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Friedrichshafen Zeppelin-Universität: Präsident Stephan A. Jansen tritt mit sofortiger Wirkung zurück

Der Gründungspräsident der Zeppelin-Universität, Stephan A. Jansen, ist zurückgetreten. Das war vor wenigen Wochen so noch nicht vorgesehen. Offiziell ist von „persönlichen Beweggründen“ die Rede. Doch für den sofortigen Rücktritt Jansens könnte es noch ganz andere Gründe geben.

Die Pressemitteilung, die gestern Mittag die Redaktionsstuben erreichte, vermittelte den Eindruck eines ganz normalen Vorgangs. „ZU-Präsident Jansen vollzieht angekündigten Rückzug“ titelt die Nachricht, die alles andere als vorsehbar war. Der Gründungspräsident der Zeppelin-Universität (ZU) habe die Gesellschaftervertreter sowie die (Vorstands-)Vorsitzenden von ZU-Stiftung und ZU-Stiftungsrat über seinen Wunsch informiert, seine Ämter als Präsident und Geschäftsführer niederzulegen – mit sofortiger Wirkung.

Warum geht Stephan A. Jansen wirklich?

Eigentlich wollte Stephan A. Jansen, der „Kopf“ der Uni seit gut elf Jahren, erst 2015 gehen. So hatte er es jedenfalls im Februar dieses Jahres bekannt gegeben. Zumindest laut Pressemitteilung machte Jansen gestern beim Semesterstart vor den Studierenden und dem Kollegium genau wie vor sieben Monaten „persönliche Beweggründe“ geltend. Dabei hatte er erst vor zwei Wochen gegenüber unserer Zeitung betont, er bleibe so lange, bis sein Nachfolger gefunden sei. Aktuell läuft aber noch die Bewerbungsfrist. Mit der Berufung des neuen Präsidenten werde „bis Jahresende“ gerechnet, teilte die ZU gestern auch mit.

Warum also geht Stephan A. Jansen wirklich? Auf unsere Nachfrage gestern Abend erklärt Vizepräsident Tim Göbel, der Präsident habe ursprünglich zum neuen Semester seinen Teil der Geschäftsführungs-Aufgaben an den Kanzler übergeben wollen. Dies sei im April auch so verabredet gewesen. Dazwischen kam allerdings die Entscheidung der ZU-Stiftung, sich vom Kanzler zu trennen, weshalb er zunächst zugesagt habe, kommissarisch auch Kanzleraufgaben zu übernehmen. Sieben Monate nach der Ankündigung zu gehen halte es Jansen nun aber für besser, dies auch zu tun – zumal es mit dem Vizepräsidenten Forschung, Alfred Kieser, eine „ehrliche Interimslösung“ gebe. In der Pressemitteilung ein paar Stunden zuvor war noch zu lesen, dass man „die zwei akademischen Vizepräsiden“ gebeten habe, die Aufgaben des Präsidenten bis zur Neubesetzung des Amtes zu übernehmen – also Kieser und Gabi Reinmann. Außerdem habe Stephan A. Jansen in der gestrigen Veranstaltung auch erklärt, dass er es „als nicht angemessen“ empfand, strategisch langlaufende Projekte, von Internationalisierungsstrategien über die Einwerbung größerer Lehr- und Forschungsbereiche oder auch IT-Software, „als gehender Präsident entscheiden zu müssen“.

Eine andere Erklärung für den sofortigen Rücktritt könnten freilich auch die Vorkommnisse der vergangenen drei Wochen seit dem Rausschmiss des Kanzlers sein. Leitende Verwaltungsmitarbeiter und Professoren solidarisierten sich nicht nur mit Niels Helle-Meyer, sondern brachten in zwei Briefen auch Kritik an Jansens Führungsstil zum Ausdruck. Beide Schreiben wurden öffentlich. Recherchen dieser Zeitung förderten zutage, dass der ZF-Vorstand der kaufmännischen Geschäftsführung im Dezember 2013 nach Auseinandersetzungen ums liebe Geld das Vertrauen entzogen hatte. Das wiederum ließ die Abschieds-Ankündigung im Februar von Jansen, aber auch von Vizepräsident Tim Göbel und der Ex- und nun Interimskanzlerin Katja Völcker, in einem anderen Licht scheinen. Dazu kommen Entscheidungen der Geschäftsführung bei diversen Auftragsvergaben, die nicht nur den Verdacht der Unwirtschaftlichkeit, sondern auch der Vetterleswirtschaft nähren (wir berichteten mehrfach).

Die ZU-Geschäftsführung bat aufgrund dieser Berichte bisher zwei Mal um ein Treffen in der Redaktion; das vorerst letzte fand am vergangenen Mittwoch statt. Die Ankündigung, eine Gegendarstellung zu begehren, wurde vom ebenfalls anwesenden ZU-Stiftungsvorstand Werner Allgöwer bei diesem Gespräch zurückgenommen. Bis dato bleiben die beiden Geschäftsführer Jansen und Völcker den Nachweis ihrer Sicht der Dinge schuldig. Bei diesem Treffen hat der SÜDKURIER vielmehr weitere Fragen bezüglich der Geschäftspraktiken der ZU-Führungsriege gestellt. Im Lauf dieser Woche sollten diese beantwortet werden.

