An der unsicher-erschrockenen Körpersprache der Verkäuferin erkannte ich sehr schnell: Der Mann war unerwünscht, galt wohl, überspitzt ausgedrückt, als „persona non grata“.
Unerwartete Gegebenheiten stellen schnell Gedankenverbindungen zu ähnlichen Situationen her. So wurde meine geistige Schau geweitet auf Begegnungen mit Ausgegrenzten, Missachteten, Verleumdeten, Gemobbten, an den Pranger Gestellten und Ignorierten. Gleichzeitig kamen mir von uneigennütziger Güte durchdrungene Mitbürger in den Sinn, die solchen Bedauernswerten helfen. Sie sind bescheiden und unauffällig für andere da. Ein wortgewaltig geschöntes Blendwerk bezüglich ihrer „guten Taten“ ist ihnen zuwider.
Woher kommt es, dass bei uns immer mehr Personen gnadenlos seelisch verletzt werden? Im Bild: Hochmut und Macht haben in einem nie gekannten Ausmaß Samthandschuhe über ihre gefährlichen Tatzen gezogen. In raffinierter Weise setzt sich dieses unheilige Duo durch. So werden auch völlig Arglose, die im Prinzip nur das Beste für die Anderen wollen, manipulierend in diese Unheilsdynamik hineingezogen.
Immer dort, wo sich solches Unrecht im Geltungsbereich öffentlich-rechtlicher Normen abspielt, kann der Beschwerte in kürzester Zeit ins Recht gesetzt werden. Doch kann man sich immer wehren? Es gibt auch Grauzonen, in die der schützende Arm des Staates nicht direkt hineinreicht. Wer hilft da? Man könnte möglicherweise mit der Rechtstheorie „Drittwirkung der Grundrechte“ operieren. Aber wer macht davon schon Gebrauch? Der seelisch Verletzte zieht sich leise zurück, um weiteren Blessuren auszuweichen. Doch allein dabei sollte es nicht bleiben. Aus Erfahrung weiß ich: Wenn ich selbst als „persona non grata“ behandelt würde, dürfte ich diese Kränkung dem Schöpfer übergeben, der seine Geschöpfe so annimmt und bergend umschließt (nie ausschließt), dass sogar das Lied seiner Liebe in jeder Person widerhallt. Dabei würde ich eine großartige Entdeckung machen: Die größte Demütigung verwandelte sich in größtes Selbstvertrauen.
Doch eines müsste ich unbedingt beachten: Das Echoprinzip „wie du mir, so ich dir“ dürfte ich um Gottes Willen nicht in Anspruch nehmen. In diesem Falle nämlich erklärte ich mich selbst zur „persona non grata“ dem barmherzigen Vater im Himmel gegenüber, dem eine solche Verurteilung fremd ist.

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