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Homosexuelle und Kirche – ein Reizthema, das in den Kirchengemeinden immer wieder für kontroverse Diskussionen sorgt. Wir unterhielten uns mit dem evangelischen Codekan Ulrich Lange und Markus Hirlinger, Pfarrer in den katholischen Innenstadtgemeinden in Friedrichshafen.

Sind Ihnen aus Ihren Gemeinden Fälle bekannt, in denen homosexuelle Christen sich in den bestehenden Gemeindeformen nicht angenommen, womöglich sogar gemobbt fühlen und deshalb Bedarf nach eigenen Gruppierungen haben?

Lange: In den Gemeinden der Evangelischen Landeskirche in Friedrichshafen ist mir das nicht bekannt. Was nicht heißt, dass es das nicht gibt. Grundsätzlich habe ich aber von solchen Fällen gehört.

Hirlinger: In meinen Gemeinden ist mir darüber nichts bekannt.

Gibt es nach Ihrer Kenntnis in einzelnen Kirchengemeinden Friedrichshafens Ressentiments gegenüber homosexuellen Christen?

Lange: Ressentiments würde ich nicht sagen. Ich denke, es gibt Vorbehalte gegenüber Menschen, die ihre Homosexualität leben. Dabei wird dann oft auch auf Bibelstellen verwiesen.

Hirlinger: Über dieses Thema wird selten geredet, deshalb kann ich nur annehmen, dass es bei manchen gewisse Vorbehalte geben kann. Konkrete negative Äußerungen sind aber nicht bei mir angekommen.

Halten Sie aus Ihrer Sicht, eigene Gruppierungen oder auch eigene Gottesdienste für Homosexuelle für sinnvoll oder für notwendig?

Hirlinger: Es ist für mich verständlich und naheliegend, dass sich Gruppierungen mit ähnlichen Lebenssituationen und Themen treffen, und bei Bedarf auch geistliche Unterstützung erfahren können. Mit weiteren Sondergottesdiensten wäre ich in unserer differenzierten Gesellschaft dennoch etwas zurückhaltend, da Gottesdienste in ihrer Gesamtheit den Anspruch haben, alle Menschen zu erreichen. Dennoch kann es Ausnahmen geben.

Lange: Das Interesse von Menschen, mit ihrer besonderen Lebenssituation auch geistlich und gottesdienstlich „vorzukommen“, leuchtet mir ein und ich bejahe das. Andererseits möchte ich auch nicht leichtfertig den Anspruch aufgeben, dass Gottesdienste die verschiedenen „Milieus“ in einer Gemeinde zusammenbringen können sollen. Der Apostel Paulus hat den „Milieus“ in Galatien ins Stammbuch geschrieben: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ Die soziale Wirklichkeit war in der Kirchengeschichte aber oft eine andere, und das hatte Gründe.

Könnten Sie noch ein eigenes Statement zum Umgang mit Homosexuellen innerhalb der Kirche geben? Wie stehen Sie zu der oft zitierten Passage aus dem Römerbrief des Apostel Paulus (1:26-28): „Darum lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen; ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung.“?

Hirlinger: Homosexuell veranlagte Christen müssen wie andere auch verantwortungsvoll mit ihrer Sexualität und Liebe und in gegenseitiger Wertschätzung und Achtung mit einer Partnerin oder einem Partner umgehen. Ich nehme an, dass Paulus Menschen vor Augen hatte, die mit ihrer Sexualität wenig verantwortungsvoll umgegangen sind. Homosexuell veranlagte Menschen sind in unseren Gemeinden ebenso willkommen wie jeder, der mit seinen Lebensthemen aus dem Glauben Kraft und Hoffnung schöpfen möchte.

Lange: Wir sollten nicht mit homosexuellen Christen und Christinnen „umgehen“, sondern sie sollen anerkannt in der Mitte unserer Gemeinden leben können. Ich möchte auch, dass Homosexuelle Pfarrerinnen und Pfarrer sein können, wo die Gemeinden das mittragen, und solche Gemeinden gibt es. Womöglich hat Paulus ein anderes Bild von Homosexuellen gehabt, als er sich so abgrenzte: Menschen, die aus sexueller Langeweile oder Übersättigung den Kick des gleichgeschlechtlichen Sex suchen, und das mit häufig wechselnden Partner/innen, oder gegen Geld oder mit Gewalt. Ich denke aber bei „homosexuell“ auch an Männer, die Männer, und Frauen, die Frauen lieben – mit gleichem Respekt und gleicher Treue, wie heterosexuelle Menschen lieben. Diese Liebe möchte ich nicht auf Sexualität reduzieren, und ich möchte solche Liebe gegen alle Vorurteile und Phobien, die in unseren Gemeinden und vielleicht auch in mir stecken, anerkennen. Ich würde gerne mit dem Apostel Paulus einmal über diese Vorstellungen diskutieren.

Fragen: Brigitte Geiselhart

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