 
Reaktionen auf den Rücktritt
  • Keine Frage: Ohne Stefan A. Jansen wäre die Zeppelin-Universität heute nicht so erfolgreich wie sie ist. Hier sind Reaktionen
  • Rückblick: Im Juni 2003 wird Stephan A. Jansen mit der Gründung der ZU zum Präsidenten berufen. Unter seiner Regie entwickelt sich die Uni zu einem wissenschaftlichen Aushängeschild, die in die erste institutionelle Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat im Jahr 2009 und die Verleihung des Promotionsrechts zwei Jahre später mündet.
  • Erfolg: Dafür gibt es mehrere Gradmesser: Sehr gute Ranking-Ergebnisse, Auszeichnungen wie der Hauptpreis im Wettbewerb „Mehr als Forschung und Lehre – Hochschulen in der Gesellschaft“ im Jahr 2011 oder die Tatsache, dass nach knapp elf Jahren heute über 1300 Studierende, über 50 Professuren und mehr als 250 Mitarbeiter die ZU tragen.
  • Finanzen: Jansen hat es mit seinem Team geschafft, nach eigenen Angaben mehr als 650 Partner und Förderer aus Wirtschaft, Kultur und Politik zu gewinnen, die die ZU (finanziell) unterstützen. Zirka ein Drittel des Budgets machen Drittmittel aus. Ein weiteres Drittel wird über Studiengebühren finanziert. Für die Grundfinanzierung sorgen die „3 Z“: ZF, Zeppelin GmbH und Zeppelin-Stiftung der Stadt.
  • Stimmen zum Abschied
    ZU-Stiftungsvorstand Werner Allgöwer:
    „Stephan Jansen hat diese Zeppelin-Universität mit seiner ihm eigenen Kraft visionär und akademisch erdacht, unternehmerisch umgesetzt – und in einfach atemberaubender Zeit aus dem Boden gestampft.“
  • Stimmen zum Abschied
    Oberbürgermeister Andreas Brand:
    „Professor Dr. Stephan A. Jansen und alle Mitarbeiter der ZU haben in den zurückliegenden Jahren die ZU aufgebaut und eine sehr gute Arbeit geleistet. Stadt und Zeppelin-Stiftung danken für die Pionierarbeit und die damit erworbene Reputation der ZU weit über die Stadtgrenzen hinaus.“
  • Stimmen zum Abschied
    Dr. Stefan Sommer, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG:
    „Wir danken der kraftvollen und herausragenden Pionier- und Aufbauarbeit von Herrn Jansen, ohne die die Entwicklung der ZU als innovative Vorzeigeuniversität mit eigenem Promotionsrecht nicht möglich gewesen wäre.Mit Blick auf die aktuellen Diskussionen ist es mir ein Anliegen als Vorsitzender des Aufsichtsgremiums der ZU-Stiftung zu sagen, dass es zu keinem Zeitpunkt in dieser Aufbauphase Zweifel an der Arbeit des Stiftungsvorstandes sowie der ordnungsgemäßen Geschäftsführung von Herrn Jansen und seinem Team gegeben hat.“
  • Stimmen zum Abschied
    Nach Meinung von Peter Gerstmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin GmbH, hat „Herr Jansen im Geiste von Graf Ferdinand von Zeppelin gearbeitet: ein Gründer, visionär und umsetzungsfähig. Wir zollen der Arbeit Respekt, bedauern den vor sieben Monaten angekündigten Rücktritt und danken für die lange vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit.“

Pressemitteilung der ZU-Stiftung zum Rücktritt von Präsident Stephan Jansen: Universitäts-Stiftung dankt für Aufbauarbeit.

ZU-Präsident Jansen vollzieht angekündigten Rückzug.

Friedrichshafen. Im Februar hatte er das Ende seiner Amtszeit angekündigt, sieben Monate später pünktlich zum Semesterstart ist es nun soweit: Gründungspräsident der Zeppelin Universität (ZU) Prof. Dr. Stephan A. Jansen hat den Gesellschaftervertreter, den Vorstandsvorsitzenden der ZU-Stiftung, Werner Allgöwer, sowie den Vorsitzenden des ZU-Stiftungsrats, Dr. Stefan Sommer, über seinen Wunsch informiert, die beiden Ämter des Präsidenten und des Sprechers der Geschäftsführung nach gut 11 Jahren nun niederlegen zu wollen.

