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Friedrichshafen Zum Träumen und Lachen

Das TNT-Theater brachte am Montag „Der kleine Prinz“ von Saint-Exupéry in französischer Sprache auf die Bühne

„Bitte... zeichne mir ein Schaf“ – diese Worte schrecken einen Piloten auf, der mit seiner Maschine in der Wüste eine Panne hat. Vor ihm steht ein „kleines, höchst ungewöhnliches, Männchen“. Weil ihm ein Schaf nicht gelingt, zeichnet er eine Kiste. „Das Schaf, das du willst, steckt da drin“, erklärt der Pilot, der den kleinen Besucher erstaunlicherweise damit glücklich macht: „Das ist ganz so, wie ich es mir gewünscht habe.“ So macht der Pilot die Bekanntschaft des kleinen Prinzen. Wer kennt sie nicht, die zauberhafte, lustige und berührende Geschichte des vom Himmel Gefallenen, der dem Piloten seine Erkenntnisse und Erfahrungen mitteilt, dem es „die großen Leute“ nicht leicht machen, darin einen Sinn zu sehen und umgekehrt. In acht Tagen erzählt der freundliche, nachdenkliche Junge von seinen ergreifenden Erlebnissen, darunter von seiner unglücklichen Liebe zu einer Rose. Vorgestern Abend hat das TNT-Theater den Klassiker von Antoine de Saint Exupéry im Bahnhof Fischbach in französischer Sprache auf die Bühne gebracht.

Von Anfang an wird deutlich, diese Inszenierung, in einer Bühnenadaption von Paul Stebbings und Paul Smith, ist vorwiegend für Kinder konzipiert, für die Exupérys Geschichte ursprünglich gedacht war. Ihre Originalität und die witzigen Ideen fesseln aber auch Erwachsene. Die Sprache ist einfach und leicht verständlich, vor allem, weil die Schauspieler sehr deutlich artikulieren. Das wird vermutlich auch die Lehrer gefreut haben, die mit ihren Schulklassen in die Vorstellung gekommen waren. Vor allem fällt auf, dass eine grammatikalische Besonderheit der französischen Sprache sehr oft verwendet wird, offensichtlich als Übung gedacht: der Subjonctif (ähnlich dem deutschen Konjunktiv). Mit den vier Schauspielern sind all die unterschiedlichen Figuren, die der kleine Prinz auf seiner interplanetarischen Reise antrifft, bestens besetzt: der Eitle, der Geschäftsmann, der Laternenanzünder, der Geograf, die Schlange, der Fuchs. Rasch müssen sie ins nächste Kostüm schlüpfen und sich stimmlich umstellen, was nahtlos und mühelos gelingt. Viel Energie und Lebendigkeit steckt in ihrem Spiel: unschlagbar Caroline Roussel als eitle und stolze Rose, die „mit der Sonne Geborene“, als Trinker oder Geograf. Mit seinem schmalen Körperbau macht Lula Suassuna vor allem als Schlange eine hervorragende Figur, mit geschmeidig schlängelnden Bewegungen und scharf zischelnden S-Lauten. Mit Gaspard Legendre kann der Zuschauer sehr gut mitfühlen, wie er mehr und mehr den naiven, unerfahrenen kleinen Kerl in sein Herz schließt. Ganz allerliebst gibt Morwenna Spagnol den kleinen Prinzen, dessen bezaubernde Arglosigkeit, Schwermut oder kindliche Freude. Auch die schönen Farben und die Eleganz seines Kostüms rücken die Schauspielerin in den Mittelpunkt. Maske und Kostüme sind sowieso ein Highlight, mit einfachen Mitteln hergestellt und dennoch von starker Wirkung, zum Beispiel der große Vogel, mit dem der kleine Prinz vor der Eigentümlichkeit der Leute flieht: nur ein Schnabel und lange Schwalbenschwänze. Oder der Fuchs: eine prächtige Kopfmaske, ein Schwanz. Dazu hat sich Lula Suassuna das Verhalten dieses Tiers genau abgeschaut. Die Kulisse ist ebenfalls schlicht: praktische Stellwände zum Verschieben und Wenden. Es zeigt, dass es nicht vieler Requisiten bedarf, wenn die Schauspieler gut sind. Und das Stück sprüht vor witzigen Ideen – etwa der Tanz der Affenbrotbäume auf dem Planeten des kleinen Prinzen, Affen und Bäume in Personalunion. Die Inszenierung arbeitet mit viel Bewegung: Tanzschritte, ausgeprägter körperlicher Ausdruck und hat auch manchen Klamauk zu bieten. Erwachsenen kommt dieser teils etwas zu dick aufgetragen vor, Kinder dagegen finden das bestimmt irrsinnig komisch.

Alles in allem ist das Bühnenstück ein gelungenes Zusammenspiel von Masken, Kostümen, Licht, Geräuschen und Musik, trefflich abgestimmt auf die jeweiligen Szenen, Stimmungen und Emotionen – ein Schauspiel zum Träumen und Lachen. Dem TNT-Theater ist dabei auch eine liebevolle Umsetzung gelungen, die das Augenmerk in Exupérys Meisterwerk auf das Wesentliche der Geschichte richtet, auf das, was der kleine Prinz einem vor Augen führt: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

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