Kressbronn Sankt Michael als Namensvetter an der Hausfassade

Josef-Michael Gerhardt wollte selbst etwas Kunstgeschichtliches schaffen, als er sein Haus in Kressbronn plante. Er malte Sankt Michael als Namensvetter an die Fassade. Das erzählt Christa Gerhardt im Rahmen der Serie "Wenn Häuser reden könnten".

Schon beim Hausbau 1958 in Kressbronn plante Josef-Michael Gerhardt eine große freie Fläche an der Stirnseite ein, die er mit einem eigenen Kunstwerk verzieren wollte. Als Zuwanderer war der junge Gerhardt an den Bodensee gekommen. Eigentlich wollte er nach der Schule Kunstgeschichte studieren, doch das blieb in der Nachkriegszeit ein Traum. Er war froh, eine Lehrstelle bei einem Maler zu bekommen und Geld zu verdienen. Sechs Jahre später legte er die Meisterprüfung ab, machte sich selbstständig, heiratete, gründete ein Geschäft und baute für seine Familie ein Haus.

Kunstgeschichte, historische Bauten und Kirchen wurden zum Hobby, ebenso das Restaurieren alter Möbel. Angelehnt an Traditionen bei Palästen und Schlössern, bekam sein Haus einen gelben Putz. Dass sein Schwiegervater genau wie er einen Michael im Namen hatte, betrachtete er als gutes Omen, weshalb auch sein Sohn ein Michael wurde. So kam Josef-Michael Gerhardt wohl auch auf die Idee, Sankt Michael am Haus zu verewigen.

Sankt Michael ein Kämpfer gegen große Widerstände, die man früher durch Drachen oder andere Ungeheuer versinnbildlichte.
Sankt Michael ein Kämpfer gegen große Widerstände, die man früher durch Drachen oder andere Ungeheuer versinnbildlichte. | Bild: Kerstin Hahn
Christa Gerhardt, die viel im Geschäft mithalf, aber inzwischen Rentnerin ist, erzählt: "Was das Motiv anging, habe ich ihm freie Hand gelassen. Die Idee, einmal selbst etwas Kunstgeschichtliches zu gestalten, war bei ihm hartnäckiger Wunsch und Wille, natürlich nur für unser eigenes Haus. Er hat Bücher studiert, Schablonen entworfen, das Bild mit Nadeln in den Putz gestupft und dann die größeren Flächen drum herum ausgekratzt. Am Ende baute er sogar ein Kupferdächle als Wetterschutz dazu."

Es ging ihm gar nicht so um den kirchlichen Aspekt. Die drei Michaels in der Familie und St. Michael passten für ihn einfach zusammen, wie Christa Gerhardt erzählt. Vielleicht sah er aber doch irgendwie Parallelen zwischen sich und dem Heiligen, der ein Beschützer und vor allem ein Kämpfer für Gerechtigkeit war. Konkret hat man darüber nie gesprochen, auch nicht, als das Haus 2002 gestrichen und das Fassadenbild noch einmal restauriert wurde. Aber dass Malermeister Gerhardt als Zuwanderer hart arbeitete und kämpfte, um hier Fuß zu fassen und um sich und seiner Familie, zu der auch zwei Töchter und inzwischen Enkel gehören, ein gutes Leben zu ermöglichen, daran zweifelt in der Familie niemand.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Spannende Reiselektüre vom Bodensee und Schwarzwald
Neu aus diesem Ressort
Kressbronn
Kressbronn
Kressbronn
Kressbronn
Kressbronn
Kressbronn
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren