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Heiligenberg Kaspar Hauser aus künstlerischer Sicht: Alfons Röllinger zeigt Skulpturen beim Sennhof

Zwei besondere Ausstellungen in Heiligenberg: Alfons Röllinger zeigt Skulpturen beim Sennhof und Greg Tricker stellt seine Bilder in der Galerie Ariadne und Sparkasse aus

Auch nach mehr als 180 Jahren nach Kaspar Hausers Tod ist dessen Mythos lebendig geblieben. War das Findelkind Hauser eigentlich ein Sprössling und legitimer Erbe der badischen Großherzöge?

Diese Frage beschäftigt Menschen noch immer und nicht wenige davon gehen von dieser Theorie aus. Rund 2000 bisher veröffentlichte Bücher plus mehr als 15 000 geschriebene Pamphlete zur Causa Kaspar Hauser haben den Schleier um diesen Kriminalfall nicht lüften können. Von Kaspar Hausers erstem bis letzten Atemzug, seine Geschichte ist nebulös und bleibt es wahrscheinlich auch. Selbst mehrere Genanalysen, die heutzutage eigentlich als völlig sichere Nachweisverfahren zur Beantwortung der Frage einer Identität gelten, lieferten widersprüchliche Aussagen statt Klarheit.

Unstrittig ist das scheußliche, doppelte Verbrechen an diesem Menschen, als da sind das Martyrium einer Einzelhaft im Kindesalter und damit die erzwungene Verhinderung einer normalen Entwicklung im Kindesalter. Seine Schwächen geistiger und körperlicher Art kann man im Resultat durchaus als eine künstlich herbeigeführte Behinderung ansehen. Später dann der Mord am jungen Kaspar Hauser, wenn es denn einer war, denn es gibt auch Stimmen, die von einer möglichen Selbstverletzung Hausers ausgehen.

Wer sich zur Meinungsbildung mit Kaspar Hauser und insbesondere mit der sogenannten Erbprinzentheorie ernsthaft auseinandersetzen will, muss angesichts der Fülle an Literatur und geäußerten Meinungen sehr viel Zeit mitbringen. Interessant ist da ein anderer Aspekt: die Auseinandersetzung mit Kaspar Hauser aus dem Blickwinkel der bildenden Künste. Völlig unabhängig voneinander bietet Heiligenberg derzeit die Möglichkeit, die Arbeiten zweier Künstler zum Thema Kaspar Hauser zu betrachten.

Schon seit etlichen Wochen ist vor dem Westgiebel des Bürgerhauses Sennhof am Schloss das eindrucksvolle, menschengroße Skulpturenensemble "Kaspar Hauser und sein Mörder" des Künstlers Alfons Röllinger zu sehen. Röllingers Skulpturenensemble ist, da im Außenbereich, jederzeit zu sehen. Kennzeichnend für Röllingers Skulpturen ist, dass nichts aufgesetzt, sondern alles aus dem Baumstamm geschnitten ist. Es gibt von ihm noch eine weitere lebensgroße Skulptur "Kaspar Hauser mir Pferd", die derzeit aber nicht zugänglich ist. Alfons Röllinger zeichnet seit seiner Kindheit. Nach einer Ausbildung nutzte Röllinger den zweiten Bildungsweg, um im Anschluss daran zehn Jahre lang in Hessen als Sozialpädagoge zu arbeiten. 1979 erfüllte er sich seinen Lebenstraum, zog in seine Wahlheimat Ruschweiler und gründete dort zusammen mit seiner Frau Muriel Coletti das Atelier Ruschweiler. Als freischaffender Künstler kamen zum Zeichnen irgendwann Malerei, Holzschnitte, Farbschnitte und vor circa 15 Jahren die ersten Skulpturen hinzu.

Purer Zufall ist, dass in Heiligenberg erst kürzlich eine bemerkenswerte Ausstellung des britischen Künstlers Greg Tricker mit dem Titel "Kaspar Hauser" eröffnet wurde. Der großen Anzahl der ausgestellten Objekte ist es geschuldet, dass sich Trickers Exponate in Heiligenberg auf die Kleine Galerie Ariadne, Pfullendorfer Straße 7, sowie auf den Schalterraum der Sparkasse Salem-Heiligenberg, Fürstenbergstraße 9, aufteilen. Trickers Bilder und Skulpturen spiegeln Szenen aus dem überlieferten Leben des "Kind Europas", wie Kaspar Hauser auch oft genannt wird, wieder. Der gebürtige Londoner malte schon als Jugendlicher gerne und verehrte Maler wie van Gogh und Gaugin, deren Einflüsse in Trickers Arbeiten erkennbar sind. Durch intensives Studium erlebte er die seelische Qualität der Farben und entwickelte schließlich seinen eigenen Stil tief verwurzelt in der mystischen Tradition der modernen, britischen Kunst.

Trickers Bilder und Skulpturen sind in der Sparkasse Heiligenberg zu den Schalteröffnungszeiten sowie in der Galerie Ariadne donnerstags von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Weitere Öffnungszeiten in der Galerie Ariadne sind nach telefonischer Absprache mit Gerlinde Kriese, Telefonnummer 0 75 54/89 01, möglich.

Zur Person

Kaspar Hauser wurde angeblich am 30. April 1812 geboren. Als circa 16-Jähriger tauchte er am 26. Mai 1828 in Nürnberg als anscheinend geistig zurückgebliebener und wenig redender Jugendlicher auf. Gemäß einer viel geglaubten und viel bezweifelten Erzählung des Bürgermeisters Jakob Friedrich Binder sei Hauser in halbliegender Haltung in einem fast lichtlosen Raum gefangen gehalten worden. Am 14. Dezember 1833 kam Hauser mit einer tödlichen Stichwunde nach Hause. Er starb drei Tage später an den Folgen dieser Verletzung.

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