. Schließlich waren sie zu diesem Zweck gekommen. Geirrt hatten diejenigen, die ein normales Konzert erwartet hatten – mit Zuhören, stillem Genuss und bravem Applaus.
Schon beim Einzug wurde klar: hier läuft etwas Anderes ab. Denn der Chor kam mit „Siyahamba“. Dem Ohrwurm aus Afrika, dem Lied, das inzwischen so viele Chöre infiziert hat. Bei dem erst die Männer singen, den Boden bereiten gewissermaßen, und bei dem dann die Frauen einziehen – um einiges ausgelassener, Hände klatschend, Melodien noch weiter ausformend.
Besser lässt sich ein Gospel-Abend kaum beginnen. Ohrenfällig wird klar, woher der Gospel, dieses gesungene Gebet der auf die amerikanischen Plantagen verschleppten Sklaven , seine Wurzeln zieht. Augenscheinlich auch wird, warum es in diesen Liedern um einiges lebhafter zugeht als im europäisch beeinflussten Kirchengesang. Hier ist Ursprung, hier ist Ganzheit, aber auch einziger Halt im Glauben. „Heaven“, Himmel, als „wonderful place“, als wunderbarer Platz bietet Raum für Hoffnungen, die der harte Arbeitsalltag längst nicht zulässt. Der „Happy Day“, der glückliche Tag liegt entschieden jenseits des Jüngsten.
Und uns, die wir in unsere ganz andere Kirchenmusik wuchsen, uns bringt der Gospelchor eben dies Besondere so nahe, diese Mischung aus Heiterkeit und Wehmut, aus Trauer und Zuversicht, vor allem aber: aus Lebendigkeit und Religiösität. Mehr noch, der von seinem Leiter Hans-Jörg Walter dirigierte Chor steckte an. Er riss hin zum Mitklatschen. Er bewegte sogar zum Mitsingen. Freilich war das eher dem gewinnenden Charme des so entspannten Hans-Jörg Walters geschuldet. „Und wenn sie jetzt noch stehen würden“, wandte er sich ans mitsingende Publikum, „dann wären sie fast so gut wie mein Chor.“
Fast! – denn die Präzision der rund 40 Sängerinnen und Sänger des Gospelchors deutete auf etliche Probestunden hin. Was so locker daherkam, trefflich unterstützt von Reinhard Gunz am Klavier und William Widmann am Schlagzeug, war von „Thy word“ bis „Come let's worship the Lord“ ein akkurat ausgefeilter Überblick übers Spektrum des Gospel-Gesangs mit all seinen Modulationen zwischen Heiterkeit und Schwermut. Ein tiefes Berührtwerden durch solistische Glanzlichter war's obendrein.
Jörg Büsche

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