Jeden Morgen machen sich Dagmar und Erwin Stoop noch vor dem Frühstück auf zum Kirchberger Wald. Ihr Weg führt sie entlang des Seeufers vorbei am Wasserwerk und dem dort angelegten Kneipp-Becken. Schon mehrmals mussten die rüstigen Rentner aus Immenstaad hier ihren Frühsport unterbrechen und Erste Hilfe leisten. Dagmar Stoop fischte mit ihrem Nordic-Walking-Stock kleine Krabbler oder auch Frösche aus dem Nass, die vergeblich versuchten, den hohen Rand des Bassins zu überwinden, nachdem sie ins etwa 30 Zentimeter tiefe Wasser des Beckens gefallen waren. Doch nicht immer kamen sie rechtzeitig. Zweimal fanden sie kleine Nager, groß wie Eichhörnchen im Becken, nun am Sonntag einen Igel.
„Todesfalle für Tiere im Immenstaader Kneipp-Becken. Heute 3. Juni zum Beispiel ein ausgewachsener Igel. Es gibt keine Ausstiegshilfe für die armen Tiere, nur Ertrinken!“, schrieb Dagmar Stoop daraufhin eine E-Mail von ihrem iPad an die SÜDKURIER-Redaktion. Täglich, so berichteten die beiden dem SÜDKURIER, käme morgens ein Mitarbeiter der Gemeinde, der die Papierkörbe leere und auch das Becken reinige. Doch der habe das wohl nicht gemeldet.
Bürgermeister Jürgen Beisswenger zeigte sich im Gespräch mit dem SÜDKURIER nicht informiert. Er höre erstmalig von den Vorfällen. „Wenn das so ist, gibt es zwei Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen“, meinte er. Entweder das Becken wird mit einem kleinen Zaun umgeben, der die erdgebundenen Tiere vor dem Becken schützt, oder es muss eine Ausstiegshilfe gebaut werden.“ Man habe eine Biologin im Gemeinderat, mit ihr werde er über das Thema sprechen.
Gerhard Knötzsch, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) von Friedrichshafen-Tettnang, gab einen einfachen Tipp: „Es hilft, falls es nicht zu tief ist, ein Brett, auf das Leisten genagelt werden.“ Dadurch kämen die Tiere nicht nur aus dem Wasser, sondern auch aus Kellerschächten heraus.
