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Langenargen Kabale und Halluzinationen in Langenargen

Theatergruppe Oberdorf haucht dem Schwank „Die Falsche im Arm“ Leben ein.

Who is who in Langenargen? Aber nicht im Sinne von „wer ist wichtig“, sondern wer heißt wie und wer ist er oder sie wirklich? Oh je, da ist das Ehepaar Anrainer aber in ein schönes Durcheinander geraten, eigentlich unfreiwillig. Sie wollten ja nur ein bisschen schummeln. Durch unselige Umstände wird die Chose jedoch zum intriganten Selbstläufer.

Der hübschen blonden Kathi Anrainer (sympathisch: Michaela Friedrich) war bereits ein mysteriöses Erbe angekündigt, nun kam per Einschreiben Genaueres zum Objekt: Eine Immobilie, die sie aber nur erbt, wenn sie und ihr Mann es zu was Gescheitem gebracht haben. Im Alleingang macht sie ihren Toni (Michael Zell) zum Textilfabrikanten, erfindet Hausmädchen und Chauffeur/Butler mitsamt repräsentativem Auto. Denn es wurde eine Kontrolle der Verhältnisse angekündigt, oh Schreck!

Nachdem Kathi alles dem Toni gebeichtet hat, planen sie gemeinsam die Umsetzung. Freundin Sabine soll die Perle geben, Freund Max mit seinem Mercedes den Diener. Sabine (Susanne Späth) reist aus Konstanz an, Max (Sven Kurz) erscheint prompt, denn er wohnt am Ort. Überdies ist er ein ehemaliger Verehrer der Kathi, die sich mit einer Umarmung für seine Bereitschaft bedankt. Ein folgenschwerer Fehler! Genau da platzt nämlich die vermeintliche Kontrolldame des Notars herein. Ab sofort ist Max der Toni Anrainer. Toni selbst wird zum Diener „degradiert“. Kathi bleibt Kathi und Sabine gibt von vornherein das Dienstmädchen. Dass sie allerdings viel später in die Rolle der Dame des Hauses schlüpfen muss – ja, das ist eine verzwickte Geschichte und damit der Inhalt des Stückes von Wolfgang Bräutigam.

Das Stück selbst hat Schwächen. Es ist mit zu vielen Kalauern gespickt. Oft werden eindeutige Gefühle noch einmal verbalisiert und es fließt arg viel Alkohol. Doch Regisseurin Gisela Sterk ließ hinsichtlich langjähriger Erfahrung diese mehr oder minder geistreichen Wortwitze drin: „Dem Publikum gefallen grad diese Sachen!“

Dem Publikum gefiel besonders die saudepperte, überdimensionale Blödheit des Briefträgers Karl Schnellinger, die höchst glaubwürdig von Paul Bücheler verkörpert wurde. Eine Tapferkeitsmedaille hätte Silvia Bucher verdient, denn sie, nicht gerade vom Schlankheitswahn gebeutelt, marschiert als Tonis Mutter Maria gelegentlich in Unterwäsche über die Bühne. Mit Nachbarin Gretl Dimpfl (Marga Brugger) bildet sie ein feines versüffeltes Gespann. Gretl erfüllt alle Klischees der ewig Neugierigen, wird als „Tagesblättle“ tituliert.

Aalglatt und smart sollen Bürgermeister Moser (Nikolaus Rinderer) und sein Notar Paul Schöner (Markus Specker) erscheinen – und werden doch am Ende zur Schadenfreude aller gehörig gelackmeiert, denn Max war schlau und weitsichtig genug, um durch einen winzigen Trick die armen Anrainers zum guten Schluss doch noch reicher zu machen.

Zu schauspielerischen Genussmomenten gerieten die Halluzinationen des Briefträgers, mit denen er sich Schnaps ergaunert. Wunderbar auch Michael Zell, wie er als Toni die naseweise Gretl parodiert. Noch besser in der Rolle des Mediators und Retters der Situation, als seine besoffene Mutter Maria auftaucht und damit die Seifenblase zum Platzen zu bringen droht. Leider nicht ohne Gemeinplätze, doch sehr gefällig gespielt von Susanne Späth und Sven Kurz als Sabine und Max, gerät deren zaghafte (und erfolgreiche) Annäherung.

Erst nach vielen Irrungen erscheint die echte Frau Anna Hofer (Claudia Klotz, elegant und souverän), die verkündet, dass Kathi in jedem Fall die saure Wiese geerbt hätte, ohne all die Komödien. Aber dann hätte die Oberdorfer Theatergruppe ja nix zum Spielen gehabt!

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