Immenstaad Raumfahrtunternehmen Spacetech auf Erweiterungskurs

Die weltweit aktive Firma vergrößert ihr Betriebsgelände im Immenstaader Ortsteil Kippenhausen. Um die Erweiterung zu ermöglichen, wurde das ehemalige Gelände des Unternehmens Publiplast gekauft.

Unmittelbar neben dem Firmengelände im Ortsteil Kippenhausen hat das Raumfahrtunternehmen Spacetech das frühere Werksgelände von Publiplast erworben. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER sprach Wolfgang Pitz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied, über die Pläne des Unternehmens für das Gelände, Besonderheiten des Hightech-Unternehmens und einige der aktuellen Projekte.

Vor seinem Wechsel zu Spacetech im Juli 2015 war Pitz 27 Jahre im Raumfahrtbereich bei Dornier, EADS Astrium und Airbus tätig. Dort habe er sehr gerne gearbeitet, aber er fühle sich auch bei Spacetech mit seiner schlanken und dynamischen Größe sehr wohl, sagt er. Die Unternehmen kämen sich nicht in die Quere, sondern es gebe oft eine enge Zusammenarbeit. Mit 85, größtenteils sehr hoch qualifizierten Mitarbeitern aus 13 Nationen ist Spacetech international aufgestellt. "Wir sind eine junge Truppe mit einem Durchschnittsalter von weniger als 40 Jahren", erklärt Pitz, "Es ist sehr schwierig, Leute mit der Ausbildung zu bekommen, die wir brauchen, aber wir wurden in ganz Europa und auch darüber hinaus fündig". Um solche Mitarbeiter zu halten, wird diesen auch etwas geboten: Zum Spacetech-Personal gehören zwei Köche, die die Mitarbeiter in der hauseigenen Kantine bekochen – für die Beschäftigten kostenfrei. Gemeinsame Unternehmungen, bei denen auch die Familien der Mitarbeiter einbezogen werden, tragen ebenfalls zu einem guten Betriebsklima bei.

Der Vorstand von Spacetech beteht aus (v.l.) Bernhard DOll, Wolfgang Pitz und Frank Gilles. Bild: Gisela Keller
Der Vorstand von Spacetech beteht aus (v.l.) Bernhard DOll, Wolfgang Pitz und Frank Gilles. Bild: Gisela Keller

Dass es bei der Arbeit in einem Hightech-Unternehmen auch lustig zugehen kann, beweist ein Foto des stolzen Teams mit der fertiggestellten Antenne für das Icarus-Projekt. Sie wird kommende Woche zum Weltraumbahnhof Baikonur transportiert und von dort bald weiter zur internationalen Raumstation ISS. Die Antenne soll die Signale winziger Sender empfangen, die von Vögeln getragen werden. Das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell soll Wissenschaftlern unter anderem ermöglichen, Vogelbewegungen zu verfolgen und auszuwerten.

Großes Knowhow besitzt Spacetech in der Lasertechnologie. So liefert Spacetech wesentliche Teile eines Instrumentes, das Teil eines von Airbus für die Nasa gebauten Satellitenpaares zur Vermessung des Gravitationsfeldes der Erde ist. Es misst den Abstand der etwa 150 Kilometer voneinander entfernten Satelliten auf wenige Nanometer genau. Wozu? "Es gibt je nach Stärke der Gravitation minimale Änderungen in der Flugbahn", erklärt Pitz, "So können sogar Änderungen des Grundwasserspiegels festgestellt werden". Lasertechnologie von Spacetech kommt bei mehreren weiteren Weltraum-Projekten zum Einsatz.

Die neu erworbenen Hallen von Publiplast werden teilweise bereits von der Spacetech-Tochter Carbo-Spacetech genutzt. Unter anderem werden dort Solargeneratoren hergestellt, deren Träger aus Aluminiumwaben und Carbonplatten bestehen. Die Panels müssen im Weltraum jahrelang enormen Temperaturunterschieden standhalten. Bei Tests werden sie in mehreren tausend Zyklen von einer Maschine abwechselnd mit flüssigem Stickstoff auf bis zu 190 Grad minus gekühlt und anschließend stark erhitzt. Dafür werden Stickstofftanks benötigt, die Spacetech bald vor den neu erworbenen Gebäuden aufstellen möchte. Mittelfristig sei geplant, die Gebäude durch Neubauten zu ersetzen, das habe jedoch keine Eile, sagt Pitz, denn noch reiche der Platz in den Büros. Pläne für die Neubauten gibt es aber trotzdem schon: Sie sehen etwa 40 Büros, dazu Labors und Reinräume für das erfolgreiche Unternehmen vor.

Start in Gärtnerei

Das Raumfahrtunternehmen Spacetech wurde 2004 von Bernhard Doll und Jost Munder gegründet, anfangs als Zwei-Mann-Firma in einer ehemaligen Gärtnerei. 2008 wurde das erste, neu gebaute Firmengebäude in Kippenhausen bezogen, 2014 folgte ein weiteres. Das vor kurzem erworbene zusätzliche Gelände ist etwa 5500 Quadratmeter groß. Zum Spacetech-Vorstand gehören heute Wolfgang Pitz (im Bild in der Mitte) als geschäftsführendes Mitglied, außerdem Gründer Bernhard Doll (li) und Finanzvorstand Frank Gilles. Alle Vorstandsmitglieder sind Mitbesitzer des größten unter den unabhängigen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Raumfahrtgeschäft. Das Unternehmen hat derzeit 85 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt bei etwa 15 Millionen Euro. (gik)

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