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Langenargen „Verschmittzt“ und abgedreht

Was ist er denn nun? Ein singender Bayer?

Martin Schmitt, Pianist und Kabarettist.
Martin Schmitt, Pianist und Kabarettist.

Denkender Pianist, dichtender Narziss, chauvinistischer Schauspieler, musikalischer Mann, poetischer Kabarettist? Oh, eigentlich nur Martin Schmitt. Der wo nicht fliegt, also mit dem Skihelm droben. So täte er vielleicht antworten, der Martin Schmitt, der am Mittwochabend von Anbeginn wieder einmal Dutzende enthusiastischer Fans in den Münzhof zog.

Für Kalauer geniert er sich wohl eigentlich. Aber wenn's die Leut doch hören mögen? Ja, das wollten sie unbestritten. Und ehrlich, es waren ja nur ein paar klitzekleine Kaläuerchen. Nicht mal schlechte: Was is der Unterschied zwischen Bach (25 Kinder) und Kant (0 Kinder)? Bach beherrschte die Kunst der Fuge, Kant redete immer nur vom „Ding“ an sich.

Gleich bei der ersten musikalischen Nummer Schmitt literweise Sympathie auf die Bühne. Der charmante Macho-Heuchler schaffte es, dass die Mädels nur eine Hand zur Faust ballen konnten. Die andere mussten sie vor den Mund halten, um nicht zu laut zu lachen. Machte er da doch seiner Liebsten 1000 Vorwürfe – in aller Bescheidenheit, schließlich hatte er doch nur einmal im Jahr den Hochzeitstag vergessen.

Der Lebensrücklauf ist keine neue Idee, aber köstlich als Song von Martin Schmitt. Zwischen Sarg und Papas Stöhnen geht es von Windel und Püree wieder bis zu Windel und Püree.

Ausführliches Call-and-Response zelebrierten er und den Publikum mit dem Refrain „Das geht net guat...“, allerdings ging der meist unter im Gelächter ob der schrecklichen Katastrophen. Spätestens als der Marder „tief ins Präservatief“ biss, war klar, dass Schmitt begeistert mit Sprache(n) spielt. Sein Schriftdeutsch ist milieugeschädigt (Bayern), viel besser ist sein Englisch, hervorragend natürlich sein Bayrisch (inklusive österreichischer Varianten). Klar, denn er liebt ja die Österreicher, ehrlich...

Zum „kognitiven Höhepunkt“ geriet die Orgie der misshandelten Fremdwörter, eine poetische Meisterleistung, wurden doch die Begriffe einer aus dem andern als Kette verwurstet. Grandios auch die Idee vom „Willst mi pflanzen?“, in welchem massenweise Pflanzen phonetisch missbraucht wurden: „I lieb Stöckl; was hast an die Füß alles (Physalis)? Oder das hervorragende Ehe-Lied mit nautischer Terminologie: „Sehnot“.

So nebenbei lieferte er auch ein paar klassische Instrumentals, Jazz natürlich, sein Heimatgebiet. Allerdings nicht Free Jazz, den er aufs Herrlichste wortreich beschrieb, ekeltriefend vor Begeisterung. Martin Schmitt: Ein Mann der rasenden Läufe und des kabarettistischen Spiel – mit dem Piano wie auch mit dem Publikum.

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