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Langenargen Bodenseegrund wird neu vermessen und kartiert

Fächerecholot und Laserscanner liefern Daten vom Grund des Bodensees in nie gekanntem Detail. Die EU fördert die Erstellung des dreidimensionalen Geländemodells.

„Tiefenschärfe – Hochauflösende Vermessung Bodensee“ heißt ein grenzübergreifendes, von der EU gefördertes Projekt, das im April gestartet ist. Dabei wird der Bodenseegrund mit Hilfe modernster Technik vom Forschungsschiff „Kormoran“ aus neu vermessen und kartiert. Initiiert wurde das Projekt auf Initiative der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB). Beteiligt sind alle Anrainerstaaten.

Täglich sind Michael Hilbe und Steffen Niemann von der Universität Bern im Zweischichtbetrieb auf der „Kormoran“, um systematisch Daten über die Beschaffenheit des Seegrunds zu sammeln. Am Bug führt das Schiff ein hochmodernes Fächer-Echolot, das den Seegrund abtastet. Simultan werden mehrere hundert vom Seeboden reflektierte Schallsignale vom Computer ausgewertet und zu einem hochauflösenden, dreidimensionalen Geländemodell zusammengesetzt. Abbrüche, strömungsbedingte Sedimentwellen und die reinsten Canyons, die sich in den Seeboden gefräst haben, sind auf den Bildschirmen zu erkennen.

Ergebnisse sollen zum Schutz des Bodensees beitragen

„Die Datendichte ist dabei um das hundert- bis tausendfache höher als beim letzten Aufmaß im Jahr 1990“, erläuterte Heinz Gerd Schröder, Leiter des Langenargener Instituts für Seenforschung (ISF), bei dem die organisatorische und wissenschaftliche Betreuung des Projekts „Tiefenschärfe“ liegt. Wurden damals noch 600 Messungen pro Quadratkilometer gemacht, liefert das Fächerecholot 60 000 bis 600 000 Messpunkte. In den Flachwasserzonen werden die Daten vom Flugzeug aus mit Hilfe eines Laserscanners gesammelt.



„Man kann nur das gut schützen, was man kennt“, lautet Schröders Antwort auf die Frage nach Sinn und Zweck des Projekts. Bereits jetzt lasse sich sagen, dass der Bodenseegrund außerordentlich vielfältig strukturiert sei und die Wissenschaft viel zu tun bekomme, sagte Martin Wessels vom ISF. „Da betreten wir ein Stück weit Neuland.“ Das Wissen um die genaue Bodentopografie solle künftig helfen, eine Vielzahl wissenschaftlicher und wasserwirtschaftlicher Fragen zu beantworten. Auch für Archäologie, Natur- und Denkmalschutz sowie Schifffahrt und Touristik sei eine genaue Kenntnis des Gewässerbodens von Bedeutung. Privatleute werden die Daten ebenfalls nutzen können. „Die Ergebnisse sollen vor allem zu einem nachhaltigen, effektiven Gewässerschutz beitragen“, so Wessels.

"Der Seeboden verändert sich ständig"

Erste Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass das Seeufer nicht so stabil sei, wie man es sich vorgestellt habe, berichtete Professor Flavio Anselmetti, Geologe an der Universität Bern. „Der Seeboden verändert sich ständig. Die Ergebnisse der Messungen helfen uns dabei, die Entwicklung des Bodensees innerhalb der letzten 20 000 Jahre zu rekonstruieren.“

Nach Abschluss der ersten Messphase im Juli erfolgt die Bereinigung und Aufbereitung der riesigen Datenmenge. Vermutlich im Winter 2013/2014 starten die Lasermessungen aus der Luft. Bis Mitte 2015 sollen die neuen Geländemodelle errechnet und verfügbar gemacht werden, teilte das Institut für Seenforschung mit. Mit dem Regionalprogramm Interreg IV trägt die Europäische Union (EU) maßgeblich zur Finanzierung der Gesamtkosten in Höhe von rund 612 000 Euro bei.

Projekt „Tiefenschärfe – Hochauflösende Vermessung Bodensee“

„Tiefenschärfe – Hochauflösende Vermessung Bodensee“ ist ein Forschungsprojekt der Internationalen Gewässerschutzkommission Bodensee (IGKB). Koordiniert, umgesetzt und wissenschaftlich begleitet wird es durch das Institut für Seenforschung Langenargen (ISF). Projektpartner sind die Vermessungsverwaltungen der umliegenden Länder.

Das Regionalprogramm Interreg IV der Europäischen Union (EU) finanziert das Vorhaben mit 226 440 Euro. Die restlichen Kosten vom Gesamtbetrag von rund 612 000 Euro tragen die umliegenden Länder.
(rac)

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