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Hagnau Hagnauerin Maike Neuland erforscht den Weltraum

Die 32-Jährige aus Hagnau zieht nach Schweden. Ihr nächstes Projekt dreht sich um den Jupiter.

Wenn Maike Neuland über ferne Planeten erzählt, scheint es fast, als habe sie schon einmal einen Fuß auf den Jupiter gesetzt. Plastisch und verständlich erkärt sie die Beschaffenheit und Oberfläche – der größte Planet unseres Universums besteht aus Gas und hat daher keine feste Oberfläche. Bald wird sie den Planeten näher kennenlernen – auf theoretische Weise. Maike Neuland aus Hagnau ist Diplom-Physikerin und Master of Science in Space Technology and Engineering und befasst sich mit der Beschaffenheit des Universums. Was sie dabei so fasziniert, sei fast schon philosophisch. „Es geht um die Frage: Wie ist Leben entstanden?“, sagt sie.

Um der Antwort darauf ein Stückchen näher zu kommen, genügt Maike Neuland mitunter ein Massenspektrometer „so groß wie eine Halbliter-Bierdose“. Für ihre Doktorarbeit untersuchte sie damit die Probe eines Kometen. Mit dem Gerät erzeugte sie einen starken Laser und brachte das kosmische Material zum Verdunsten. Dabei setzen sich die Bestandteile ab und können untersucht werden. Damit keine Fremdkörper die Ergebnisse verfälschen, zählt beim Versuchsaufbau jedes Detail: Im Labor arbeite sie in einem Ganzkörperanzug, an der Decke sauge ein Abzug jeden Staubpartikel ab. Obwohl die Kometenprobe nur wenige Zentimeter groß war, gewann Neuland viele Daten: „Ich bin immer noch am Auswerten.“

Im Labor darf ein Ganzkörperanzug nicht fehlen, damit kein Staubkorn den Versuch stört. .
Im Labor darf ein Ganzkörperanzug nicht fehlen, damit kein Staubkorn den Versuch stört. .

Die nächste Station kündigt sich aber schon an und führt die 32-Jährige nach Kiruna. Das ist die nördlichste Stadt Schwedens und 3000 Kilometer von Hagnau entfernt. Dort wird sie für 18 Monate arbeiten und sich mit den atomaren Teilchen des Jupiters beschäftigen – im Jahr 2022 soll eine Jupiter-Mission der Europäische Weltraumorganisation ESA starten, Neuland ist daran beteiligt. Die Mission soll zeigen, warum Jupiter und Saturn so anders sind als andere Planeten: Die Gasplaneten sind die größten im Universum und von vielen Monden umgeben, unter den Eisschichten der Monde sei Wasser. Und das sei bekanntlich eine Quelle des Lebens, erklärt Neuland. Auf die Ergebnisse wird sie aber Jahre warten müssen: Die Mission soll acht Jahre unterwegs sein, ab 2030 gibt es also Neuigkeiten.

Bis dahin zählen die Vorbereitungen. Neuland sagt, was bei Raumfahrt-Instrumenten wichtig ist: „Möglichst klein, möglichst nichts wiegen, möglichst keine Energie verbrauchen und möglichst günstig“ sollen sie sein. Der Jupiter sei außerdem weit von der Sonne entfernt, Solarenergie ist daher keine Option. „Das wird alles ganz im Detail geplant.“

Natürlich gebe es auch Tiefschläge. Im Oktober landete etwa eine Sonde der ESA auf dem Mars, aber kurz nach dem Aufsetzen brach die Verbindung ab. Sie habe die Kamera der Sonde noch an ihrem Institut in Bern gesehen, sagt Neuland. Sie finde es aber vielmehr faszinierend, was bereits funktioniert hat. Dieses freie Forschen sei für sie der große Vorteil vom wissenschaftlichen Arbeiten. Einziger Nachteil: Die Finanzierung. Während in anderen Forschungsfeldern wie der Medizin häufig ein klarer Nutzen erkennbar ist, sei es in der Raumfahrt teils schwer, einen Bezug zu vermitteln. Man dürfe aber nicht vergessen, dass die Raumfahrt das Leben aller maßgeblich prägt: In der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) wurde die erste E-Mail verschickt, ohne GPS und Handynetz ist die moderne Welt schwer vorstellbar.

Für Maike Neuland ist es eine Rückkehr nach Schweden, denn hier hat sie auch das zweite Semester ihres Masterstudiums verbracht. Sie erinnert sich noch lebhaft an ihre Ankunft im Februar bei minus 42 Grad. „Das war dann wirklich etwas Besonderes, rundrum war Schnee.“ In einer Einführungsveranstaltung sei ihnen erst einmal erklärt worden, wie man sich am besten verhält. Das habe sie aber auch rasch selbst gemerkt, als nach einem Snowboard-Ausflug ihr heißer Tee in einer Termoskanne gefroren war und sie das Vesperbrot lutschen konnte, erzählt sie mit einem Lachen. Snowboarden ist heute noch eins ihrer größten Hobbys: Nach Schweden packt sie nur eine Reisetasche, doch das Snowboard darf nicht fehlen.

Im heimischen Kinderzimmer erinnert ein Mond-Globus daran, dass Maike Neuland mit einem Interesse für Naturwissenschaften aufgewachsen ist. Bild: Isabelle Arndt
Im heimischen Kinderzimmer erinnert ein Mond-Globus daran, dass Maike Neuland mit einem Interesse für Naturwissenschaften aufgewachsen ist. Bild: Isabelle Arndt

Ihren Werdegang beschreibt Maike Neuland als nahezu vorgezeichnet: „Es gab keine Alternative, es war so klar, dass ich Physik studieren will.“ Ihr Vater ist Geophysiker und habe sie sicher unbewusst in der Begeisterung für Naturwissenschaften geprägt. Deshalb habe sie ihm auch eine Ausgabe ihrer Doktorarbeit geschenkt – und er habe sie komplett gelesen. Dass nur wenige Mädchen und Frauen sich für Naturwissenschaften interessieren, sei für sie kein Thema: „Klar musste man sich zum Beispiel im Grundstudium auch mal einen blöden Spruch anhören, aber da steht man drüber.“ Und heute habe sie überraschend viele Kolleginnen.

Auch wenn Maike Neuland dieser Tage nach Schweden aufbricht, wird sie gerne nach Hagnau zurückkehren. „Hagnau ist für unsere Familie ein Dreh- und Angelpunkt.“ Gerade zur Weihnachtszeit sei es selbstverständlich, dorthin zurückzukehren. „Dann ist es, als sei man nie weg gewesen.“

Zur Person

Maike Neuland wurde 1984 in Fulda geboren und lebt seit ihrem ersten Lebensjahr in Hagnau. 2003 schloss sie ihr Abitur am Droste-Hülshoff-Gymnasium mit der Note 1,5 ab, dann studierte sie Physik in Karlsruhe. Nach dem Grundstudium machte sie den “Master of Space Science and Technology” mit Stationen in Würzburg, dem schwedischen Kiruna und französischen Toulouse. Für ihre Masterarbeit forschte sie am Physik-Institut im Bereich Weltraumforschung und Planetologie an der Universität Bern in der Schweiz, hier schloss sie im Juni 2016 ihre Doktorarbeit ab. Derzeit beginnt sie ihre Forschungsarbeit in Kiruna, unterstützt vom Schweizer Nationalfonds. Für ihre Arbeit erhielt sie bereits mehrere Preise. Ihre Freizeit verbringt Neuland am Klavier oder auf dem Snowboard. (isa)

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