Friedrichshafen Zwangsarbeiter in Friedrichshafen: Ein Thema, das betroffen macht

Historikerin Christa Tholander referiert im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen über "Das KZ Dachau Außenkommando in Friedrichshafen".

Es ging nicht nur um Industriegeschichte im Dritten Reich. Es ging um ein Thema, das auf den Nägeln brennt und gerade auch Häfler offenbar nach wie vor brennend interessiert. Historikerin Christa Tholander referierte im Zeppelin-Museum im Rahmen der Reihe "Open House" über "Das KZ Dachau Außenkommando in Friedrichshafen" – und der Andrang war so groß, dass die zunächst vorbereiteten Besucherstühle nicht ausreichten.

Aus nationalsozialistischer Sicht sollte sie den Kriegsverlauf noch einmal auf den Kopf stellen: Das Aggregat A4/V2 – die erste ballistische Rakete der Welt – war auch für Luftschiffbau Zeppelin der Einstieg in eine ganz neue Technologie. Ein Geheimprojekt, für das man auch "menschliches Arbeitsmaterial", natürlich verstärkt KZ-Häftlinge, brauchte.

Christa Tholander lenkt den Blick auf ein Foto: Man sieht Hugo Eckener, Ludwig Dürr, auch Wernher von Braun und Walter Dornberger, den Chef der Raketenabteilung des Heereswaffenamtes. Der entscheidende Kontakt wurde schon im September 1941 geknüpft. Weniger als zwei Jahre später waren bereits die ersten Häftlinge in Friedrichshafen eingetroffen, um als Vorkommando das Außenlager des KZ Dachau zu errichten. Neben dem Werksgelände der Zeppelin-Werft entstanden sechs Unterkunftsbaracken, eine Sanitärbaracke sowie eine als Küche und Krankenstation genutzte Baracke. Den Plänen der Nazis zufolge waren bis zu 1500 Zwangsarbeiter vorgesehen.

Elfstündige Tagesschichten

Fakten, Zahlen und politische Ziele sind das eine – menschliche Schicksale das andere. Deutsche, Russen, Polen, Schlosser, Fräser, Schweißer, "Politische", "Kriminelle", "Asoziale" hatten auch in Friedrichshafen unter menschenunwürdigen Bedingungen in jeweils elfstündige Tagesschichten ihren Dienst zu leisten. Als Beispiele nennt Christa Tholander den Polen Zdzislaw Olenderek und den russischen Juden Moisej Beniaminowitsch, die nach Kriegsgefangenschaft und leidvoller Odyssee in Friedrichshafen landeten – und zitiert aus einer Tagebucheintragung, die von "Bedingungsloser Unterjochung" spricht. Stundenlanges, angebundenes "Pfosten stehen" und bis zu 48 Schläge "über den Bock" waren demnach von den NS-Schergen beliebte und häufig ausgeführte Strafmaßnahmen.

Die verheerenden Luftangriffe auf Friedrichshafen am 28. April 1944 zerstörten auch einen Großteil des KZ-Außenlagers – die Zahl der getöteten Häftlinge ist nicht eindeutig belegt. Bei einem weiteren Luftangriff am 20. Juli 1944 wurden zwei russische Häftlinge bei Fluchtversuchen erschossen. In solchen Fällen wurde in den Leichenscheinen nicht selten nachträglich "unbekannt" als Todesursache angegeben, wie Christa Tholander ausführt. Ein Vortrag, der auch mehr als 70 Jahre nach dem schrecklichen Geschehen betroffen macht.

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