Für die letzten Tage in der Hauptstadt Neu-Delhi haben wir uns ein Zimmer mit Klimaanlage geleistet, umgerechnet 7,89 Euro pro Nacht, nicht gerade billig für indische Verhältnisse, aber in unklimatisierten Räumen kann man als Europäer bei über 40 Grad Celsius nicht mehr gescheit denken, schlafen oder wichtige Entscheidungen treffen. Und einen kühlen Kopf brauchen wir. Die indische Grenzprovinz Manipur hat von höchster Stelle ein endgültiges Nein für einen Übertritt mit den Fahrrädern nach Myanmar ausgesprochen. Nach dreimonatigem Kampf mit den Behörden für uns natürlich ein Schock, andererseits auch eine Freude. Wir dürfen wieder zurück nach Pakistan, einen alten Freund besuchen und zum zweiten Mal den Karakorum-Highway hoch nach China radeln. Von dort aus geht es weiter bis nach Beijing (früher Peking). Somit haben wir praktisch ungewollt neun der im Himalaya-Gebirge befindlichen 14 über 8000 Meter hohen Berggiganten umrundet, durch Pakistan, China, Tibet, Nepal und Indien.
Die Reise nach Beijing wird kein Spaziergang. Über 7000 Kilometer warten auf uns, durch extreme Gebirgs- und Wüstengebiete. Natürlich wollen wir alles mit den Fahrrädern bewältigen, doch Krankheit, auslaufende Visa oder Schäden am Fahrrad können uns einen Strich durch die Rechnung machen. Das pakistanische Visum war bisher das teuerste auf unserer Reise. Lina musste umgerechnet 47,36 Euro berappen. Ich als Deutscher "nur" 28,42 Euro. Das notwendige Empfehlungsschreiben der deutschen Botschaft kostete uns außerdem noch mal 20 Euro. Uns standen die Haare zu Berge vor lauter Abzockerei. Trotzdem wir inzwischen sechs Jahre verheiratet sind, hat Lina immer noch einen litauischen Pass. Je nach den Beziehungen zum jeweiligen Land wird willkürlich eine Gebühr festgelegt. In dem Fall hat Deutschland wohl bessere Beziehungen zu Pakistan als Litauen. Israelis haben ganz schlechte Karten. Sie haben sehr große Schwierigkeiten für islamische Länder Visa zu bekommen, wenn überhaupt. Für Amerikaner und Briten sind die Visa am teuersten. Als Deutscher ist man hier gerne gesehen und Hitler wird, für uns nicht nachvollziehbar, trotz oder gerade wegen seiner Schandtaten als Held und starker Mann gefeiert.
Nach viermonatigem unbeabsichtigten Aufenthalt verlassen wir Indien endlich. Von Indienkennern wird oft behauptet, entweder man hasst oder liebt Indien. Wir hassen Indien nicht, aber es ist uns doch sehr fremd. Indien ist in seiner kulturellen Vielfalt und Spiritualität einmalig auf der Welt. Als Mensch mit weißer Haut wird man von vornherein bevorzugt behandelt, als reicher Mensch der oberen Kaste. Das bringt es natürlich auch mit sich, dass man täglich unzählige Male angebettelt wird, von Kindern, Verkrüppelten oder Müttern mit Kindern.
330 Millionen Gottheiten werden hier angebetet, so fällt auf drei Inder etwa ein Gott. In der Bibel steht, dass man sich kein Bildnis von Gott machen solle, in den Moscheen des Islam ist jegliche Abbildung untersagt. 82 Prozent der Inder sind Hindus und hier ist alles anders. Ganesch, der Gott mit dem auf einem menschlichen Körper sitzenden Elefantenkopf gehört zu den beliebtesten und am meisten verehrten Göttern in dieser Gegend. Ganesh gilt als Vertreiber von Hindernissen und als Überbringer des Glücks. Er findet sich in vielen Restaurants und Hotels und wird mit Rächerstäbchen umduftet.

„Zweite Hälfte war katastrophal“
Lars Menck als Chef-Einheizer
Matthias Lauber bleibt Trainer