Langenargen Singen macht Spaß und befreit
Elf Chöre aus der Region haben in Langenargen das Regionssingen gestaltet. Bild: Bild: Braschel
Wenn das kein Grund zum Singen ist: Es nimmt großen Einfluss auf Körper und Seele und ist daher für jeden von uns von unschätzbarem Wert. Freude, Traurigkeit, Dankbarkeit oder unterschiedliche Stimmungen können dadurch intensiv nachempfunden werden. Es gibt Kraft und stärkt nicht zuletzt das Immunsystem. Leider scheint es im Zeitalter von perfekten Tonträgern und einem Überangebot an Musik in Radio und Fernsehen überflüssig geworden zu sein. Nicht so bei den Chören im Oberschwäbischen Chorverband. Und einmal im Jahr kommen sie unter dem Motto „Komm, hör zu, sing mit im Chor“ zusammen. Am Sonntagabend waren es elf Chöre, die sich in der Festhalle Langenargen mit einer kleinen Auswahl aus ihrem Repertoire jeweils den anderen Chören und der Öffentlichkeit präsentierten. Leider wurde das Vorhaben, in der Musikmuschel, im Freien, aufzutreten, die Öffentlichkeit anzulocken und zum Mitmachen zu animieren, vom schlechten Wetter durchkreuzt. Ein weiterer Aspekt dabei war, neue Sängerinnen und Sänger zu gewinnen, ganz besonders junge. Deshalb haben viele Gesangsgruppen ihr Repertoire erweitert und mit modernen Liedern aufgepeppt. Die Darbietungen reichten von deutschem Liedgut über Pop, Swing, Rock ‚n Roll bis hin zu Gospel und klassischer geistlicher Musik.
In seiner Begrüßung wies Regionsvorsitzender Wolfgang Keser auf die Vorzüge des Singens hin und gab zu jedem Chor Informationen sowie Ort und Uhrzeit der Singstunde bekannt. Auch Bürgermeister Rolf Müller fand motivierende Grußworte. Nicht umsonst heißt der Männergesangverein Langenargen „Frohsinn“. Zusammen mit dem Männergesangverein Eriskirch machte er den Anfang. Und kaum erklangen die ersten Töne, schon tat die Musik ihre Wirkung. Auch die Chöre aus Friedrichshafen, Meckenbeuren und Oberteuringen sowie der Liederkranz Tettnang gaben positive Impulse mit auf den Weg. Nur 14 Mann zählt der Männerchor Kau, doch sie interpretierten ihr lustiges Lied aus Kärnten mit solcher Fertigkeit und gekonnter Komik, dass der Saal zum ersten Mal tobte. Und die Begeisterung riss nicht ab über die Qualität, mit der die folgenden Chöre Herz und Ohren erfreuten. Ganz obenan stand hier „TonArtNeukirch“. Alles junge Menschen, die Leiter Stefan Marinov zu großer Gesangkultur und Disziplin geführt hat. Deshalb hörte sich „Das Beste von Silbermond“ und „Die Bohemian Rhapsody“ von Queen auch wie ein musikalisches Sahnehäubchen an. Hier war außerdem zu erleben, worauf es noch ankommt: auf gute Artikulation, aufeinander hören und immer auf den Chorleiter schauen. Auffallend ist der enorm weiche, ausbalancierte Chorklang, der auch bei den beiden anderen Chören Marinovs, dem Gesang-Verein Kressbronn, die größte Chorgemeinschaft an diesem Abend, und dem Männergesangverein Liederkranz Kressbronn vorherrscht. Letzterer machte viel Freude mit dem witzigen „Mein kleiner grüner Kaktus“ und dem andachtsvollen „Morgenrot“. Stimmlich gut geschult, ist er der beste Beweis, was man aus Stimmen herausholen kann.
Ein guter Schluss ziert alles, heißt es mit dem Männerchor Friedrichshafen-Fischbach. Schwungvoll und kultiviert manifestiert er seine große Lust am Gesang, zum Beispiel bei „What a wonderful world“. Locker swingend und ungemein lebendig rocken sie dann auch noch den Saal mit „Rock and Roll für Alt und Jung“. Im Finale finden sich einmal alle gemischten Chöre zusammen, bezeichnenderweise mit „Yo vivo cantando“ (Ich lebe mit Gesang) sowie alle Männerchöre mit „Good news“ (gute Nachricht). Die gute Nachricht am Ende ist: Ganz deutlich war zu erleben, wie Singen befreit und wie sehr sich das auch auf die Zuhörer überträgt.
