Markdorf „Hier hat einfach alles gepasst“
SÜDKURIER-Redakteurin Stefanie Nosswitz (links) im Gespräch mit dem Gastronomen-Ehepaar Romy und Heinz Reinhofer in der „Schnitzelhütte“. Bild: Blaser
Frau Reinhofer, Herr Reinhofer, Sie sind jetzt seit fast einem halben Jahr in Markdorf. Haben Sie sich gut einlebt?
Romy Reinhofer: So weit man sich in dieser kurzen Zeit einleben kann, haben wir das bestimmt getan. Uns war es vor allem wichtig, dass die Kinder Anschluss finden und das hat gut funktioniert.
Heinz Reinhofer: Es ist natürlich schwierig, da wir viel arbeiten und noch nicht so viel von der Stadt und der Gegend gesehen haben. Aber wir fühlen uns hier sehr wohl.
Wie kam es, dass es Sie vom bayrischen Oberammergau ins Badische gezogen hat?
H. Reinhofer: Wir haben viele Freunde und Bekannte aus der Region und nachdem unser alter Gasthof in Oberammergau verkauft worden ist, haben wir uns rund um den Bodensee auf die Suche gemacht. Wir haben uns auch in Überlingen und Friedrichshafen Immobilen angeschaut und sind dann schließlich in Markdorf fündig geworden. Es hat einfach alles gepasst.
Wie kommen Sie mit der südbadischen Mentalität zurecht?
R. Reinhofer: Sehr gut. Ich bin gebürtige Dresdnerin, mein Mann kommt aus Österreich und hat viele Jahre in Hamburg gelebt. Wir mögen die Mentalität. Ich finde, dass die Menschen hier offener, freundlicher und zugänglicher sind als im Norden.
H. Reinhofer: Ich habe auch erlebt, dass die Menschen nicht so engstirnig sind, dass alles etwas lockerer ist. Und man ist schneller beim „Du“.
Dialektprobleme?
R. und H. Reinhofer: Nein.
Der größte momentane Unterschied zu Oberammergau?
H. Reinhofer: Dass der Winter nicht ganz so streng ist. Es mag zwar auch kalt sein, doch vom Schnee her waren das in Bayern ganz andere Welten. Da mussten wir doch öfters Schnee schippen.
Und abgesehen vom Wetter?
H. Reinhofer: Oberammergau ist mit 5000 Einwohnern kleiner und konservativer. Außerdem lebt die Gemeinde zu 90 Prozent vom Tourismus. Da war der Konkurrenzkampf in der Gastronomie schon sehr groß. Das erleben wir in Markdorf anderes, da gibt es ein Miteinander und wir sind nun auch Mitglied der Aktionsgemeinschaft.
Wie schwer ist es, mit einem Restaurant in einer fremden Stadt neu anzufangen?
H. Reinhofer: Es ist eine Herausforderung. Aber wir waren knapp zehn Jahre selbständig, haben beide den Beruf gelernt und kennen uns in der Branche sehr gut aus.
R. Reinhofer: Wir müssen unsere Gäste überzeugen. Wenn uns das gelingt, kommen sie wieder.
Und wie überzeugen Sie Ihre Gäste?
R. Reinhofer: Durch Qualität beim Essen und durch einen freundlichen Service. Ich bin ein sehr offener Mensch und freue mich, wenn ich mit den Gästen ins Gespräch komme.
Wie kamen Sie auf den Namen
„Schnitzelhütte“?
H. Reinhofer: Wir haben uns natürlich ein Bild von der Markdorfer Gastronomie gemacht, bevor wir hier hergezogen sind und uns überlegt, welche Nische wir bedienen können, damit die Menschen, den Weg zu uns finden. Schnitzel fanden wir eine gute Idee und somit stand erstmal das Konzept.
R. Reinhofer: Wir wollten das Wort „Schnitzel“ gerne im Namen haben und sind dann verschiedene Kombinationen durchgegangen. „Schnitzelhütte“ passt einfach. Es ist urig und gemütlich.
Die „Jungfernburg“ hatte in Markdorf Tradition. Gab es Überlegungen, diesen Namen zu behalten?
H. Reinhofer: Uns war nicht bewusst, wie sehr der Name „Jungfernburg“ in der Stadt verankert ist. Sonst hätten wir den vielleicht beibehalten. Andererseits haben wir ein komplett anderes Konzept als unsere Vorgänger, die gehobene Küche angeboten haben.
Sie arbeiten zusammen, sind verheiratet, haben zwei Kinder, verbringen 24 Stunden am Tag gemeinsam. Wie kann das funktionieren?
R. Reinhofer: Wir sind einfach ein perfekt eingespieltes Team und verstehen uns auch ohne Worte. Wir arbeiten tagsüber ja meistens jeder in seinem Bereich: Ich im Service, mein Mann in der Küche. Nachmittags stehen dann die Kinder im Vordergrund und am Abend wieder das Restaurant.
H. Reinhofer: Nach der Arbeit muss man sich nicht mehr über den Tag unterhalten, da wir den zusammen verbracht haben. Wir fallen müde ins Bett.
Derzeit ist die Stadt im närrischen Ausnahmezustand. Haben Sie einen Bezug zur Fasnacht?
R. Reinhofer: Eher weniger. Wenn dann kennen wir den Fasching, aber der hat mit der Fasnacht ja kaum etwas gemein. Das Wort „Fasching“ darf man hier ja auch nicht in den Mund nehmen.
H. Reinhofer: Wir schauen uns in diesem Jahr das närrische Treiben in der Stadt in Ruhe an. Dann sehen wir, wie wir uns 2013 beteiligen können.
Eine Frage noch an Sie, Frau Reinhofer. Sie tragen Landhaus-Mode. Warum?
Weil es zu mir passt, bequem ist und gut aussieht.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Wir wünschen uns, dass das Geschäft noch viele Jahre gut läuft. Vielleicht übernimmt eines unserer Kinder später einmal das Restaurant. Das wäre toll.
