Am 2. September sind Lina und Andreas Killat in Markdorf zu einer ungewöhnlichen Radtour aufgebrochen. Ziel ist China. Über Erlebnisse und Eindrücke berichtet das Ehepaar für den SÜDKURIER.
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Wir befinden uns kurz vor Budapest. Wir haben 1320 Radkilometer hinter uns gebracht, das ist etwa die halbe Distanz bis zum Schwarzen Meer, und wir sind ziemlich ausgelaugt. Nicht die körperliche Anstrengung des Radelns entzieht uns die Energie, sondern die Aufmerksamkeit, die man als Radfahrer in Ungarn dem Schwerlastverkehr zukommen lassen muss.
Hinter der Grenze von Österreich, ein kurzes nicht erwähnenswertes Stück führte noch durch die Slowakei, verläuft der Donauradweg auf Asphaltrouten, den Bundesstraßen in Deutschland ähnlich. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man oft gnädigerweise neben der Straße noch einen Radweg angelegt hat, findet man in Ungarn nichts dergleichen. Mit beängstigendem Tempo, mit alles andere als angemessenem Abstand, führen selbst lange, vollbeladene Sattelzüge Überholmanöver aus, die uns motorlos Reisenden das Blut in den Adern gefrieren lässt. Gerade bei regem Gegenverkehr, drücken die Brummifahrer mächtig aufs Gas, um schnell der Gefahrzone zu entkommen, und dann wird der Abstand natürlich besonders eng. Wir haben Rückspiegel an unsere linken Lenkerhörnchen montiert. Das hilft ein bisschen die Gefahr vorauszuahnen und sich auf einen Sprung auf den Seitenstreifen vorzubereiten. Wenn man dann noch ab und zu ein kleines Holzkreuz mit Blumen am Straßenrand erblickt, möchte man sich nicht ausmalen, was hier passiert ist. Und das nennt sich hier doch tatsächlich Donauradweg: nichts für Leute mit schwachen Nerven.
Vor knapp einer Woche haben wir den deutschsprachigen Raum verlassen. In Bratislawa, der Hauptstadt der Slowakei haben wir fünf Euro slowakisches Geld getauscht, um uns zwei Aufkleber mit den Nationalfarben zu kaufen. Um den Rest des getauschten Geldes zu verbrauchen, tranken wir noch drei halbe Liter Bier in einer Bar, aßen eine große Pommes bei McDonalds und kauften uns von dem Rest noch ein großes Stück Brokkoligemüse. Schöne neue Welt des Billigkonsums. In Deutschland und Österreich wanderten unsere Hände in den Supermärkten meist in den unteren Regalbereich zu den Billigwaren, nun dürfen wir schon mal in Augenhöhe zugreifen. Natürlich nur Inlandsprodukte, denn Importware geht ins Geld. Es ist doch viel spannender die Zutaten in den Gläsern und Dosen am Geschmack zu erraten, als am Etikett abzulesen.
Wir baden nicht mehr in der Donau, nicht wegen der Kälte, sondern wegen schlechter Erfahrung. Zwischen Linz und Wien genossen wir eine unserer fast täglichen Waschungen in der Donau an einem herrlichen Sandstrand. Erst schien alles in Ordnung, wir fühlten uns sauber und mummelten uns behaglich in unsere Schlafsäcke ein. Doch in der Nacht meldeten Tausende von Stichen auf der Haut, dass etwas nicht in Ordnung war und es wurde gekratzt bis sich die Haut rötete. Wir wissen nicht, was in dem Wasser diesen Juckreiz auslöste, aber eins wissen wir genau: Wir setzen keinen Fuß mehr in die Donau, jedenfalls nicht stromabwärts.
Wenn der Preis stimmt, wollen wir uns morgen in Budapest zum ersten Mal einen Campingplatz leisten, denn der Großteil unserer Haut hat seit fünf Tagen kein Wasser mehr gesehen. Jetzt sehnen wir uns nach einer warmen Dusche oder einem heißen Bad. Der Gipfel des Genusses wäre momentan ein Besuch in der Saunawelt des Meersburger Thermalbades. Aber man kann halt nicht alles haben.

„Zweite Hälfte war katastrophal“
Lars Menck als Chef-Einheizer
Matthias Lauber bleibt Trainer