Langenargen Bildinstallationen von Diether F. Domes im Kunstpark am See

Langenargen zeigt bis Oktober im Kunstpark am See acht großformatige Bildinstallationen von Diether F. Domes. Der Künstler war im Oktober 2016 im Alter von 77 Jahren verstorben.

"Bei so einem Wetter habe ich noch nie versucht, Kunst nahe zu bringen", sagt Ulrike Niederhofer. Und doch hätte es schlimmer kommen können. Die Schirme können während ihrer einstündigen Einführung in die Open-Air-Ausstellung zu Ehren von Diether F. Domes geschlossen bleiben. Tapfer stapfen über 50 Kunstinteressierte am Freitagabend in Regenjacken durch Pfützen und die nasse Wiese. Der Künstler hätte seine Freude gehabt, holte er doch seine Inspiration hauptsächlich aus der Natur und war ihr eng verbunden. "Ich benutze eigentlich die Natur", gestand Domes einmal. "Es geht ihm nicht um metaphysische Dinge", sagt Niederhofer.

Domes, der in Karlsruhe Kunst studiert hatte und 1967 an den Bodensee zog, fühlte sich der Landschaft verbunden und übersetzte sie in Linie, Fläche, Farben, Struktur, Muster und Licht. "Domes war Meister darin, diese gestalterischen Elemente harmonisch zusammenzubringen", sagt Niederhofer. Da gleicht die nach rechts wehende Fahne des 1996 entstandenen "Kavalierboot" die nach links geneigte Fahnenstange aus und schafft gleichzeitig Dynamik und Bewegung im Segelboot auf dem grün-blauen See. "Linie als Voraussetzung des Sehens, der Erkenntnis, des Ordnens", beschrieb einst der Meister die Funktion seines auffälligsten gestalterischen Elements.

Doch nicht immer verwies er es in Grenzen. So mäandern die Struktur gebenden Linien der Wellen im Sand in die Unendlichkeit. "Linie ist ein Erlebnis, ein Reiz zum Weitermachen, unendlich weiterführend ohne Anfang und Ende", sagte Domes. Und so möchte man den "Darßsteg", den er 2011 schuf, bis zum Horizont weitergehen, sich den fliegenden Sand und die salzig-würzige Luft um die Nase wehen lassen.

Wie verarbeitet man die sich ständig unter dem Einfluss der Elemente verändernden visuellen Eindrücke in der Natur? "Domes hatte immer viele Eindrücke im Kopf", glaubt Niederhofer. Ihm gelang es, die vielen Bilder der Wandelbarkeit zu verdichten und aufs Papier zu bringen. "Das ist es, was wir unter Kunst verstehen", sagt Niederhofer, "alles andere kann die Fotografie viel besser." Nichts symbolisiert dabei treffender den begrenzten Ausschnitt der Realität in der menschlichen Wahrnehmung als das Fenster. Und wieder treffen wir auf sein bevorzugtes Element. "Linie teilt ein, staffelt, strafft und gibt Hinweise zum Sehen", sagte Domes. "Nachbarins Sommerfenster" wird von einem rechten Winkel dominiert, der das rosarote Faltrollo und die Zacken-Schabracke zu bändigen versucht, während sich die grüne Gardine dem Diktat widersetzt, wie ein Pfeil die Grenze überschreitet und zum Fenster hinaus tritt.

"Linie, Schwebe zwischen zwei Punkten", definierte er einst. Sein Glasfenster, das er für die evangelische Friedenskirche schuf und dem in Langenargen gebürtigen humanistischen Freigeist und späteren Reformator Urbanus Rhegius widmete, bündelt die vielen möglichen Wege zu Anfang der menschlichen Existenz, um sie wie eine Autobahn nach oben zu führen. Diether F. Domes war ein gläubiger Mensch und habe, so die Kunsthistorikerin, immer versucht, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Unter Einbeziehung der Architektur und der Lichtverhältnisse entstand so 2014 eine hinterleuchtete Altarwand für die St.-Mauritius-Kirche bei Zürich. In leuchtenden Farben lodert das Feuer des Heiligen Geistes dem Himmel entgegen. Diether F. Domes, ein ewig Suchender, starb 77-jährig im Oktober des vergangenen Jahres. "Linie", sagte er, "zeigt Wege auf, die nie enden."

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