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Markdorf Alle Höhen und Tiefen erfahren

09.03.2007
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Am 2. September 2004 sind Lina und Andreas Killat zu einer ungewöhnlichen Reise aufgebrochen: mit dem Fahrrad bis nach China. Für den SÜDKURIER berichten sie exklusiv. Hier eine Zwischenbilanz nach zweieinhalb Jahren.

Nach zweieinhalb Jahren, (911 Tage), insgesamt 23664 Kilometern, davon 17815 mit dem Fahrrad, 5849 mit Bahn, Bus oder Truck, 1272 Stunden Fahrzeit, zehn verschlissenen Reifen, acht Fahrradketten, drei geborstenen Felgen und drei gebrochenen Rahmen ist es an der Zeit, ein Resümee unserer Reise durch Europa und Asien zu verfassen.

Auf 911 Tage gerechnet saßen wir pro Tag im Schnitt knapp zwei Stunden im Sattel und haben 20 Kilometer zurückgelegt. Wir wollten die gesamte Strecke mit dem Fahrrad bewältigen, aber auslaufende Visa, Krankheit oder für Ausländer extrem gefährliche Gebiete wie Teile von Pakistan und Iran, oder irreparable Fahrradschäden zwangen uns dazu ab und zu die Fahrräder auf Verkehrsmittel wie Bus, Bahn oder Truck aufzuladen. Im Schnitt geben wir knapp 600 Euro pro Monat aus, das waren in 30 Monaten also fast 18000 Euro. Davon musste alles bezahlt werden: Visa, Fahrradteile, Bus- und Bahnfahrten oder Pakete.

Die gesamte Strecke legten wir auf dem Landweg zurück, durchquerten acht Zeitzonen und 13 Länder: Deutschland, Österreich, Ungarn, Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Iran, Pakistan, China, Tibet, Nepal und Indien. Kein Gebiet war uns zu kalt, kein Gebiet zu heiß, kein Pass zu hoch.

Als wir wegen auslaufender Visa gezwungen waren, von der tibetischen Haupstadt Lhasa über Nepal nach Indien zu fahren, versuchten wir, von Indien nach Thailand auszureisen, aufdem Landweg durch Myanmar. Die monatelangen Bemühungen bei den Behörden scheiterten schließlich, und da wir uns weigerten, das Flugzeug zu benutzen, führte unser Weg zurück über Pakistan nach China. Somit haben wir fast den ganzen Himalaya mit unseren Fahrrädern umrundet.

Nun sind wir mitten in China, in Xi'an, früher Hauptstadt und der Beginn der Seidenstrasse. Von hier aus planen wir unsere Weiterreise nach Neuseeland. Wir müssen nach Beijing, um unsere Reisepässe zu wechseln, die verständlicherweise mit Visa vollgeklebt sind. Der Rahmen eines Fahrrads ist erneut gebrochen und wir warten auf Ersatz und andere Teile aus Deutschland.

Als schlimmstes Erlebnis empfanden wir, durch ein ausländerfeindliches Gebiet radikaler Moslems in Pakistan zu fahren. Wir sind von einer Schar Kinder mit großen Steinen beschmissen worden. Wir mussten um unser Leben fürchten, und verließen die Gegend so schnell wie möglich. Später hörten wir von einem Deutschen Fahrradfahrer, der in der Gegend angeblich durch einen natürlichen Steinschlag ums Leben gekommen sein soll. Nach unseren Erfahrungen halten wir es genauso für möglich, dass er gesteinigt worden war, und die Behörden das Ganze vertuschten, um dem Tourismus nicht zu schaden.

Schöne Erlebnisse hatten wir viele. Besonders angetan waren wir von der Gastfreundschaft der Menschen in den moslemischen Ländern Türkei, Iran und Pakistan, was natürlich einen Widerspruch zu der Radikalität, und Gewaltbereitschaft einiger Minderheiten darstellt. Wir haben noch nie so herzliche Freundlichkeit von Polizisten erlebt, die offenbar versuchen Vorurteile abzubauen und ihr Land zu einem besseren Ort zu machen.

Der 29 Tage währende Treck zum höchsten Berg der Erde, dem Mt. Everest, die Umrundung des heiligen Berges Kailash in Tibet, und die Fahrt mit dem Fahrrad über die höchsten Pässe der Welt gehören ebenfalls zu unseren schönsten Erinnerungen.

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