Heiligenberg Alte Blutbuche muss gefällt werden
Heiligenberg – Gemeinderätin Gerlinde Kriese wollte den Antrag der Gemeindeverwaltung zunächst mit der Bedingung einer Nachpflanzung verbinden. Doch der erste Bürgermeisterstellvertreter Alfred Rock, der den Tagesordnungspunkt wegen Befangenheit von Bürgermeister Frank Amann leitete, wollte die Formulierung ungern ändern. So zog Kriese ihren Antrag zurück.
Amann hatte sich vom Ratstisch entfernt, weil er meinte, man könne ihm unterstellen, durch die Fällung der Buche freie Sicht auf den See erlangen zu wollen. Die Buche steht, getrennt durch die Straße, quasi vor seinem Balkon. Marcus Pietruschinski vom Baumpflegeteam Bodensee aus Überlingen hatte den Räten vor der Entscheidung das Gutachten der Baumuntersuchung erläutert. Mit der Messmethode der Schalltomografie konnte man feststellen, wie weit der Stamm von innen befallen ist. Durch faule Stellen gehe der Schall nicht durch, sondern mache einen Umweg, erklärte Pietruschinski. Er bezeichnete den Brandkrustenpilz als sehr gefährlich. Man sehe dem Baum vom außen nicht an, wie stark er von innen her befallen sei. Die Gefahr: Ein vom Pilz befallener Baum könne ganz plötzlich umfallen. Es habe schon viele Personen- und Sachschäden gegeben.
Rettungsaktionen sind bei der Blutbuche nach Ansicht des Baum-Experten nicht möglich. So könne man bei einer Buche nicht einfach die Krone kappen wie bei anderen Bäumen. „Außerdem sind auch die Wurzeln bereits stark angegriffen. Die Verkehrssicherheit ist nicht mehr gegeben“, lautete das Urteil von Marcus Pietruschinski.
Die Äußerung, dass der Pilz bei Verletzungen eines Baumes eintrete, machte Gemeinderat Jörg-Steffen Peter Sorgen. In der Nähe des Bürgerhauses „Sennhof am Schloss“ habe man zum Zeitpunkt des Ausbaus bei Bäumen Äste gekappt. Hier konnte der Baumfachmann ihn beruhigen. Maßnahmen der Astentfernung zur Verkehrssicherheit oder um Licht zu schaffen, würden in der Regel nichts ausmachen. Schlimm seien Beschädigungen am Stamm, durch die der überall in der Luft befindliche Pilz in den Baum eindringe. Dann würde auch eine Wundbehandlung nichts mehr ausrichten. Pietruschinski wies darauf hin, dass er bereits bei einem Besuch in Heiligenberg vor drei Jahren den Pilzbefall der Blutbuche erkannt und die Gemeindeverwaltung informiert habe. Die sei aber untätig geblieben. Amann gab zu, dass er in der Vergangenheit die Sache als nicht dringlich erachtet habe. Erst als bei einem Baum am Parkplatz „Sennereischläge“ unvermittelt ein großer Ast herausgebrochen sei und der Baum gefällt werden musste, sei man sich der Gefahr bewusst geworden.

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