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13.09.2012  |  von Walter Rundel  |  0 Kommentare

Langenargen Ängste nach Messerattacke

Langenargen -  Ehemaliger Fluglotse wegen versuchten Mordes an Ehefrau vor Gericht. Der alkoholsüchtige Angeklagte soll schon 2010 gewalttätig gewesen sein.
Richterhammer

Das Gericht will unter anderem erörtern, ob sich die Inhaberin des Studios, die Eltern oder alle gemeinsam strafbar gemacht haben. Foto: Uli Deck/Archiv  Bild: Foto: dpa

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Es ist ein bewegender Moment im Saal 1 des Ravensburger Landgerichts: Als Jürgen Hutterer, der Vorsitzende Richter der 1. Schwurgerichtskammer, die Frau fragt, wie sie sich jetzt fühle, antwortet die mit einem tiefen Seufzer und „Oh je...“. Es geht um die Folgen des lebensbedrohlichen Messerstichs in die Brust, beigebracht vom eigenen Ehemann am 11. Februar in der Wohnung in Langenargen. Zu den Narbenschmerzen kämen die Ängste, die psychotherapeutische Hilfe notwendig machten, sagt sie. Und, ja, sie habe die Scheidung eingereicht.

Der wegen versuchten Mordes angeklagte ehemalige Fluglotse sitzt gestern rund zehn Meter von seiner Ehefrau entfernt und fixiert sie auffallend. Aber die vermeidet jeden direkten Blickkontakt, erzählt sachlich und äußerlich ohne Emotion von der zunächst lange Zeit guten Beziehung, den drei gemeinsamen Kindern und dem später beginnenden Alkoholproblem ihres Mannes. Mehrfach habe sie ihn darauf angesprochen, „wegen der Kinder“ jedoch alles weggesteckt.

Aber dann die erste gewalttätige Attacke 2010: Morgens sei ihr Mann plötzlich hinter ihr im Badezimmer gestanden, habe ihr ein langes Kuchenmesser an den Hals gehalten und gedroht, er werde sie jetzt beide umbringen. Bei der Attacke sei ihr Rollkragenpulli zerschnitten worden und sie habe Verletzungen an den Händen erlitten. Von da an lebte sie in Angst, „schön war das nicht mehr“. Auch die Hoffnung auf dreimaligen Alkoholentzug im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Weissenau und einer Spezialklinik erfüllte sich nicht. Immer wieder wurde der Mann rückfällig. Nach eigenen Aussagen will er jahrelang täglich zwischen ein und drei Liter Wein getrunken haben.

Wie er da seinen Dienst im Flughafen-Tower erfüllte, sprach Richter Hutterer mit skeptischem Unterton an: „Fluglotse und Alkohol – so richtig passt das ja nicht ...“ Bekannt wurde gestern, dass der offenkundig alkholsüchtige Mann zwei Abmahnungen erhalten hatte und bis zu seinem Rentenbeginn im Frühjahr krank geschrieben war.

Am Abend vor der Tat im Februar hatte die Ehefrau ihren Mann schlafend mit einer Gummipuppe im Bett entdeckt. Ihm sei es doch nur um Nähe und Wärme gegangen, verteidigte sich der Angeklagte gestern. Am nächsten Mittag stellte ihn seine Frau vor die Alternative: „Entweder du ziehst aus oder ich.“ Der Angriff mit dem Messer sei dann unvermittelt gekommen. „Ich bring dich jetzt um“, soll er gesagt und ihr das Küchenmesser mit großer Wucht in die Brust gestoßen haben. Die Frau zog das Messer selbst aus der Wunde, flüchtete zu einer Nachbarin und kam auf die Intensivstation der Oberschwabenklinik Ravensburg. Als das Tatmesser gestern als Beweismittel vorgelegt werden soll, bittet die Frau darum, auf den Anblick verzichten zu dürfen. Dann verlässt sie den Gerichtssaal. Der Ehemann auf der Anklagebank winkt ihr unsicher lächelnd zu.

Ein Urteil wird für den kommenden Mittwoch erwartet.

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