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Stuttgart/Ravensburg Wende im Masern-Prozess: Impfgegner Stefan Lanka muss nicht zahlen

Das Oberlandesgericht Stuttgart gab am Dienstag der Berufung von Stefan Lanka statt. Damit ist der 52-Jährige nicht verpflichtet, 100.000 Euro an den Arzt David Bardens zahlen, der den Beweis antreten wollte, dass es das Masernvirus tatsächlich gibt.

Es ist fast kein Durchkommen mehr vor dem Saal 2.10 am Oberlandesgericht Stuttgart. Kameraleute und Fotografen drängeln durch die Tür, jeder will den besten Blick auf den Mann erhaschen, der nun schon in zweiter Instanz die Nicht-Existenz des Masern-Virus beweisen will. Dieser Fall erregt die Gemüter, vielleicht auch, weil er so skurril ist.

Stefan Lanka scheint die Aufregung um ihn zu genießen, badet förmlich in der Menge der Journalisten, die um ihn kreisen, wie Motten ums Licht. Er zeigt sich selbstbewusst, gibt freimütig Interviews und philosophiert vor Beginn der Verhandlung über die wahren Ursachen der Masern-Erkrankung. „Es sind vor allem innerpsychische Ursachen, die zu der Erkrankung führen – ein Virus aber gibt es nicht. Das ist alles eine Erfindung der Wissenschaft – dieser Prozess wird einen Paradigmenwechsel in der Wissenschaft einläuten“, erläutert Lanka selbstgewiss.
 

Oberlandesgericht gibt Berufung aus formalen Gründen statt

Am Ende geht er als Sieger aus dem Prozess hervor, aber nur aus formaljuristischen Gründen. Richter Karl-Heinz Oleschkewitz betont, dass es bei seinem Urteil nicht darum gehe, ob es das Masern-Virus gebe oder nicht. „Es ist eine Illusion zu glauben, dass ein Gericht darüber urteilen kann“, so Oleschkewitz.

Tatsächlich aber gab das Oberlandesgericht der Berufung von Stefan Lanka statt. Damit muss er nicht 100.000 Euro an den Arzt David Bardens zahlen, der mittels sechs Gutachten den Beweis antreten wollte, dass es das Masernvirus tatsächlich gibt.


Der Hintergrund: Das Gericht behandelte die Frage, „ob der Beklagte dem Kläger ein ausgelobtes Preisgeld für den Nachweis der Existenz des Masernvirus zu bezahlen hat“, wie es in der Prozessankündigung hieß. Lanka hatte im November 2011 auf seiner Internetseite die Existenz von Masernviren in Frage gestellt und demjenigen 100.000 Euro geboten, der sie nachweisen könne. „Das Preisgeld wird ausgezahlt, wenn eine wissenschaftliche Publikation vorgelegt wird, in der die Existenz und der Durchmesser des Masern-Virus nicht nur behauptet, sondern auch bewiesen ist“, hieß es im Text der Auslobung. Der Arzt David Bardens machte sich die Mühe und legte dem Impfkritiker insgesamt sechs wissenschaftliche Studien vor, die genau das beweisen sollten. Da Lanka aber diese Belege nicht als Beweis ansah, ging die Sache vor Gericht. Lanka bestreitet die Existenz des Virus grundsätzlich. Bei dem Prozess in Ravensburg verlor er dann auf ganzer Linie. Inhaltlich wie auch formal seien die Kriterien der Auslobung von David Bardens erfüllt worden, sagte der Vorsitzende Richter im März. Lanka legte Berufung ein.
 

„Der Beginn einer neuen Zeit in der Wissenschaft“

Der 12. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart kassierte nun aber dieses Urteil des Landgerichtes Ravensburg. „Die Auslobung verlangte die Vorlage einer Publikation“, erklärte Richter Oleschkewitz. „Vorgelegt wurden aber insgesamt sechs Publikationen. Der Wortlaut der Auslobung ist aber eindeutig – nicht sechs, sondern eine Publikation hätte vorgelegt werden müssen“, so der Vorsitzende Richter weiter. Lanka zeigte sich nach dem Urteil in seinen Ansichten bestätigt. „Sie werden sehen, das ist der Beginn einer neuen Zeit in der Wissenschaft“, sagte er.

Dass sich das Gericht gar nicht mit der Frage der Existenz des Masern-Virus beschäftigt hatte, ließ Lanka kalt. David Bardens, der nun die 100000 Euro nicht erhalten wird, reagierte enttäuscht. „Es wäre schön gewesen, wenn ich das Geld hätte spenden können. Aber am Ende kann ich mit dem Urteil leben, denn das Gericht hat nicht die Existenz des Masen-Virus in Frage gestellt“, so Bardens.

Damit hat der skurrile Prozess nun ein Ende gefunden – der Streit zwischen zweifelhaften Impfgegnern und Wissenschaftlern wird aber sicher weitergehen, wenn vielleicht auch nicht vor deutschen Gerichten.

 

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