Stephan A. Jansen (43) erläuterte im Rahmen der heutigen Semestereröffnung nochmals seine persönlichen Beweggründe aus dem Februar bei den Studierenden und dem Kollegium, verbunden mit dem Wunsch, sich nun wieder unmittelbar Forschung, Lehre und weiteren Projekten widmen zu können:

„Es war in dieser zauberhaften Zeit jeder Tag ein Privileg, eine solche Aufgabe einer Universitätsgründung mit einem Team von klugen Studierenden, Wissenschaftlern und Mitarbeitern unternehmen zu dürfen. Es waren sehr anregende und sehr anstrengende 11 Jahre als Gründungspräsident – mit viel Ideen und Arbeit, einiger Kritik und doch auch einigen Erfolgen. Dem nächsten Management-Team und allen Wissenschaftlern und Studierenden wünsche ich für die nächsten 11 Jahre der ZU eine weiterhin akademisch positive Entwicklung.“

ZU-Stiftungsvorstand Allgöwer bedauerte im Namen seiner Kollegen die Entscheidung des Präsidenten mit Nachdruck: „Stephan Jansen hat diese Zeppelin Universität mit seiner ihm eigenen Kraft visionär und akademisch erdacht, unternehmerisch umgesetzt – und in einfach atemberaubender Zeit aus dem Boden gestampft. Ich bedaure, aber respektiere seinen Wunsch, nun die Ankündigung wahr zu machen und danke von Herzen. Damit geht der ZU ein Freigeist-Präsident verloren, aber mit ihm bleibt hoffentlich nach seiner Stanford-Zeit noch lange ein geschätzter Freigeist-Professor.“

Werner Allgöwer und der Vorsitzende der seit dem Frühjahr arbeitenden Suchkommission für die Präsidentennachfolge, Prof. Dr. Georg Jochum, informierten über den Stand der Präsidentensuche sowie über die im August begonnene Kanzlernachfolge. Für beide Positionen wird mit Berufungen bis Jahresende gerechnet. Herr Allgöwer und Herr Jansen baten zudem die zwei akademischen Vizepräsiden, die Aufgaben des Präsidenten bis dahin zu übernehmen.

Der Vorsitzende des Stiftungsrates der ZU-Stiftung und Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG, Dr. Stefan Sommer, würdigte nochmals die Verdienste: „Wir danken der kraftvollen und herausragenden Pionier- und Aufbauarbeit von Herrn Jansen, ohne die die Entwicklung der ZU als innovative Vorzeigeuniversität mit eigenem Promotionsrecht nicht möglich gewesen wäre. Mit Blick auf die aktuellen Diskussionen ist es mir ein Anliegen als Vorsitzender des Aufsichtsgremiums der ZU-Stiftung zu sagen, dass es zu keinem Zeitpunkt in dieser Aufbauphase Zweifel an der Arbeit des Stiftungsvorstandes sowie der ordnungsgemäßen Geschäftsführung von Herrn Jansen und seinem Team gegeben hat.“

Auch der Vorsitzende der Geschäftsführung der Zeppelin GmbH und Mitglied des Stiftungsrates, Peter Gerstmann, dankte dem Gründungspräsidenten: „Herr Jansen hat im Geiste von Graf Ferdinand von Zeppelin gearbeitet: ein Gründer, visionär und umsetzungsfähig. Wir zollen der Arbeit Respekt, bedauern den vor sieben Monaten angekündigten Rücktritt und danken für die lange vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit.“

Hans-Ulrich Gumbrecht, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der ZU (Academic Advisory Board) und Professor für „Comparative Literature” an der Stanford University, würdigt die Leistung aus akademischer Sicht: „Stephan Jansen verbindet auf singuläre Weise den aktiven Geist des riskant denkenden Intellektuellen mit der erfolgreichen Urteilsfähigkeit des Unternehmers. Seine Leistung, eine Universität im innovativsten Sinn der Humboldtschen Tradition zu entwickeln, hat mich von Beginn an fasziniert und zur aktiven Mitarbeit motiviert. Meine Kollegen und ich an der Stanford University freuen uns auf ihn – und auf die Diskussionen, welche seine Forschung zu einem neuen Konzept der Universitätsbildung auslösen wird.”

Allgöwer stellte bei der Semesterbegrüßung mit Blick auch auf die Arbeit seiner Vorgänger als Stiftungsvorstände angesichts der jüngst aufgekommenen Fragen klar: „Sowohl die Universitätsfinanzierung ist unverändert langfristig gesichert, als auch die Geschäftsführungs- und Vergütungsentscheidungen wurden immer gemäß der Regularien und Zustimmungserfordernisse der ZU-Stiftung und ZU getroffen.“

Er betonte weiterhin, dass aufgrund der Wechsel in der Führungsebene in dieser Übergangsphase die Universität nun einer besonderen Achtsamkeit der ZU-Stiftung bedürfe. „Die nun kommenden Gesichter und Ideen werden für die Zukunft der Universität und insbesondere für Lehre, Forschung und kaufmännische Führung, neue Impulse und Stabilität für die nächste Phase der ZU geben.“

Lesen Sie dazu auch:
Stephan Jansen geht – Misstöne bleiben

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Aktuelles zur Zeppelin-Universität (ZU) in Friedrichshafen: Die Zeppelin Universität (ZU), früher Zeppelin University, ist eine private, staatlich anerkannte Universität in Friedrichshafen. Die ZU erhielt im September 2011 als erste Privat-Uni in Baden-Württemberg das Promotionsrecht.
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