Heiligenberg Hier wachsen Bäume in den Himmel
Försterin Simone Hornstein, die den Friedwald Heiligenberg im Bodenseekreis betreut, zeigt einen „Musterbaum“ für eine Urnenbestattung. Bild: Floetemeyer
„Das war ihm wichtig“, erinnert sich Simone Hornstein an diese Beisetzung. In den letzten vier Jahren erlebte die Försterin, die für den Forstbetrieb Fürst zu Fürstenberg den Friedwald mit zwei Kollegen betreut, „so viele Begegnungen, aber es wiederholt sich keine.“
Tatsächlich wird die Naturbestattung, die Hinterbliebene ganz unterschiedlich gestalten, immer beliebter. Im vergangenen Jahr gab es im Friedwald Heiligenberg 238 Beisetzungen, so viele wie noch nie seit seiner Eröffnung im Mai 2007. Bisher fanden dort bereits rund 850 Tote ihre letzte Ruhestätte. Insgesamt haben sich bis dato rund 3800 Menschen entschieden, dort einmal ihre Asche begraben zu lassen.
Rund 20 Hektar umfasst der von Buchen, Eschen und Douglasien geprägte „Amalienhain“ – und bereits 2015 könnte er wegen seiner wachsenden Beliebtheit an seine Grenzen stoßen, berichtet Heiligenbergs Bürgermeister Frank Amann. Die Fürstenfamilie plant deshalb eine Erweiterung um rund 36 Hektar. Der Gemeinderat hat diesem Ansinnen im Herbst 2010 geschlossen zugestimmt. Das Ziel sei, so Amann, das neue Gebiet „Elisenruhe“ im Spätherbst 2012 seiner Bestimmung zu übergeben.
Der Bürgermeister steht seit jeher voll und ganz hinter dem Friedwald: „Das war eine hervorragende Entscheidung für Heiligenberg.“ Der Friedwald sei keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zum kommunalen Friedhof. Allerdings, schätzt Amann, stammten „unter zwei Prozent“ der Bestatteten aus der 2800-Einwohner-Gemeinde. Von Bestattungstourismus will er aber nichts wissen. „Ich sehe es eher als Imagegewinn.“ Demnach gehört Heiligenberg unter den Friedwäldern zu den „Top Fünf“, was die Umsatzzahlen angehe. Davon profitiert auch die Gemeinde, die jährlich eine Provision von drei Prozent des Nettoumsatzes erhalte, rund 22 000 Euro waren das im vergangenen Jahr.
Der wachsende Trend zu Friedwald-Bestattungen sei zwar deutschlandweit zu beobachten, sagt Corinna Brod, Pressesprecherin der Friedwald GmbH. Doch Heiligenberg gehöre in der Tat zu den beliebtesten, bestätigt sie, ohne genaue Vergleichszahlen zu nennen. Das habe sicher etwas damit zu tun, dass Heiligenberg der erste in der Region gewesen sei. „Aber die Lage ist auch sehr reizvoll.“ So wirbt das Unternehmen im Internet mit der Überschrift: „Der einzige mit Alpenblick.“ Försterin Hornstein nennt ebenso die Nähe zur Gemeinde Heiligenberg und deren Infrastruktur als Gründe, aber auch den „Seeblick und die Schönheit und Vielfalt des Waldes“. Ihren Erfahrungen nach sucht sich etwa die Hälfte der Menschen, die später im Friedwald bestattet werden wollen, „ihren“ Baum selbst aus. Dabei spiele die Art weniger eine Rolle als vielmehr die Individualität. „Manche sagen: Mein Leben ist nicht immer gerade verlaufen, also will ich auch keinen geraden Baum.“ Forstwirtschaftliche Kriterien spielten keine Rolle, ob sich ein Areal für einen Friedwald eigne. Es müsse gut erreichbar und begehbar sein und langlebige Bäume aufweisen. Denn der Vertrag zwischen der Friedwald GmbH und dem Waldbesitzer läuft 99 Jahre lang. Bis zu 99 Jahre ab der Walderöffnung können Interessierte auch Ruhestätten belegen, für eine oder mehrere Personen.
Zwei Ursachen sieht Hornstein, warum diese Art der Bestattung boomt. Zum einen falle natürlich keine Grabpflege an, zum andern spürten viele Menschen eine starke Naturverbundenheit. Jana Maurer von der Friedwald GmbH betont jedoch, diese nehme Abstand vom Naturheidentum. Mit Letzterem hatten manche Kirchenvertreter diese alternative Form des Begräbnisses anfangs assoziiert. Etwa die Hälfte der Friedwald-Bestattungen findet laut Brod nach christlichen Riten statt. Bei fast jedem Begräbnis aber werde das Vaterunser gesprochen.
Bürgermeister Amann rät, Familien sollten über eine Friedwald-Bestattung rechtzeitig sprechen. Man müsse sich etwa klar darüber sein, dass Grabschmuck unmöglich sei. Eine Namensplakette kann man hingegen auf Wunsch anbringen lassen. Schön findet Amann: „Man kann sich seine spätere Ruhestätte selbst aussuchen. Auf dem Friedhof geht das nicht.“
