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Markdorf Am Fuß des Berges Ararat

19.03.2005
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Am 2. September 2004 sind Andreas und Lina Killat in Markdorf zu einer ungewöhnlichen Fahrrad-Reise aufgebrochen. Ziel ist China. Für den SÜDKURIER berichten sie über Eindrücke und Erlebnisse.

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Von unserem Hotelzimmer in Dagubayazit sehen wir den Ararat, den legendären Berg auf dem am Ende der biblischen Sintflut die Arche Noah gestrandet sein soll. Mehrere Flugzeugpiloten und sogar ein amerikanischer Astronaut berichteten von Trümmerteilen der Arche, die sie auf einem Gletscher an der Nordwestflanke des erloschenen Vulkans ausgemacht haben wollen. Mit seinen 5137 Metern ist der Ararat höher als der Mont Blanc und zieht im Sommer viele Bergsteiger an. Wegen der großen Kälte sind einige unser Häringe und Zeltstangen gebrochen und wir hoffen in den hier ansässigen Outdoorläden Ersatz zu bekommen.

Dogubayazit ist unsere letzte Station in der Türkei, bis zur iranischen Grenze sind es nur noch 35 Kilometer. Für uns kommt nur dieser Übergang in Frage. Die Strassen zum südlichen Übergang führen durch hohe Gebirge und sind im Winter oft unpassierbar. Der mittlere Grenzübergang ist für Velos nicht zugelassen, so mussten wir von der Stadt Van am Vansee 200 Kilometer nach Norden ausweichen. Doch der Umweg hat sich gelohnt.

70 Kilometer begleiteten uns die Ufer des Vansees. Er misst eine Fläche von 3738 Quadratkilometer und ist somit sieben Mal größer als der Bodensee. Da der einzige Ausfluss des Sees vor 100000 Jahren durch einen Lavastrom abgedeckt wurde, wandelte er sich im Laufe der Jahrtausende von einem Süßwasser- in einen Salzwassersee mit einem Sodagehalt von 13 Prozent. Nur an den Mündungen einiger Flüsse tummeln sich noch Fische. Der Rest des Sees ist praktisch tot.

Von den Ufern des Vansees auf 1646 Metern stiegen wir langsam höher. Oftmals wurden wir vor dieser Region gewarnt. Es sei sehr kalt, und gelegentlich wurde uns sogar mit eindeutigen Handbewegungen angedeutet, dass wir verrückt sein müssen. Trotz strahlendem Sonnenschein zeigte unser Thermometer um 16 Uhr bereits minus zwölf Grad Celsius.

Wir nächtigten in einem kleinen Dorf in einem drittklassigen Hotel, in dem man seine Notdurft in einer mit Wasser gefüllten Plastikschüssel verrichten musste. Das Übernachten in freier Natur schien uns nicht vernünftig, denn die Strasse wurde von meterhohen Schneeaufschüttungen begrenzt. Außerdem wird auf der Internetseite des Auswärtiges Amts vor Reisen in diese Region gewarnt, und wir bekommen die Präsenz des türkischen Militars allerorten zu spüren.

Die Kurden sind das Problem, für uns weniger, aber für die Türken. Und für die Kurden sind die Türken ein Problem. Die Kurden trachten nach einem eigenständigen Staat Kurdistan, doch ihr Streben wird durch das türkische Militär oft blutig niedergeschlagen.

An einem der vielen Militärposten, die auch die Autos kontrollieren, trafen wir auf einen Türken, der in Deutschland aufgewachsen ist und nun bei der türkischen Jandarma seinen 15-monatigen Militärdienst ableistet. Er stellte uns Stühle in die Sonne, brachte Tee und gab uns je eine Handvoll salzige Sonnenblumenkerne, die wir genüsslich im Laufe unserer Unterhaltung knackten. Er hasste es, beim türkischen Militär dienen zu müssen und zeigte uns sein Maschinengewehr, mit dem er nach seinen Angaben bereits fünf Kurden töten musste. Der kleine Militärposten war sogar mit einem Panzer ausgestattet, der im Schnee auf seinen Ersatz wartete. Im Winter ist es ruhig, doch im Sommer werden sie fast täglich von kurdischen Separatisten angegriffen. Er deutete auf einen kleinen Punkt, der sich in den weißen Bergen bewegte: "100 Prozent ein Terrorist", sagte er und es wurde uns mulmig zumute. Touristen tun sie nichts, beruhigte er uns. Von Terroristen wurden wir nicht behelligt, nur die kurdischen Hirtenhunde kamen uns etwas zu nahe.

Markdorf
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