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Markdorf „Gentechnikfilz in Deutschland“

26.02.2010


War es der Aufruf zu einer Straftat? War es der Appell zu zivilem Ungehorsam? Oder forderte da jemand zu Handlungen auf, die durch den Paragraphen 34 des Strafgesetzbuches gerechtfertigt werden, weil der Gesetzgeber dem Bürger unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, Gefahren für Leib, Leben oder Freiheit von sich abzuwenden? „Rechtfertigender Notstand“ heißt dieses Gesetz. Und Jörg Bergstedt, ein bekennender Öko-Aktivist aus Hessen, nimmt es für sich in Anspruch.

Er tat es am Ende seines Vortrags im großen Saal des evangelischen Gemeindehauses von Markdorf. Dort hatte er einen Vortrag gehalten zum Thema „Monasanto auf Deutsch. Der Gentechnikfilz in Deutschland.“ Dazu eingeladen worden war Bergstedt vom „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) sowie vom „Bündnis gentechnikfreie Region Bodensee-Allgäu-Oberschwaben“. Außerdem war die evangelische Gemeinde Mitveranstalter des Abends, wie Pfarrer Andreas Quincke den rund 70 Zuhörern erklärte. „Schließlich ist eines unserer wichtigsten Anliegen“, sagte Quincke , „die Schöpfung zu wahren.“

Wozu es zu spät sein dürfte, wenn richtig ist, was Referent Bergstedt in den Raum stellte. Er behauptete , dass die Saat der Chemiekonzerne, in deren ökonomischen Windschatten eine stattliche Anzahl Bioteich-Unternehmen ihre genmanipulierten Geschäfte betreiben, längst aufgegangen sei. „Die Auskreuzungen der gentechnisch veränderten Pflanzen sind nicht mehr zu stoppen.“

Ein Argument, dem sich übrigens auch jenes Gießener Gericht angeschlossen hat, dass Bergstedt im vergangenen Jahr zu einer Freiheitsstrafe verurteilte. Seine Straftat: Zusammen mit anderen Aktivisten hatte er ein eingegittertes 9,6 Quadratmeter großes Flurstück „befreit“. Das heißt: die von der Universität Gießen dort ausgebrachten gentechnisch veränderten Pflanzen zerstört. Trotz der Risiken für die Umwelt sei dies kaum legitimieren, fanden die Richter. Zumal „die Zerstörung eines einzelnen Feldes zur Gefahrenabwehr nicht ausreicht“, zitierte Bergstedt die Begründung.

Selbst wenn die von Jörg Bergstedt skizzierte Verquickung von Wissenschaft, Politik, Behörden und Lobbyisten anscheinend auch das Gericht überzeugt hat, eine „Feldbefreiung“ alleine reiche nicht hin. Bergstedt zog daraus den Schluss: „Wir müssen alle Versuchsfelder befreien.“ Jörg Büsche

Der Vortrag im Internet:

biotech-seilschaften.de.vu

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