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Kressbronn 25-Jähriger gesteht Brandstiftungen in Gemeinschaftsunterkunft in Kressbronn

Wegen zweifacher Brandstiftung in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Kressbronn steht ein 25-Jähriger vor Gericht. Er hat die Taten zugegeben. Sein Tatmotiv soll Frust unter anderem über die Ablehnung seines Asylantrags gewesen sein.

Vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Ravensburg hat am Montag der Prozess gegen einen 25-jährigen Asylbewerber begonnen, dem zweifache schwere Brandstiftung am 5. Oktober 2016 in der Gemeinschaftsunterkunft in der Argenstraße in Kressbronn vorgeworfen wird. Genau genommen soll er am Abend jenes Tages drei Mal versucht haben, Feuer zu legen: zunächst im Erdgeschoss im Bereich der Tür zum Zimmer des Sozialarbeiters, dann an der Toilette und kurz darauf am Waschraum im Obergeschoss. Zu diesem Zeitpunkt waren 20 bis 25 Menschen in dem Gebäude. Alle Feuer wurden von Mitbewohnern gelöscht. Der Schaden beträgt etwa 1000 Euro.

Der junge Mann ist Sohn eines Fischers und arbeitete auch selber, nach elf Jahren Schule ohne Abschluss, in diesem Gewerbe. Im März 2015 beschloss er, sein Land zu verlassen, und kam nach Spanien. Hintergrund ist nach seinen Erklärungen wohl Alkohol- und Haschkonsum, was zu Auseinandersetzungen mit seiner Familie führte. Außerdem sei er finanziell von der Familie abhängig gewesen. In Spanien wurde der Asylantrag des Mannes nach 15 Tagen abgelehnt. Über Frankreich kam er im Mai 2015 nach Deutschland.

Seit März 2016 in Kressbronn

Nach verschiedenen Stationen kam er zunächst im Bodenseekreis nach Salem, von wo er im März 2016 nach Kressbronn „strafverlegt“ wurde, wie ein als Zeuge geladener Sozialarbeiter erklärte. Warum dies so war, wusste der Zeuge nicht. Vielleicht hatte es damit zu tun, dass der Angeklagte inzwischen knapp über zehn Eintragungen ins Zentralregister gesammelt hatte, wegen Diebstählen und Leistungserschleichungen. Angeblich hat er nach islamischen Recht eine in Friedrichshafen lebende Frau geheiratet und hat ein Kind mit ihr. Kontakt zu Frau und Kind hat er nicht.

Er scheint ein Alkohol- und Tablettenproblem zu haben, wie bei der Verhandlung deutlich wurde. Sein Asylantrag in Deutschland ist rechtskräftig abgelehnt. Ihm wurde im September 2016 mitgeteilt, dass er Deutschland innerhalb eines Monats zu verlassen hat oder abgeschoben wird. Möglicherweise war das ein Grund für die Brandstiftung. Ein weiterer war wohl, dass seiner gewünschten Verlegung nicht zugestimmt wurde. Er wollte nicht mit Syrern unter einem Dach leben, berichtete der Sozialarbeiter.

Den Vormittag verbrachte die Strafkammer mit der Befragung des Angeklagten. Dieser wies zunächst jede Beteiligung am Brand im Erdgeschoss zurück, schien aber die Brände im Obergeschoss zugeben zu wollen. Plötzlich erklärte er dann, er habe auch mit diesen Bränden nichts zu tun. Der Vorsitzende Richter Stefan Maier erklärte, er sei von dieser Version angesichts der Aktenlage und der kommenden Zeugen nicht überzeugt. „Ich werde Ihnen die Wahrheit sagen“, kam zurück. „Ja, wann?“, fragte Maier nach fast eineinhalb Stunden Verhandlung.

Geständnis über den Verteidiger

Er gab dem 25-Jährigen 15 Minuten zum Gespräch mit seinem Verteidiger. Richard Glaubach erklärte anschließend: „Er hat mich gebeten, die Taten aus der Anklage für ihn zuzugeben.“ Anschließend stellte der Angeklagte aber den Zeugen Fragen, die darauf abzielten, dass er nicht der Täter ist.

Von denen beeilten sich gleich drei zu erklären: „Er ist eine sehr nette Person. Er ist sehr beliebt.“ Ein anderer berichtete, dass er gesehen habe, wie der Angeklagte Papier angezündet und unter die Toilettentür geschoben habe. Ein weiterer Zeuge erzählte, er habe gesehen, wie der Angeklagte den Waschraum von innen blockierte, weil er verhindern wollte, dass die Mitbewohner hineinkommen, wo etwas brannte. Dieser Zeuge meinte auch: „Ich habe ein bisschen Angst, ihn zu identifizieren.“ Er selbst sei auch weggezogen: „Ich habe Angst, in diesem Wohnheim zu wohnen.“

Ein Zeuge widersprach seinen Aussagen bei der Polizei, bei der er erklärt haben soll, der Angeklagte stehle und habe gestohlene Dinge im Zimmer. Das habe er nie gesagt: „Bringen Sie mir einen Koran und ich werde meine Hand darauf legen und schwören.“ „Nein, das machen wir hier nicht“, entgegnete Maier. Schließlich bat dieser Zeuge unter Tränen, man möge berücksichtigen, dass der Angeklagte krank sei.

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